Eschweiler - Gleich noch ein Schock für Angehörige

Gleich noch ein Schock für Angehörige

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Auf dem Friedhof St. Peter und Paul sind es im Februar die Gebühren angehoben worden. Das Erdreihengrab kostet jetzt 1300 statt 860 Euro.
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Burkhard Lilienbecker hat wenig Verständnis für die erhöhten Gebühren.

Eschweiler. Der Anlass ist traurig genug. Wenn ein Mensch stirbt, dann bedeutet das für die Angehörigen Trauer und Ausnahmezustand. Seit diesem Jahr erleiden viele Trauernden in Eschweiler einen zusätzlichen Schock.

So zumindest schildert der Bestatter Peter Bücken-Brendt die Reaktion vieler Menschen, die zu ihm kommen und sich nach dem Preis für eine Beerdigung erkundigen. Zum 1. Januar hat die Stadt die Friedhofsgebühren empfindlich angehoben - im Schnitt um 30 Prozent. Mitte Februar sind die Preise auf dem Friedhof der Pfarre St. Peter und Paul in ähnlichen Dimensionen gestiegen. Ein Beispiel: Auf einem städtischen Friedhof kostete ein Erdreihengrab mit einer Ruhezeit von 30 Jahren bis Ende 2012 1220 Euro.

Jetzt schlägt es mit 1760 Euro zu Buche. Auf St. Peter und Paul ist die Gebühr von 860 auf 1300 Euro gestiegen. „Die Angehörigen nehmen das hin. Aber zähneknirschend“, schildert Bücken-Brendt die Reaktionen.

Viele seiner Kunden hätten den Vergleich, weil sie schon einmal einen Angehörigen mit Bücken-Brendts Hilfe beerdigt haben. „Sie sehen die alten Rechnungen und fragen dann bestürzt, woher die Preissteigerung kommt.“ Dann bleibt dem Bestatter nichts anderes übrig, als auf die Gebühren der Stadt und der katholischen Kirchengemeinde zu verweisen. „Wir selbst können solche Preissprünge nicht machen.“

Steinmetz- und Bildhauermeister Burkhard Lilienbecker merkt den Preisanstieg ganz deutlich. Seitdem haben die Angehörigen weniger Geld für einen Grabstein übrig. „Die Stadt sollte dieses Thema noch einmal beleuchten. Die aktuelle Situation ist ein großes Problem“, betont Lilienbecker.

Die derzeitige Gebührenpolitik würde zu einer Abwärtsspirale führen. Offenbar würde versucht, die Kosten für den Betrieb des Friedhofes mit den Gebühren zu decken. „Das sollte doch jedem Betriebswirtschaftler klar sein: Je teurer es wird, desto weniger finden sich, die das bezahlen wollen. Etwas überspitzt könnte man vermuten, dass am Ende nur noch ein Grab übrigbleibt und die Angehörigen des Verstorbenen den gesamten Friedhofsunterhalt bezahlen müssen.“ Diese wirtschaftliche Denkweise müsse unbedingt hinterfragt werden.

Abwandern wollen die Angehörigen mit dem Grab des Verstorbenen wegen der gestiegenen Gebühren bisher zumindest in großen Scharen noch nicht. Das sagt Peter Bücken-Brendt. „Die Bedenken, dass man Mutter oder Vater ganz wo anders bestattet, sind zu groß.“ Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Gebühren in vielen umliegenden Städten teils noch höher seien.

Wie lange die Auffassung, den Angehörigen heimatnah zu beerdigen, vorherrscht – das vermag der Bestatter nicht zu prognostizieren. „Ich hätte auch vor 35 Jahren niemals vermutet, dass die Feuerbestattung sich derart durchsetzen würde.“ Fast 85 Prozent seiner Kunden würden diese heute bevorzugen. Auch aus Kostengründen.

Möglicherweise hat die Politik die Feuerbestattung unterschätz. Auf bundesweiter und kommunaler Ebene. Ende der 80er Jahre hat die Bundesregierung das Sterbegeld der Krankenkassen gekürzt und Ende der 90er Jahre endgültig gekappt. „Danach sind die Feuerbestattungen immer mehr geworden“, weiß Bücken-Brendt aus eigener Erfahrung zu berichten. Gleichzeitig haben viele Kommunen in diesem Zeitraum ihre Friedhöfe erweitert, in Erwartung einer weiter steigenden Zahl an Erdbestattungen.

Den Trend zur Feuerbestattung hatten die Städte und Gemeinden möglicherweise nicht auf der Rechnung. Heute sind viele Friedhöfe zu groß und verursachen unverhältnismäßig hohe Unterhaltskosten, die die Stadt möglicherweise zum Anheben der Gebühren bewegt haben.

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