Gewerbegebiete: An Platzmangel sollen Jobs nicht scheitern

Von: Rudolf Müller
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„Südlich Elektrowerk“ heißt das künftige Gewerbegebiet an der Dürener Straße, das in rund zwei Monaten baureif sein soll. Im Rathaus hat man schon weitere Areale im Blick, die auch in Zukunft Gewerbetreibenden eine Heimat in Eschweiler ermöglichen sollen. Foto: Rudolf Müller
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Steht seit Jahren leer: Für das ehemalige Autohaus (links) an der Aachener Straße gibt es zwar einen Interessenten, aber der braucht angesichts komplizierter Besitzverhältnisse einen langen Atem. Ebenso unklar ist bis dato, was aus dem Gelände des ehemaligen Mineralölwerks Wenzel & Weidmann, später Fuchs, an der Jülicher Straße wird. Foto: Rudolf Müller
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Steht seit Jahren leer: Für das ehemalige Autohaus an der Aachener Straße gibt es zwar einen Interessenten, aber der braucht angesichts komplizierter Besitzverhältnisse einen langen Atem. Foto: Rudolf Müller
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Noch Wunschdenken: Über die Nutzung des Fuchs-Geländes herrscht noch Uneinigkeit. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Die Stadt Eschweiler möchte möglichst viele Firmen - und damit Arbeitsplätze - in die Indestadt locken, aber man kann‘s nicht allen recht machen. Zum Beispiel Jungunternehmern, die ihre in RWTH oder FH erworbenen Kenntnisse in Start-Up-Firmen an den Markt bringen wollen. Die sind in Eschweiler eher selten zu finden. Die suchen die Nähe zur Hochschule.

Anderen Firmen dagegen ist die Nähe zur Autobahn weitaus wichtiger. Und die kann Eschweiler bieten. Kein Wunder, dass die Indestadt in Sachen Gewerbeansiedlung keine allzu großen Klimmzüge machen muss: Eschweiler ist bei Gewerbetreibenden beliebt. Das wissen auch Dieter Kamp und René Schulz, auf deren Schreibtischen im Amt für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus auf der vierten Etage des Rathauses nahezu täglich Anfragen nach Gewerbeflächen und -immobilien landen.

„Die Nachfrage ist gut. Und bisher können wir noch alle Interessenten bedienen, wenn auch nicht in jedem Fall am gewünschten Standort“, sagt René Schulz. In den meisten Fällen muss sich die Stadt dabei auf eine Vermittlertätigkeit beschränken – eigene Flächen gibt es kaum noch. Da kommt es Kamp & Co. sehr recht, dass der 140 Hektar große Industrie- und Gewerbepark (IGP) bei Dürwiß jetzt erweitert wird: um zusätzliche 23,7 Hektar, von denen gut die Hälfte schon in absehbarer Zeit bebaubar sein wird.

Während im ursprünglichen IGP nur noch ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück verfügbar ist, sollen in der Süderweiterung vor allem kleinere Gewerbebetriebe Ansiedlungsmöglichkeiten finden. Schon jetzt stehen etliche in den Startlöchern.

Der Preis von 30 Euro pro Quadratmeter für ein voll erschlossenes Grundstück ist daran sicher nicht ganz unschuldig. Zustande kommt er, weil der IGP mit Mitteln des Landes NRW gefördert wird. Ob ein solcher Schnäppchenpreis noch lange zu halten sein wird, wagt Dieter Kamp zu bezweifeln. „Aber auch bei einer Erhöhung bleiben wir unschlagbar günstig.“ „Wir“ – das ist in diesem Fall RWE Power, die Eigentümerin des Areals, mit der die Stadt eng und auf Augenhöhe kooperiert.

Enormes Interesse besteht auch am ehemaligen Lynen-Gelände an der Dürener Straße. Während im vorderen Bereich noch in diesem Jahr ein neuer Obi-Markt entstehen soll, der im Vergleich zum bisherigen Markt an Königsbenden 60 zusätzliche Arbeitsplätze bieten könnte, sind die übrigen Hallen auf dem Areal des einstigen Kabelwerks, das vom damaligen Eigentümer Prysmian Ende 2012 dichtgemacht wurde, inzwischen vergeben.

Hier sind u.a. Schlossereien, ein Teppichhandel, eine Lackiererei und ein Online-Fahrradhandel untergebracht. Prysmian vernichtete hier 135 Arbeitsplätze – nun sind 160 neue entstanden. Noch nicht an den Mann gebracht hat das Trierer Immobilienunternehmen Triwo, neuer Eigentümer des gesamten Geländes, Büroflächen in den ehemaligen Verwaltungsgebäuden. „Hier könnten repräsentative Domizile - z.B. für Ingenieurbüros - entstehen“, sagt Kamp.

Vom Erfolg eines weiteren Gewerbegebiets ganz in der Nähe ist Dieter Kamp ebenfalls überzeugt: „Südlich Elektrowerk“ heißt das rund 17.000 Quadratmeter große Areal gegenüber dem Autohaus Sazma, das ebenfalls für kleinere Unternehmen geeignet ist. Sechs bis sieben Firmen sollen hier Platz finden. „Schon jetzt stehen wir in Kontakt mit einigen festen Interessenten, haben sogar schon erste Verträge gemacht“, sagt Kamp. „Ich bin überzeugt: Sobald das an den Markt geht, ist es in kürzester Zeit ausgebucht!“ In rund zwei Monaten soll das Gelände baureif sein.

Natürlich gibt es in Sachen Gewerbeansiedlung auch Sorgenkinder: Fast ein Schandfleck für Eschweiler ist zum Beispiel das seit Jahren brachliegende, rund 2000 Quadratmeter große Gelände eines ehemaligen Autohauses an der Aachener Straße. Zwar gibt es einen ernsthaften Interessenten, doch der konnte sich mit den privaten Eigentümern bislang nicht einigen.

Und auch die Zukunft des 3,8 Hektar umfassenden Fuchs-Areals an der Jülicher Straße liegt noch im Ungewissen: Die Stadt sieht hier ein Wohn- und Mischgebiet vor, Eigentümer Fuchs, erklärt Dieter Kamp, sei sich über die künftige Nutzung noch nicht im Klaren.

Das Gelände, so Kamp, sei ideal für Gewerbezwecke, für eine Wohnbebauung allerdings problematisch: wegen der Lage zwischen Autobahn und dem Lackchemiewerk Valspar wie auch wegen Altlasten im Boden. Für deren Beseitigung sei Eigentümer Fuchs in der Pflicht, auf dessen Kosten hier auch jahrelang Pumpen betrieben wurden, um das Grundwasser vom verseuchten Boden fernzuhalten.

Anfragen nach Gewerbeflächen in Eschweiler erhält die Stadt nicht nur aus der Region, sondern selbst aus den Beneluxländern, manchmal sogar aus der Türkei, China und Südkorea. „Wir vermarkten unsere Flächen über alle möglichen Kanäle und Portale, zum Beispiel auch über NRW.invest, das weltweit Büros besitzt“, sagt Schulz.

„Die effektivste Werbung aber ist die Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener ,Kunden‘. Es spricht sich herum, dass Interessenten bei uns bestens behandelt werden.“ Amtsleiter Dieter Kamp: „Wenn es um Firmenansiedlung geht, spielen Arbeitszeiten keine Rolle. Wenn samstags einer kommt: Ich bin da!“ Und bei Erstgesprächen sitzt auch Bürgermeister Rudi Bertram mit am Tisch.

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