Grundschüler nach ihren Fähigkeiten fördern

Von: Patrick Nowicki
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Jedes Kind kann etwas: In diesem Fall legen sich die Kleinen musikalisch ins Zeug. Sehr zur Freude der fünf Leiter der am Aachener Modell beteiligten Grundschulen: (von links im Hintergrund) Britta Poland (Bergrath), Sabine Allelein (Eduard Mörike), Ursula Norbisrath (Don Bosco), Renate Topp-Klein (Dürwiß) und Gerd Schnitzler (Kinzweiler). Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Begabtenförderung an Grundschulen – das klingt nach besonderen Angeboten für einen kleinen, besonders intelligenten Kreis. Dem ist aber nicht so, wie die Grundschullehrer in Eschweiler betonen. Genau das Gegenteil ist der Fall. In den Klassen soll jedes Kind nach seinen Begabungen besonders gefördert werden. Diese besonderen Fähigkeiten können natürlich in Mathe oder Deutsch auftreten, aber auch künstlerische und soziale Begabungen zählen.

„Ich spreche lieber von Förderung von Begabungen, denn das unterstreicht, dass jedes Kind Begabungen hat“, sagt der Schulleiter der Grundschule Kinzweiler, Gerd Schnitzler. Drei Jahre lang wurde sein Kollegium auf das Aachener Modell vorbereitet. Auch für den erfahrenen Grundschulleiter Gerd Schnitzler waren die Fortbildungen und „Coachings“ eine interessante Erfahrung: „Vieles sehe ich nun in einem anderen Licht.“ Er meint diese Aussage ausschließlich positiv, denn für ihn liegt der Vorteil des Aachener Modells darin, dass man sich nicht mehr verstärkt den Defiziten der Kinder widme, sondern die Stärken betone. „Dies kann die Motivation der Kinder natürlich deutlich steigern“, pflichtet ihm die Bergrather Schulleiterin Britta Porath bei.

Die Eschweiler Don-Bosco-Schule gehörte zu den Schulen in der Städteregion, die die Pilotphase mit aufbauten. Die Schulleiterin Ursula Norbisrath übernahm später auch die Organisation des Aachener Modells mit Monika Wallbrecht (GGS Pannesheide) und Anita Groß (GGS Am Höfling) in der Städteregion. Sie kennt viele Vorteile dieser Form der Begabtenförderung, die auf die Theorie der multiplen Intelligenzen nach Howard Earl Gardner (siehe Box) zurückgehen. Ein großes Plus ist die Kooperation mit anderen Einrichtungen wie der RWTH, FH Aachen, dem Haus Overbach und dem Ludwig-Forum in Aachen. Das bringt Abwechslung in den Unterricht. „Die Kinder freuen sich immer auf diese besonderen Angebote“, berichtet Ursula Norbisrath.

Seit zehn Jahren ist die Begabtenförderung im Aachener Modell geregelt. Zunächst war die Don-Bosco-Schule beteiligt, inzwischen zählen die Grundschulen in Kinz­weiler, Bergrath und Dürwiß sowie die Eduard-Mörike-Schule zu den Schulen, die in der Städteregion zertifiziert sind.

Diese Unterstützung von außen ermöglicht es den Grundschulen auch, eigene Schwerpunkte zu setzen und sich dadurch ein eigenes Profil zu geben. Studenten der Sporthochschule Köln bieten zum Beispiel an der Grundschule Bergrath im Rahmen des Projektes „Kids move“ ein spezielles Training an. Auch dort gilt es nicht nur, die sportlichsten Schüler zu fördern. „Auch Kinder mit Bewegungsdefiziten kommen auf ihre Kosten“, sagt Britta Porath. Die Dürwisser Grundschule kooperiert mit der Eschweiler Musikschule und hatte auch schon Profi-Musiker vom RWE-Power-Orchester zu Gast. Die Eduard-Mörike-Schule nutzt unter anderem die Nähe zum Städtischen Gymnasium, um mit den Kindern zu experimentieren.

Erkennungsmerkmal ist auch das jeweilige Schulmotto. Jede beteiligte Grundschule musste sich einen Slogan geben. „Eine Schule für alle Kinder“ heißt es an der Eduard-Mörike-Schule, „Entdecke dein Talent“ lautet der Leitsatz in Dürwiß. Die Don-Bosco-Schule zitiert ihren Namenspatron: „Traue jemandem etwas zu, und er wird sich darum bemühen, diesem Vertrauen zu entsprechen.“ „Keiner kann alles, niemand kann nichts“, ist in Kinzweiler zu lesen. Bergraths Motto lautet: „Pfiffikus – ein Jeder kann Experte sein“.

Allen fünf Eschweiler Grundschulen gemein ist der Schwerpunkt auf sogenannte soziale Kompetenzen. „Wenn ein Kind im Klassenverband gut vermitteln kann, dann ist es bestens geeignet, als Streitschlichter zu helfen“, nennt Ursula Norbisrath ein Beispiel. Solche Schüler können sich in einem Klassenrat besonders einbringen. „Wer gut lesen kann, der kann als Lesementorin oder Lesepate schwächere Schüler unterstützen“, betont Gerd Schnitzler, dass auch in diesem Bereich Schüler mit mehreren Fähigkeiten gefragt sind.

Kreativität ist gefragt

Für das Aachener Modell mussten die Lehrer in jedem Fall nochmal die Schulbank drücken, denn auch ihre Kreativität ist unbedingt erforderlich. Der Lehrplan muss dafür nicht verändert werden. „Die meisten Angebote finden während des normalen Unterrichts statt“, sagt Gerd Schnitzler. Manchmal lässt es sich jedoch nicht vermeiden, Veranstaltungen auf den Nachmittag zu legen. Dies betrifft in der Regel nur wenige Schüler.

Dort sehen die beteiligten Schulleiter einen kleinen Schwachpunkt des Systems. Manchmal sei es nämlich schwierig, sich für einen Schüler zu entscheiden. Kooperationen zwischen den Grundschulen gibt es derzeit noch nicht. „Aber dies ist ein interessanter Gedanke“, gesteht Ursula Norbisrath. So könnten Förderangebote gemeinsam organisiert werden. Beim nächsten Treffen der Schulleiter soll darüber gesprochen werden. Das Aachener Modell entwickelt sich weiter...

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