Eschweiler - Gesichtsakrobatist nah am Wasser gebaut

Gesichtsakrobatist nah am Wasser gebaut

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Mal schwäbelnder Italiener, mal italienischer Schwabe, aber immer urkomisch: Roberto Capitoni macht mit seinem Programm „Italiener weinen nicht“ am 29. April Station in Eschweiler. Foto: Stock/Sven Simon

Eschweiler. Er ist ein Grenzgänger zwischen Kulturen, mal schwäbelnder Italiener, mal italienischer Schwabe: Roberto Capitoni. Am Mittwoch, 29. April, zeigt der Komiker mit der unglaublichen Mimik sein Programm „Italiener weinen nicht“ ab 20 Uhr im Talbahnhof. Grund genug, mit ihm über seine Auftritte, seinen persönlichen Zwiespalt und – natürlich – Fußball zu sprechen.

Ihr Programm heißt „Italiener weinen nicht“ – ist das auf das Abschneiden der italienischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM gemünzt?

Capitoni: Nein, es ist eher überspitzt ironisch gemeint. Die Italiener sind ja direkt am Wasser gebaut und weinen bei jeder Gelegenheit. Bei einem romantischen Film, bei einem schönen Lied, bei Hochzeiten…

Das bedeutet, Sie haben bei Ihrer Hochzeit geweint?

Capitoni: (lacht) Natürlich. Aber selbstverständlich vor Glück!

In Ihren Programmen treten immer wieder besondere Figuren auf. Zum Beispiel Ihr Onkel, eine Art klassischer italienischer Pate. Gibt es den so wirklich?

Capitoni: Das schon, aber ich übertreibe natürlich. Comedy lebt ja von der Übertreibung. Wenn ich ihn dann darstelle, dann bekomme ich auch immer eine Stimme wie Robert de Niro und arbeite stark mit Mimik. Manche nennen mich darum auch Gesichtsakrobat, weil ich ständig meinen Ausdruck verändere.

Wer Sie sich auf der Bühne anschaut: Haben Sie durch Ihr Programm nicht an Falten zugelegt?

Capitoni: Ich denke nicht, im Gegenteil. Meine Zahnärztin sagte mir immer, wenn sie eine Spritze setzen muss, dass ich eine sehr starke Gesichtsmuskulatur besitze. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass ich seit nun 30 Jahren auf der Bühne stehe. Die über 150 Auftritte im Jahr hinterlassen ihre Spuren.

Das bedeutet also, dass Sie bald auch Models im Fernsehen casten und in der Jury Tipps gegen Falten geben?

Capitoni: (lacht) Das verwende ich irgendwann mal, das ist eine gute Idee. Das könnte Spaß machen.

Ihre unterschiedlichen Programme thematisieren immer den Zwiespalt in Ihnen. Was sind Sie denn nun – ein Schwabe, der von außen auf Italien schaut, oder ein Italiener, der die Deutschen persifliert?

Capitoni: Das weiß ich selbst nicht so genau. Das schwankt auch während des Programms immer wieder. Jeder bekommt sein Fett weg. Es ist ja auch bei mir zu Hause so: Auf der einen Seite kann ich ein geiziger Schwabe sein, auf der anderen Seite aber auch mal meine Frau zum Shoppen schicken.

Wie häufig sind Sie inzwischen in Italien?

Capitoni: Leider nicht mehr so oft. Ich vermisse Italien und die Besuche dort auch sehr.

Sie sind schon in zahlreichen Fernsehsendungen aufgetreten. Was Sie dort zeigen, ist das eine Zusammenfassung Ihres Programms?

Capitoni: So würde ich das nicht sagen. Sie sind ein Ausschnitt, keine Zusammenfassung. Manche Teile meines Programms lassen sich einfach nicht auf wenige Minuten kürzen. Sie benötigen zehn und mehr Minuten, um richtig zu wirken.

Auf welcher Bühne fühlen Sie sich wohler?

Capitoni: In erster Linie die Theaterbühne. Ich liebe diese Nähe zu dem Publikum. Ich bin ein interaktiver Künstler, der immer wieder in den Dialog tritt. Manchmal ändert sich das Programm dadurch ein bisschen. Manchmal entwickeln sich Dinge spontan. Vor allem dann, wenn die Menschen Spaß haben.

Wie viel von Ihrem Programm, wie viel spontan?

Capitoni: Ich denke, etwa zehn Prozent ist spontan, was bei einem Abend, der zwei Stunden dauert, schon viel ist. So ein Programm entwickelt sich auch im Laufe der Zeit. Manchmal ist es interessant zu beobachten, was sich seit der Premiere geändert hat. Oft wundere ich mich: Das habe ich wirklich damals gesagt? (lacht)

Komme ich nochmal auf den Fußball zurück. Als Kolumnist einer Fußballzeitung: Würden Sie dem VfB Stuttgart empfehlen, statt auf einen Holländer, auf einen italienischen Trainer zu setzen?

Capitoni: Och nein, die sollen einfach mal absteigen. Manchmal ist es besser, unten wieder etwas aufzubauen, statt ständig unten drin zu dümpeln.

Das bedeutet, Sie sind als Schwabe kein Stuttgartfan?

Capitoni: Nein, überhaupt nicht. Ich bin ja im Allgäu geboren und alle meine Freunde und Klassenkameraden waren Bayernfans. Und weil ich das langweilig fand, war ich Fan von Borussia Mönchengladbach in den 70er Jahren.

Das sind Sie heute auch noch?

Capitoni: Es ist ja so, dass man eine Entwicklung durchmacht. So entstand eine weitere Liebe. Da ich lange in Köln lebe, bin ich heute auch für den 1. FC Köln.

Da verkörpern Sie ja wieder einen Gegensatz in sich. Warum spielt Fußball in ihrem Programm keine große Rolle?

Capitoni: Das würde nicht funktionieren. Fußball-Witze kommen nur punktuell an, wenn Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften sind. Das ist natürlich etwas anderes, wenn Skandale auftreten. Aber sonst nicht. Große Teile des Publikums erreicht man nicht. So würden zum Beispiel die Frauen denken: Nee, nicht schon wieder Fußball?!

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