Gratis ins Netz? Nur wenn viele mitmachen

Von: Patrick Nowicki
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Möchte Mitstreiter für Gratis-WLAN in Eschweiler finden: Samuel Hillesheim. Am Dienstag informiert er im Haus Lersch über Freifunk. Foto: Nowicki

Eschweiler. In Großstädten zählt kostenfreies WLAN zum Alltag, Eschweiler gilt hingegen noch als Funk-Diaspora. Das soll sich nun ändern: Die Initiative „Freifunk Eschweiler“ will freies WLAN ohne Registrierung auch an der Inde populär machen.

Am kommenden Dienstag, 10. November, wollen Samuel Hillesheim und seine Mitstreiter die technischen Möglichkeiten ab 19.30 Uhr bei einem Informationsabend im Haus Lersch an der Dürener Straße erörtern. Heute steht ein Gespräch mit Bürgermeister Rudi Bertram auf dem Programm.

Hinter der Initiative steckt der gemeinnützige Verein Freifunk Rheinland, der auch in Aachen erfolgreich eine Community aufbaute und kostenfreies WLAN ermöglichte. Inzwischen haben sich auch in Baesweiler, Herzogenrath, Langerwehe und Jülich Gruppen gegründet. Das Prinzip ist relativ einfach: Menschen stellen einen Teil ihres Internetanschlusses für das WLAN-Netz zur Verfügung. Hierzu muss einfach ein Router mit einer speziellen Software bestückt werden, die vom Freifunk-Verein entwickelt wurde.

Das Programm verhindert zum einen, dass andere Nutzer in ein privates Netzwerk eindringen können, und garantiert, dass sich die einzelnen Hotspots miteinander verbinden. Dazu wird die gesamte Kommunikation verschlüsselt zu den vereinseigenen Servern. Dies hat noch einen anderen juristischen Vorteil: Dadurch falle die „Störerhaftung“ für den Betreiber weg und gehe auf den Verein über. „Sind mehrere Geräte günstig in einer Straße angeordnet, dann kann man durchgängig auf WLAN zurückgreifen“, sagt Samuel Hillesheim.

Bisher bestehen in Eschweiler drei Stellen, an denen man kostenlos und ohne Anmeldung WLAN nutzen kann. Von einem zusammenhängenden Netz kann nicht die Rede sein. Dass Freifunk für Gastronomen attraktiv sein kann, liegt auf der Hand. Die Gäste müssen dann nicht mehr einen Einwahlcode erfragen und eingeben, sondern können sofort surfen. Und dies zeitlich unbegrenzt. Allerdings kostet dieses Angebot Geld. Hillesheim spricht von etwa 50 Euro, die ein Unternehmer für einen entsprechenden Router auf den Tisch legen muss. Hinzu kommt noch die Beteiligung an den Stromkosten der Freifunk-Server. Die Initiative hofft zudem, dass man sich als Mitglied anmeldet. Der Beitrag beträgt aktuell 60 Euro im Monat. „Ein Muss ist dies aber nicht“, betont Hillesheim. Etwa sechs Euro im Jahr fallen anteilig an Stromkosten für den Server an.

Sollte man auch mitmachen, wenn man nicht in der Innenstadt oder an einer belebten Straße wohnt? Hillesheim sieht auch dann Vorteile. „Wer Zuhause seinen Gästen WLAN-Zugang gewähren möchte, muss bisher die Zugangskennung preisgeben“, sagt er. Damit verbunden sind allerdings Gefahren, denn schnell kann so ein Virus eingeschleust werden. Dies passiere nicht einmal aus Absicht, denn die Schadprogramme liegen versteckt auf den Geräten, weiß er. Das Freifunk-System koppele das freie WLAN vom internen Netzwerk ab. Da es zudem mit einem sogenannten VPN-Tunnel arbeite, seien die privaten Daten sicher.

Hillesheim will nun weitere Mitstreiter finden. Hinter den Kulissen laufen bereits die Gespräche. „Das Interesse ist groß“, stellt er fest. Natürlich will er möglichst viele Menschen in der Innenstadt mit ins Boot holen. Wer mitmacht, kann mit einem Aufkleber oder einem Plakat darauf aufmerksam machen, dass sich dort ein Hotspot befindet.

Wer technisch nicht bewandert ist oder für den Computer und Router Böhmische Dörfer sind, bekommt beim Freifunk-Verein Hilfe. Ohnehin sei der Anschluss kinderleicht, meint Hillesheim. Ein einfacher Router koste etwa 15 Euro und sei für den privaten Gebrauch zunächst völlig ausreichend. Bei Gastronomen oder Einzelhändlern, wo immer mehrere Menschen gleichzeitig online sind, empfiehlt er teurere Geräte. Sie sind übrigens in jedem Computer-Fachhandel zu bekommen. Einzig die Software des Vereins muss aufgespielt werden.

Was man sonst noch machen muss? „Den so aktualisierten Router mit dem bereits bestehenden Router verbinden“, schildert Hillesheim. Wer einen Anschluss besitzt, dessen Datengeschwindigkeit weniger als 16.000 Kilobit pro Sekunde beträgt, sollte das freigegebene Datenvolumen begrenzen. „Sonst würde man sich selbst zu sehr einschränken“, sagt Hillesheim. Aber auch dies sei einfach zu handhaben. Der Provider spiele keine Rolle, jeder könne sich beteiligen, wer sich für freies Internet einsetzen wolle.

Welche Bedeutung das Internet für Firmen und Geschäfte besitzt, weiß der 33-jährige Wahl-Eschweiler aus seiner beruflichen Erfahrung. Er hat an der RWTH Aachen Design studiert und betreibt ein Büro für digitale Kommunikation. „Eschweiler hinkt bei WLAN ohne Anmeldung deutlich hinterher, was wir nun ändern wollen“, begründet er sein ehrenamtliches Engagement.

Welche soziale Bedeutung das kostenlose WLAN haben kann, zeigt sich bald in der Jahnhalle. Dort soll nämlich ein Hotspot installiert werden, der es den dort untergebrachten Flüchtlingen ermöglicht, kostenlos ins Internet zu gelangen. Für diese Menschen ist das Handy nämlich die einzige Verbindung zu ihrer alten Heimat und die einzige Informationsquelle über die Entwicklungen dort. Auch aus diesem Grund sitzt Hillesheim am Samstag im Rathaus mit Bürgermeister Bertram zusammen. Das Land NRW stellt den Städten für kostenloses WLAN insgesamt eine Millionen Euro zur Verfügung, wie der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD) mitteilt. Er bietet einen Hotspot in der Uferstraße an.

Wer sich im Vorfeld der Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag informieren möchte, kann sich bei Samuel Hillesheim melden: Telefon 02403/8818133 oder per Email: samuel.hillesheim@freifunk-eschweiler.de.

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