Große Spannbreite beim Herbstfest im Talbahnhof

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
talbahnhof 1
Ließen es sich nicht nehmen, ihre Visitenkarte einmal mehr in ihrer „favourite town in the Eifel“ abzugeben: Die „dear old friends“ Herr Schröder (Andreas Wiegels, vorne) und Herr Schultze (Christian Klömpken) klärten das Publikum über den Weg der „Windsurfs“ nach England auf und lieferten zusätzlich Jonglagen der Extraklasse. Foto: Andreas Röchter
talbahnhof 2
Ausnahmepianist als Eisbrecher: Jozsef Acs interpretierte zu Beginn des Herbstfestes Werke von Liszt und Chopin und setzte damit ein erstes Ausrufezeichen eines bemerkenswerten Nachmittags. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Ein Ausnahmepianist als Eisbrecher, ein ruhender Pol, der immer mehr in Zeitnot gerät, ein britischer Doppelschlag, der einen „Bühnen-Wirbelwind“ und zwei „Gentlemen“ ältester Schule beinhaltete, ein „Lorman“, der sich auf der Bühne erfolgreich die Zeit bis zur Rente verschönert und ein Gesangsduo, das sich bei seinem „Heimspiel“ von der besten Seite zeigte.

Das Herbstfest des Kleinkunstfördervereins Talbahnhof gab am Sonntagnachmittag innerhalb von vier Stunden die Antwort, warum das Kulturzentrum der Indestadt eine Ausnahmestellung in der Kleinkunstwelt der näheren und weiteren Umgebung einnimmt. Die acht Künstler, die herbstfestgemäß auf eine Gage verzichteten, boten ein facettenreiches Programm, das dem Publikum im vollbesetzten Talbahnhof sichtlich Spaß bereitete.

Einen nicht unbeträchtlichen Anteil daran hatte auch Siegfried Tschinkel, der am Sonntagnachmittag als einfallsreicher und wortgewandter Moderator fungierte, es sich aber auch nicht nehmen ließ, kurzerhand sein großes Talent als „Mentalmagier“ unter Beweis zu stellen und die Gäste des Herbstfestes im Wortsinn zu verzaubern.

Für einen Auftakt der Sonderklasse am Klavier hatte zuvor der großartige Jozsef Acs als Vorgeschmack auf den kommenden Samstagabend, an dem Werke und Leben von Gioachino Rossini im Talbahnhof im Mittelpunkt stehen werden, gesorgt. Der Pianist präsentierte Franz Liszts „Liebestraum“ sowie einen Walzer Frederic Chopins und setzte damit ein erstes Ausrufezeichen.

Starke Eindrücke

Aus einem Dorf, in dem laut eigener Aussage die Mofas besser frisiert sind als die Damen, stammt Kabarettist Marc Breuer, der gerade erst seine 18-monatige Elternzeit beendet hat. Eine kurze Epoche, die starke Eindrücke beim Wahl-Kölner hinterlassen hat: „Viele wissen ja gar nicht, dass wir Männer schon im Kreißsaal die Hauptlast tragen“, brachte er eine vollkommen neue Theorie zum Ausdruck.

„In meinem Fall war ich von 19 Uhr bis Viertel vor Vier in der Nacht unverständlicherweise nur Nebenfigur, die nichts zu essen bekommen hat. Selbst meine Frau war fast ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Acht Stunden lang saß ich auf einem Hocker ohne Rückenlehne.

Eigentlich hätte ich eine Rückenmarksnarkose erhalten müssen. Und zu guter Letzt brüllt der Säugling einen unmotiviert an. Das konnte ich schon bei der Bundeswehr nur schwer vertragen!“, lieferte Marc Breuer auch stichhaltige Beweise für seine These.

Einen wahren Bühnen-Wirbelsturm löste kurz darauf mit Mark Britton „Germanys Comedy-Import No. 1“ aus. Wobei der Brite überzeugt ist, nach 20 Jahren deutscher Kultur absolut integriert zu sein: „Auch ich lege mein Badetuch auf die Liege. Wegen der Engländer ist dies unumgänglich!“, so der Hobby-Schachspieler, der gerne eine Partie mit älteren Herren im Park spielt.

„Dabei ist es gar nicht einfach, 32 davon zu finden, von denen ja 16 auch noch schwarz sein müssen“, ließ der Vater eines Teenagers, der unter „iPod-Abhängigkeit“ sowie Frischluft-Allergie leidet, durchblicken.

„Do you want Rock‘n‘Roll?“, lautete nach der Pause die Frage, die keine Geringeren als Herr Schultze und Herr Schröder dem Publikum stellten.

Die beiden Protagonisten des „Wallstreet Theatres“ hatten es sich nicht nehmen lassen, einen kleinen Abstecher in ihre „favourite town in the Eifel“ zu machen, um ihren Zuhörern zu offenbaren, wie einst der größtenteils mit Segelohren ausgestattete Stamm der „Windsurfs“ den Weg nach England zwar nicht suchte, ihn aber dennoch fand, um auf der schnuckeligen Insel das Empire aus der Taufe zu heben.

Wahrlich feurige Jonglagen zur Ehre der Queen und der peruanischen Hutmacher folgten, bevor Herr Schröder einen Tennisschläger ein wenig zweckentfremdete. „Am 5. Dezember sind wir wieder vor Ort“, ließen die „dear old friends“ noch wissen. „Aber wir sind bereits ausverkauft. Gut für uns, schlecht für sie“, zerstörten sie abschließend bei so manchem Beobachter jegliche Hoffnung.

Würdiger Schlusspunkt

„Nonsens für Anspruchsvolle“ präsentierte Lorenz Böhme alias „Lorman“, der den guten, alten Zeiten durchaus nachtrauert. „Damals hieß es noch, wer zweimal zu Ikea rennt, der gehört schon zum Sortiment! Oder zumindest so ähnlich.“ Trotzdem mischt sich der Wahl-Würselener gerne in die Tagespolitik ein: „Putin hatte vor, in Thüringen einzumarschieren, um den dort beschäftigten russischen Reinigungskräften zum Mindestlohn zu verhelfen. Er scheiterte jedoch an von der Leyens schusssicherer Frisur“, zeigte er sich gut informiert.

Im Anschluss an die Tombola war es dem Talbahnhof erprobten Gesangsduo „Diethild & Klaus“ vorbehalten, einen würdigen Schlusspunkt des Herbstfestes zu setzen. Schade, dass es so mancher Gast vorzog, zuvor den Heimweg anzutreten.

Die, die gegangen waren, verpassten einen stimmungsvollen Ausklang mit einerseits selbstgetexteten Liedern sowie Klassikern wie „Kauf dir einen bunten Luftballon“ oder nicht zuletzt dem authentisch vorgetragenen „O mein Papa“, mit dem ein außergewöhnlicher Sonntagnachmittag sein ausdrucksstarkes Ende fand.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert