Eschweiler-Kinzweiler - Grundschüler legen sich mächtig ins Zeug

Grundschüler legen sich mächtig ins Zeug

Von: jlm
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Karim Camara von der Gruppe Mama Afrika feierte mit seinen Bandkollegen und den Eltern der KGS Kinzweiler. Foto: Julia Meuser-Romano
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Trotz des eher trüben Wetters ließen die Kinder sich beim Sponsorenlauf nicht unterkriegen.

Eschweiler-Kinzweiler. „Wir für Vozama – Retten wir die kleinen Kinder Madagaskars.“ So lautet der Titel einer Projektpartnerschaft, welche die Kinder der Katholischen Grundschule Kinzweiler schon seit langem, besonders aber an diesem Wochenende, leben.

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt, sie gehört jedoch auch zu den zwölf ärmsten Ländern. Infolge von Diktatur, Misswirtschaft und Korruption war das Land schließlich auf den Weltwährungsfond angewiesen, weshalb es zu strengen Sparmaßnahmen gezwungen war. Um zu sparen, schloss der Diktator die Hälfte aller Schulen.

Vor allem in abgelegenen Dörfern hinderten Armut und der weite und beschwerliche Schulweg die Kinder von da an am Schulbesuch. „Ich habe Bilder gesehen“, erzählt Gerd Schnitzler, Schulleiter der KGS Kinzweiler. „Die Wege sind lang und vor allem gefährlich, abgesehen davon, dass die Kinder diese meist barfuß zurücklegen, da sie schlichtweg keine Schuhe haben.“

„Das Dorf macht Schule“

1995 gründete der Elsässer Pater André Boltz daher die Organisation „Venjeo ny zaza Malgazy“ kurz Vozama. Unter dem Motto „Das Dorf macht die Schule“ wurden Dorfschulen errichtet. Das bedeutet, die Eltern stellen einen Raum zur Verfügung, statten ihn mit Tischen und Bänken aus und zahlen einen geringen Beitrag. Vozama organisiert den Unterricht, und stellt Tafeln, Kreide und weiteres Unterrichtsmaterial zur Verfügung.

So werden die sechs- bis achtjährigen Kinder an vier Tagen in der Woche jeweils drei Stunden unterrichtet, in der Regel von im Dorf wohnenden Mädchen mit Schulabschluss, die dafür auch einen geringen Lohn erhalten. Nach zwei Jahren sind die Kinder dann alt genug – von da an nehmen sie den weiten Weg zur nächsten staatlichen Schule auf sich.

Rund 800 Vozama-Schulen wurden schon gegründet, fast 10.000 Kinder können so unterrichtet werden. Diese zweijährige Schulausbildung kostet für ein Kind (nur) 25 Euro. Das sei ein Besuch auf dem Bend oder die CD des Lieblingssängers, „das überrascht dann auch die Kinder“, fügt der Schulleiter hinzu.

Bereits seit 1995 unterstützt die KGS Kinzweiler verschiedenste Partnerschulen, angefangen in Bounon in Burkina Faso. Doch über die Jahre seien so manche Kontakte aus verschiedensten Gründen abgebrochen, erzählt Gerd Schnitzler wehmütig. Da diese Unterstützung jedoch auch zum Profil der Schule gehöre, sei schnell klar gewesen: Ein neues Projekt soll her. Johannes Schaaf von Misereor sei dabei der Mann, der das Partnerschaftsprojekt ins Rollen brachte. Weihnachten 2014 wurde der Beschluss gefasst.

Im November des vorigen Jahres besuchte Schaaf sogar die Schüler in Kinzweiler mit einer Delegation aus Madagaskar, genauer dem heutigen Leiter des Projekts, Frère Claude Fritz, und zwei Madagassen. Sie informierten über das Projekt, sangen mit den Kindern madagassische Lieder und wurden mit Fragen gelöchert. Diese Zeit sei auch für die Delegation ein Erlebnis gewesen, weiß Johannes Schaaf. Es habe ihnen den Rücken gestärkt, zu sehen, wie sich die Kinder engagieren. Das seien aber auch Momente, die sich bei den Kindern in der Schule einbrennen würden, fügt der Schulleiter hinzu.

Am Eingang der Schule informiert eine Tafel über das Projekt, in jeder Klasse hängt neben dem Kreuz ein Bild von Vozama, um die Schüler zu erinnern.

Am Freitagmorgen setzten sich die Kinzweiler Grundschüler in ihren Klassen kreativ mit dem Thema „Madagaskar“ auseinander, stellten Lernplakate her, googelten nach dort heimischen Tieren, die selbst die Lehrer noch nicht kannten, studierten Tänze ein, bastelten Masken und Regenmacher aus Pappröhren und Erbsen, sowie kleine Krokodile aus Streichhölzern.

Zu späterer Stunde folgte dann ein Benefizabend, organisiert von Siggi Eichendorff-Kamp vom Offenen Ganztag. Afrikanische Lebensfreude erfüllte den Raum, als Karim Camara von der Gruppe Mama Afrika mit einigen Bandmitgliedern auf der Trommel, der Djembé, spielte und mit den Eltern und Lehrern feierte.

In Guinea ist Karim Camara seit Veröffentlichung seiner ersten Kassette „Wâa Mali“ mit seiner Gruppe „Les Étoiles de Boulbinet“ ein Star. Die Band Jack Sprat sorgte im Anschluss dann für tolle Stimmung. Beide Musikacts verzichteten auf ihre Gage – die sollte dem Erlös des Projekts zu gute kommen.

Am Samstagmorgen ging es dann zum Sponsorenlauf erneut zur Schule. Jede Klasse lief eine halbe Stunde lang 330 Meter pro Runde. Im Vorfeld hatten die Kinder Sponsoren organisiert, die pro gelaufener Runde einen Geldbetrag spenden. Bei dem ersten Sponsorenlauf hätten sie die Kinder unterschätzt und mit sieben bis acht Runden pro Kind gerechnet.

Manche hätten sie dann tatsächlich bei der 15. Runde stoppen müssen, erzählt der Schulleiter lachend. Doch aus Fehlern lernt man: Nun konnten die Eltern eine Höchstgrenze angeben. Der Förderverein sorgte für Stärkung mit Getränken und einem Imbissangebot. Stolz zeigte sich der Schulleiter besonders auf die Eltern – ihre Hilfe sei einfach fantastisch. Ohne die Unterstützung der Eltern und des Kollegiums würde so etwas gar nicht funktionieren.

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