Geteiltes Echo auf verkürzten Zivildienst

Von: Stefan Herrmann
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Arbeitet im Wohnbereichs 1 des SBZ: Im Pflegebereich war der 23-jährige Thomas Baumann eine verlässliche Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Der „Wehrdienst light”, den die schwarz-gelbe Bundesregierung ab 2011 anpeilt, sorgt für Zündstoff. Sechs Monate sollen junge Männer dann nur noch den Dienst an der Waffe leisten.

Und auch abseits der Kasernen hat die Entscheidung enorme Auswirkungen. So wie die Rekruten müssen dann gleichfalls die Zivildienstleistenden anstatt neun Monate nur noch ein halbes Jahr ran. Wie stehen Eschweilers Zivi-Arbeitgeber zu den neuesten Ideen aus Berlin?

Zivildienststellen gibt es auch bei der Stadtverwaltung, genauer gesagt: beim Jugendamt und bei der Feuerwehr. „Grundlegende Probleme werden wir durch die Verkürzung nicht haben”, sagt Stadtsprecher Stefan Kaever. Einschnitte sind aber trotzdem unumgänglich. An der Rettungswache sind die Zivis zum Beispiel ausschließlich im Krankentransport unter Aufsicht einer hauptamtlichen Kraft unterwegs. Dafür müssen sie - neben einem reinen Zivi-Lehrgang - auch zu einem dreiwöchigen Rettungshelferlehrgang. „Die Zeit des Echt-Einsatzes wird da natürlicher erheblich kürzer”, nennt Kaever Folgen des zukünftig wohl sechs Monate langen Dienstes. Die Bindung zwischen „Arbeitgeber” und Zivi insgesamt lasse so nach. Aufgeben, betont der Stadtsprecher, möchte man die vier Stellen aber 2011 nicht.

So sieht es auch Peter Gaida. Der Pflegedienstleiter des Senioren- und Betreuungszentrums (SBZ) der Städteregion sagt: „Wir müssen uns mit den neuen Gegebenheiten arrangieren, schließlich sind wir für jede Hilfe dankbar.” Die vier Ziviplätze - zwei in der Pflege, zwei im technischen Dienst - sollen erhalten bleiben. Gaida, der selbst noch 24 Monate Ersatzdienst leisten musste, weist darauf hin, dass Zivis im SBZ grundsätzlich zusätzlich laufen. „Man kann den Pflege-Betrieb nicht mit dem Zivildienst führen.” Missen möchte Thomas Baumann im SBZ-Wohnbereich 1 aber niemand.

Der 23-Jährige liegt in den letzten Zivi-Zügen. Ende des Jahres heißt es Abschied nehmen von den Kollegen und natürlich auch von den 35 Bewohnern des Bereichs, die „ihren Thomas” längst ins Herz geschlossen haben. Ein Problem damit, dass zukünftige Zivi-Generationen ab 2011 drei Monate weniger Dienst leisten müssen, hat der gelernte Bäcker nicht. „Für mich ist all das hier eine tolle Erfahrung”, nimmt der gebürtige Eschweiler einiges mit für sein weiteres Leben. „So ein Dienst gibt einfach ganz neue Einblicke für junge Menschen”, ergänzt Wohnbereichsschwester Doris Weißhaupt-Stockem. Den zukünftig kürzeren Turnus bedauert sie zwar, sagt aber gleichzeitig: „Weniger Hilfe ist besser als gar keine Unterstützung.”

Gerd Steffens, Personalleiter im St.-Antonius-Hospital (SAH), weist darauf hin, dass die Zivildienstleistenden noch nicht einmal ein Prozent der Krankenhausbelegschaft stellen. Zwar freue man sich nicht unbedingt über die Herabsetzung der Zivi-Dauer, da die jungen Männer schließlich nützliche Hilfsarbeiten verrichten, man verfalle nun aber auch nicht in Panik. „Wir gehören nicht zu den Einrichtungen, die jetzt öffentlich bekunden, dass sie den Betrieb einstellen müssen.” Das Zivildienstgesetz sage schließlich deutlich, dass der Wehrersatzdienst keine Planstellen ersetzen dürfe.

Zwar steht die Ratifizierung des neuen Gesetzes noch aus, dass dies aber letztlich kommen wird, daran besteht für Gerd Steffens kein Zweifel. „Und ich glaube, das wird auf lange Sicht noch nicht das Ende sein.” Steffens greift damit eine Diskussion auf, die bereits die Weizsäcker-Kommission 2000 mit ihrem 180 Seiten umfassenden Bericht zur „Gemeinsamen Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr” angestoßen hat. Das Thema erlebt mit nun eine Wiederbelebung. „Die zu seiner Erhaltung auch nach einer grundlegenden Veränderung beim Wehrdienst erforderlichen Strukturen und Möglichkeiten sollten Gegenstand einer besonderen, umfassenden Untersuchung sein”, schrieb die Kommission damals.

2011 soll die Verkürzung des Wehrdienstes dann kommen. Die Kritik daran in den vergangenen Tagen will nicht nachlassen. Das Wehklagen kann Hermann Bechhold jedoch nicht nachvollziehen. Der Leiter der Pro-Seniore-Residenz an der Odilienstraße setzt in seinem Haus auf ein anderes Konzept: Diejenigen, die sich für den Beruf Altenpfleger interessieren, machen zunächst ein mehrmonatiges Praktikum, an das sich die Ausbildung direkt anschließt. „Damit haben wir die besten Erfahrungen gemacht”, so Bechhold. Acht Auszubildende hat das Haus. Zivis gibt es keine. Für Bechhold eh ein Auslaufmodell.
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