Gesetzliche Betreuer: SMS „Bett kaputt, brauche Hilfe“ genügt

Von: Sonja Essers
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Hilfe bei Behördengängen und anderen Problemen: Ehrenamtliche Betreuer haben stets ein offenes Ohr. Foto: imago/ITAR-TASS

Eschweiler. „Bett kaputt, brauche Hilfe“, stand in der Kurznachricht, die Alexandra Pluntke vor kurzem erhielt. Was war passiert? Als Manfred Steffens am Morgen aufstehen wollte, gab das Lattenrost seines Bettes nach und der 60-Jährige landete auf dem Boden. „Wo bekommen wir jetzt so schnell ein neues Bett her?“, fragte sich Steffens und meldete sich bei seiner Betreuerin.

Nachdem Steffens zunächst für mehrere Tage ein Leihbett bekommen hatte, kümmerte sich Alexandra Pluntke um eine neue Schlafmöglichkeit. „Montags haben wir uns getroffen, um das Bett zu kaufen, und am Dienstag hat der Ehemann von Frau Pluntke es aufgebaut“, erzählt Steffens und fügt hinzu: „Dann konnte ich wieder ohne Probleme schlafen.“ Alexandra Pluntke ist gesetzliche Betreuerin.

Seit drei Jahren betreut die 38-Jährige Manfred Steffens, hilft ihm bei allem, „was mit Ämtern und Behörden zu tun hat“, erklärt Steffens. Er selbst beantragte im Jahr 2010 eine Betreuung beim Amtsgericht. Dieser Schritt fiel dem 60-Jährigen, der körperlich gehandicapt ist, nicht sonderlich schwer. „Ich saß damals im Rollstuhl und brauchte einfach Hilfe“, sagt Steffens, der heute mit einem Elektromobil unterwegs ist.

Was versteht man unter einer gesetzlichen Betreuung?

Nach dem Grundgesetz hat jeder Mensch Rechte, doch manche Menschen können diese aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht wahrnehmen beziehungsweise keine selbstständigen Entscheidungen treffen. In diesen Fällen kann vom Betreuungsgericht ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden. Dieser nimmt die Interessen des Betreuten gerichtlich und außergerichtlich wahr und zwar im Rahmen der vom Gericht festgelegten Aufgaben.

Diese können so unterschiedlich sein wie die Betreuten selbst, weiß Alexandra Pluntke. „Es kommt immer darauf an, wo Hilfebedarf besteht“, erklärt die Ehrenamtliche, die momentan vier Menschen betreut. Doch dies ist nicht immer ganz einfach. „Bei Manfred Steffens und mir ist es wirklich sehr unkompliziert. Ich helfe ihm, wenn er mich braucht.“ Die Kommunikation zwischen den beiden erfolgt meist über SMS oder die sozialen Netzwerke. Doch dies ist nicht die Regel. „Ich betreue noch einen anderen Mann, der stark dement ist. Ihn besuche ich zu festen Zeiten“, erklärt Alexandra Pluntke.

Dass es immer wieder Situationen gibt, in denen der Betreuer gefordert ist, weiß auch Ilse Weidenhaupt. Die 52-Jährige arbeitet seit Juli als ehrenamtliche Betreuerin und ist hauptberuflich im Pflegedienst tätig. Erfahrungen in diesem Bereich müssen die Ehren-amtler nicht mitbringen.

Wer wird als Betreuer eingesetzt?

In leichteren Fällen bevorzugt das Gericht Familienangehörige oder dem Amtsgericht bekannte Personen, die ehrenamtlich die Betreuuung führen. In schwierigen Fällen, die viel Fachkompetenz erfordern, oder wenn kein Ehrenamtler zur Verfügung steht, kommen hauptberufliche Kräfte zum Einsatz. Das können sogenannte Berufsbetreuer sein, die freiberuflich arbeiten, oder Vereinsbetreuer wie Iris Grendel, die für einen Betreuungsverein tätig sind, so wie der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF).

Er ist einer von acht Betreuungsvereinen in der Städteregion und der einzige in Eschweiler. Im vergangenen Jahr betreuten die Mitglieder des SkF 93 Indestädter. 51 Betreuungen wurden von Ehrenamtlern übernommen. In diesem Jahr übernehmen 26 Ehrenamtler 58 Betreuungen. So gibt es auch Ehrenamtler, die mehrere Menschen betreuen. „Dies geschieht jedoch nur auf freiwilliger Basis, wenn der Betreuer damit einverstanden ist“, erklärt Grendel. Auch der Betreute beantragt die Hilfe freiwillig.

Wie genau sieht das aus?

Jede volljährige Person kann für sich selbst eine Betreuung beim Amtsgericht beantragen. Verwandte, Ärzte oder Mitarbeiter von Sozial- und Plegediensten können lediglich eine Betreuung anregen, diese jedoch nicht beantragen. Mit dem Antrag muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden, das bescheinigt, dass eine Krankheit oder Behinderung vorliegt, die die Einrichtung einer Betreuung notwendig macht und dass dies aus ärztlicher Sicht für erforderlich gehalten wird.

Eine Betreuung kann für einzelne Aufgabenbereiche wie Vermögens- oder Gesundheitsfürsorge eingerichtet werden. „Wir betreuen auch Menschen, die nicht lesen und schreiben können“, sagt Grendel. Jedoch ist eine Betreuung immer befristet. Nach spätestens sieben Jahren wird vom Amtsgericht geprüft, ob eine Betreuung weiterhin notwendig ist. Außerdem kann sie auf Antrag und unter Vorlage eines ärztlichen Attests jederzeit wieder aufgehoben werden.

Welche Aufgaben hat ein Betreuer?

Betreuer sollen die Interessen des jeweiligen Betreuten vertreten. „Meine Aufgaben sind von Person zu Person unterschiedlich“, meint Pluntke und ergänzt: „Sie richten sich danach, was mein Gegenüber möchte.“ Ilse Weidenhaupt kümmert sich um finanzielle Angelegenheiten, hebt für ihre nicht allzu mobile Betreute Geld bei der Bank ab oder holt Medikamente in der Apotheke. „Ich helfe anderen Menschen dabei, einen normalen Alltag zu führen“, erklärt Weidenhaupt.

Dass man so eine ganz besondere Beziehung zu seinem Gegenüber aufbaut, steht für beide Ehrenamtlerinnen außer Frage. „Man ist ein Weggefährte“, meint Weidenhaupt und Pluntke ergänzt: „Diese Menschen begleiten mich und ich begleite sie. Unsere Leben sind miteinander verknüpft.“

Wie wird man Betreuer?

Iris Grendel und Liesel Effenberg, stellvertretende Vorsitzende des SkF Eschweiler, wünschen sich, dass mehr Menschen dieses Ehrenamt ausüben. Nicht nur ein offenes Ohr gewährleistet der SkF. „Unsere Ehrenamtler sind über uns versichert und müssen sich keine Sorgen über eine Urlaubsvertretung machen“, so Grendel. Wer Interesse hat, kann sich telefonisch unter Telefon 609180 oder per E-Mail informieren.

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