Gespräche über den Frieden im Wald

Von: Andreas Röchter
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Schatzsuche in der freien Natur: Doch die Schatzsuche ist nicht immer unproblematisch. Deswegen sollen Gespräche helfen. Foto: imago/Gustavo Alabiso
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Zahlreiche Geocacher hatten den Weg in die Gesamtschule Eschweiler gefunden, um am runden Tisch teilzunehmen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Geocacher sind moderne Schatzsucher. Sie streifen durch die Natur, um mit Hilfe von GPS-Empfängern oder genauer Landkarten versteckte „Schätze“, in der Fachsprache „Caches“, zu finden. Ein solcher ist meistens ein mit Tauschgegenständen gefüllter Behälter, dessen Standort zuvor mittels Koordinaten im Internet angegeben wurde. Die Zahl derer, die ihrem Hobby „Geocaching“ intensiv nachgehen, steigt stetig. Doch genau dies führt leider auch zu Problemen. Denn einige wenige schwarze Schafe unter den Geocachern neigen dazu, geschriebene und ungeschriebene (Natur-)Gesetze zu missachten.

Dank einer privaten Initiative der beiden Geocacher Lutz Neulen und Rüdiger Wahl trafen sich in der Städtischen Gesamtschule Eschweiler Geocacher, Naturschützer, Vertreter von Behörden sowie Jäger und Förster unter der Überschrift „ART 2012 – Am runden Tisch“, um sich besser kennen zu lernen, sich auszutauschen sowie über Probleme und vor allem Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.

„Wir beschäftigen uns seit 2010 intensiv mit dem Phänomen Geocaching“, erklärte Iris Heinrichs von der Unteren Landschaftsbehörde Aachen. „Grundsätzlich ist Geocaching für uns kein Problem, so lange Naturschutzgebiete, geschützte Biotope sowie Naturdenkmäler tabu bleiben.“ Natürlich stünden ausgewiesene Bereiche von Schutzgebieten jedem offen, um die Natur erleben zu können. „Doch das Verlassen der Wege bedeutet eine unzulässige Beeinträchtigung“, so Iris Heinrichs. Ein „Superschritt“ sei es, wenn „Caches“ in den „verbotenen“ Zonen in Zukunft ignoriert würden. „Werden sie auf ein solches Versteck aufmerksam, sprechen Sie den Verursacher an und melden Sie uns das Versteck. Wir wollen ihr Ansprechpartner sein.“

In die gleiche Kerbe schlug Richard Bollig von der Jagd- und Fischereibehörde der Unteren Landschaftsbehörde: „Es gibt ein gewisses Konfliktpotenzial. Was uns vor allem fehlt, ist die Kontaktaufnahme seitens der Geocacher.“ Dass in fast allen Gruppen auch „extreme“ Menschen zu finden seien, führte Hermann Carl als Vertreter der Kreisjägerschaft Aachen Stadt und Land an. Problematisch sei nicht zuletzt, dass nicht wenige Geocacher nachts und mit Rotlicht „bewaffnet“ unterwegs seien. „Dies stört das Wild enorm. Nachts gehört der Wald dem Wild“, unterstrich der Jäger. „Die meisten Fehler geschehen dort, wo nicht miteinander gesprochen wird“, appellierte er an seine Zuhörer, das Gespräch zum Beispiel mit Jagdpächtern zu suchen.

Eindringlich bat Herbert Fleu, Geschäftsführer und 2. Vorsitzender des NaBu Aachen, Caches in Baumhöhlen, Bunkern oder Stollen völlig außen vor zu lassen: „Dies sind Überwinterungsquartiere für Fledermäuse. Wird eine Fledermaus, die über keinen Winterspeck verfügt, drei oder vier Mal während ihres Winterschlafs geweckt, fällt sie tot von der Decke.“

Daniel Lück von der Biologischen Station der Städteregion Aachen machte deutlich, dass die weitaus überwiegende Zahl der Caches unproblematisch sei, wies jedoch auch auf Missbrauch hin. „Wir haben auch schon einen Cach in einem als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Steinbruch entdeckt, wo Uhus ihre Brut auf Grund von Störungen aufgegeben haben.“

Roland Dittrich, der als sogenannter „Groundspeak Reviewer“ für die Geocacher die Standorte der Verstecke koordiniert, bat die Teilnehmer des runden Tisches ausdrücklich, Problemfälle zu melden. „Es bringt nichts, für ein Spiel die Natur in Mitleidenschaft zu ziehen.“ Darüber hinaus merkte er an, dass auch die Waldbesitzer in zukünftige Gespräche einbezogen werden sollten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir auf fremdem Eigentum spielen“, so Roland Dittrich. Generell sei Eigenverantwortung gefragt: „Wer den Cach legt, ist dafür verantwortlich!“

Das Gespräch zu suchen und aufeinander zuzugehen, sei unausweichlich. „Wir sind heute hier, um Vorurteile auf beiden Seiten auszuräumen. Wir sind nicht 'die vom Amt‘, sondern Menschen, mit denen man reden kann“, betonte Iris Heinrichs abschließend. Bereitschaft, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, signalisierten die Geocacher im Publikum während der Diskussionsrunde. „Wir sind naturverbunden und möchten Zeit in der Natur verbringen. Deshalb heißt es, sich auch an die eigene Nase zu fassen, damit wir unserem Hobby auch in Zukunft nachgehen können.“

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