„Grenzgang“: Nothberg hieß in früheren Zeiten Walramsberg

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Die Nothberger Burg im Hintergrund – geschichtsinteressierte Bürger folgten am Samstag, geführt von Lokalhistoriker Heinz-Theo Frings (ganz rechts) den Spuren eines Beleitgangs, also einer historischen Grenzbegehung. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Ausschnitt aus einem historischen Dokument: Die Burg Bovenberg in der Skizze des Nothberger Beleitgangs. Was links in der Zeichnung wie eine Leiter aussieht, stellt die Fallbrücke über den Burggraben dar – vor 300 Jahren der Start- und Endpunkt des Rundgangs. Foto: Frings

Eschweiler. Die Wegbeschreibung ist heute mühsam zu verstehen: „Erstlich von der Bovenberger fallbrücken ahn biß auff die sogenante fuhre im hanck auf den Bovenberger acker stehendt...“ Anfang des 18. Jahrhunderts schrieb der Freiherr Christoffel von Rolshausen, der damalige Herr der Burg Nothberg, einen Weg auf, der rund um den Ort Nothberg führte.

Er zeichnete sogar eine Kartenskizze. Beides, den Text und die Zeichnung dieses so genannten Beleitgangs, entdeckte vor fünf Jahren der Eschweiler Lokalhistoriker Heinz-Theo Frings in einem Karton mit alten Urkunden aus dem Archiv des Schlosses Türnich. Am Samstag machten sich geschichtsinteressierte Nothberger Bürger auf diesen Weg, den der Freiherr vor etwa 300 Jahren notiert hatte.

Ein Beleitgang oder in damaliger Schreibweise Beleydtgang ist eine Grenzbegehung, wie sie im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit üblich war. So wurden damals die Besitzrechte der adeligen Grundherren festgehalten, aber auch die Gewohnheitsrechte der Ortsbewohner an der Allmende, also der gemeindeeigenen Feldflur und dem Wald, erläuterte Heinz-Theo Frings vor dem Rundgang in einem Text- und Bildvortrag im Nothberger Pfarrheim. Eingeladen hatte dazu die Vereinsgemeinschaft Nothberg, deren Vorsitzender Otto Krause sich über die Forschungsarbeit von Frings sehr freute.

Eigenartige Gedächtnisstärkung

Aus anderen Orten ist überliefert, dass bei solchen Beleitgängen Kinder geprügelt oder geohrfeigt wurden, damit sie sich auch im Alter noch an den genauen Standort von Grenzsteinen erinnern und ihr Wissen weiter geben konnten. „Diese aus heutiger Sicht eigenartigen Gedächtnisstärkungen wurden später aufgegeben und durch angenehmere ersetzt. So erhielten die Kinder am Niederrhein beispielsweise Brezeln, Weck, Nüsse oder Heiligenbilder“, beschreibt Nikolaus Philippi in seinem Buch über „Grenzsteine in Deutschland“ das Brauchtum.

Die geschichtsinteressierten Eschweiler, die am Samstag die Grenzen der früheren Herrschaft Nothberg abschritten, erhielten weder Prügel noch Heiligenbilder, sondern stattdessen eine Fülle von Informationen über die Geschichte von Nothberg und vor allem der Nothberger Burg, die Frings seit mehreren Jahren erforscht. Da gibt es immer wieder spannende Entdeckungen und neue Erkenntnisse. Heinz-Theo Frings ging in seinem Vortrag am Samstag besonders auf neue Überlegungen zum Ursprung der Nothberger Burg ein: Wann und von wem wurde sie erbaut? Die früheste urkundliche Erwähnung ist aus dem 14. Jahrhundert, aber die Burg ist sicherlich älter.

Frings hat ausführlich alte Quellen studiert und kommt zu dem Schluss: „Am wahrscheinlichsten ist es, dass Walramus II. von Monschau, der Sohn von Walram IV. von Limburg, der Erbauer der Burg Nothberg war.“ Zumal Walramsberg ein alter Name für Nothberg ist. Frings hält es für ebenfalls wahrscheinlich, dass drei Burgen in der hiesigen Region fast gleichzeitig entstanden, von der gleichen Burgbauhütte errichtet: die Burg Nothberg, die Burg Bovenberg und eine Burg in Dorff bei Stolberg, alle drei im französischen Donjon-Stil, mit vier Türmen und ohne Innenhof. Walramus II. starb 1242, die Nothberger Burg könnte also in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts oder sogar noch früher datiert werden.

Von Alt-Bovenberg, der Burg am Ostrand des Bovenberger Waldes, sind noch Mauerreste, Burggraben und ein tiefer Brunnen erhalten. Auf der Fallbrücke dieser Burg, so hatte Christoffel von Rolshausen geschrieben, habe der Beleitgang sein Anfang und sein Ende. Der Freiherr hatte sogar die Burg samt ihren vier Türmen und der Fallbrücke in seine Skizze eingezeichnet.

Endstation Oktoberfest

Diese Burgruine war deshalb auch am Samstag das erste Ziel bei der Wiederholung des Beleitgangs. Zum Glück bei besserem Wetter als bei der ersten Neuauflage dieser Grenzbegehung vor drei Jahren – da hatte es in Strömen geregnet. In Richtung Korkus ging es dann weiter zur Knippmühle, die in den alten Urkunden als Obermühle erwähnt wird, und dann in einem weiten Bogen hinunter ins Indetal, wo früher Omerbach und Inde zusammenflossen. Der Rundgang endete auf dem Oktoberfest im Schützenheim der St.-Sebastianus-Schützen.

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