Grundstück an der Dürener Straße soll aus Schutt und Asche auferstehen

Von: Mischa Wyboris
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Zeitzeuge der Trostlosigkeit: Die alte Holztür inmitten der Ruine an der Dürener Straße 13. Jetzt gibt es einen neuen Eigentümer. Foto: Mischa Wyboris

Eschweiler. Die alte Holztür hat auch schon bessere Tage gesehen. Aus den Angeln gehoben und von der Witterung gezeichnet, lehnt sie gegen ihren eigenen Rahmen - fast so, als wache sie über den kümmerlichen Rest um sie herum, der einmal ihr Haus gewesen ist.

Zwischen schweren Steinbrocken und morschen Holzscheiten hat sich Unkraut breitgemacht; gelbe Margeriten bevölkern die Ruine, die schon lang verlassen ist.

So trostlos der Anblick des Grundstücks an der Dürener Straße ist, wo einmal das Haus mit der Nummer 13 gestanden hat, so trostlos sind auch die Bürger, die sich um das Erscheinungsbild Eschweilers sorgen. Und das schon seit fast zehn Jahren, wie ein historischer Abriss jener städtebaulichen Leidensgeschichte zeigt, die auch den Abriss des Gebäudes beinhaltet, und an deren Ende der Verkauf des Grundstücks an einen neuen Eigentümer steht.

Schon im Jahre 2001 war die Stadt an den damaligen Besitzer herangetreten, der das Haus in der Nähe des Hotel de Ville zusehends verkommen ließ. Er möge sich doch wenigstens um Sicherungsmaßnahmen an seinem Gebäude bemühen, das an allen Ecken zu bröckeln begann - doch nichts geschah.

Das in der Gründerzeit um 1880 errichtete Haus verlotterte so offensichtlich, dass sich im Jahre 2005 auch die Bürger einschalteten. Viele von ihnen beschwerten sich bei der Stadt, die Stadt beschwerte sich abermals beim Eigentümer, und der Eigentümer erleichterte sich schließlich um sein Problem - er warf das Handtuch.

Neuer Besitzer, neues Glück - altes Bild. Zwar stellte der Eigentümer im November 2007 bei der Stadt einen Antrag auf Abriss des Gebäudes, doch trotz deren Zustimmung im Januar 2008 geschah wieder nichts. Es hätte ein Statiker an den Abrissarbeiten beteiligt werden müssen, um auszuschließen, dass für die Nachbarn Gefahren bestehen. Und damit wurde das längst Fällige hinfällig: Das Projekt scheiterte nach Angaben der Stadt an der Finanzierung.

Wieder schritten die Bürger ein, notgedrungen: Dachpfannen fielen an der verkümmerten Fassade herunter, Glassplitter sprangen aus den Fenstern und klirrten auf den Bürgersteig. Im Herbst 2008 sperrten Anwohner die Gefahrenstelle eigenmächtig mit einem Bauzaun ab. Die Stadt ging ordnungsbehördlich gegen den Eigentümer vor, doch das vom Einsturz bedrohte Haus wurde erst abgerissen, als die Stadt „im Wege der Ersatzvornahme” im Dezember mit dem Bagger anrollte.

Das Grundstück sollte nicht nur unter den Bagger, sondern auch unter den Hammer geraten. Im August 2009 fand im Amtsgericht Eschweiler die Zwangsversteigerung statt - ohne Erfolg. Und so lag das Areal weiter brach. „Das ist ein Schandfleck, keine Frage”, weiß Stadtsprecher Stefan Kaever. „Da nach dem Abriss aber keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit besteht, kann die Stadt auch nicht eingreifen.”

Wert auf 45.000 Euro festgesetzt

Nach fast zehnjähriger Leidensphase muss sie es nun auch nicht mehr. Das 336 Quadratmeter große Grundstück mitsamt seiner Ruine, dessen Wert auf 45000 Euro festgesetzt wurde, hat wieder einen neuen Eigentümer. Das verkündet „s-immo”, das zuständige Immobilienunternehmen.

Was wann mit dem Areal an der Dürener Straße 13 genau passiert, lässt sich derzeit nur vermuten - der neue Eigentümer dürfe namentlich nicht genannt werden, wahrt „s-immo” das Anonymitätsrecht seiner Kunden. Aber es darf davon ausgegangen werden, dass die Trostlosigkeit bald ein Ende hat - ebenso wie am Markt, wo das Haus mit der Nummer 20, seit Jahren leerstehend, endlich seine Renovierung erfährt. Auch dieses Gebäude hat einmal demselben Eigentümer gehört wie das an der Dürener Straße.

Der alten Holztür wird egal sein, was der neue Besitzer mit seinem Grundstück vorhat. Sie wird stehen bleiben, bis zuletzt. Und am Ende doch klein beigeben. Es bleibt ihr ja nichts anderes übrig.
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