Geschichtsverein: Viele Erlebnisse in „vierzisch Joa EGV“

Von: Andreas Röchter
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Bewegender Moment: Gründungsmitglieder des Eschweiler Geschichtsvereins wurden für ihre 40-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. An seinem 40. Geburtstag sollte ein Mensch mit beiden Beinen im Leben stehen. Vier Jahrzehnte nach seiner Gründung steht der Eschweiler Geschichtsverein mit seinen rund 1150 Mitgliedern als größter kulturschaffender Verein definitiv mitten im gesellschaftlichen Leben der Indestadt.

Dies wurde auch am Samstagnachmittag deutlich, als weit über 200 Gäste im vollbesetzten Ratssaal das Gründungsfest zum 40-jährigen Bestehen des Geschichtsvereins mit einem abwechslungsreichen und nicht zuletzt be- und verzaubernden Programm begingen.

Maren Paulmann, Cellistin und Schülerin des Städtischen Gymnasiums, eröffnete die Feierstunde, begleitet am Klavier von Musiklehrer Peter Schulz, mit einem Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy musikalisch eindrucksvoll, bevor René Hahn, Vorsitzender des Eschweiler Geschichtsvereins, die Ehrengäste herzlich begrüßte. Darunter auch Berta Sperlich, Witwe des ehemaligen Stadtdirektors und Geschichtsverein-Gründervaters Bernhard Sperlich, die am Samstag einen außergewöhnlichen Geburtstag feierte. „Sie ist in dem Jahr geboren, in dem der Versailler-Vertrag in Kraft trat“, gab René Hahn einen kleinen Hinweis auf das Alter der Jubilarin. Anschließend nahm der Vorsitzende seine Zuhörer mit auf eine humorvolle Zeitreise in das Jahr 1974.

Das Jahr, in dem nicht nur am 29. April der Eschweiler Geschichtsverein gegründet wurde, sondern auch Willy Brandt als Bundeskanzler zurücktrat, Helmut Schmidt dessen Nachfolge antrat, die „Außenwelle“ das Haar der Damen krönte, Schlaghosen und überdimensionale Krawatten modern waren, „ABBA“ mit „Waterloo“ und Walter Scheel mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ die Hitlisten anführten, die Krimiserie „Derrick“ ihren Siegeszug antrat und, nicht zu vergessen, die Fußballer der Bundesrepublik bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land zunächst der DDR unterlagen, um wenige Wochen später durch einen Sieg über die Niederlande Weltmeister zu werden.

In die Realität der Gegenwart holte dann Bürgermeister Rudi Bertram die Zuhörer mit einem kurzen Grußwort zurück: „Gefühlt ist der Eschweiler Geschichtsverein für mich viel älter als 40 Jahre, da er mich quasi schon immer begleitet“, so der Verwaltungschef. Die Geschichte einer Stadt lebe mit ihren aktiven Menschen, die auch das soziale Gefüge prägten. „Die Mitglieder des Geschichtsvereins bringen sich seit vier Jahrzehnten für die Stadt Eschweiler und deren Menschen ein. Eschweiler ist ohne den Geschichtsverein nicht vorstellbar. Dafür ein großes Dankeschön!“

In Form einer Power-Point-Präsentation blickte kurz darauf Simon Küpper auf die außergewöhnlichen Aktivitäten des Vereins zurück: „Neben unzähligen Vorträgen wurden in den zurückliegenden 40 Jahren mehr als 600 Reisen, Führungen und Studienfahrten unternommen“, betonte der Ehrenvorsitzende, der anhand von Archivfotos einen Bogen von 1974 bis 2014 spannte. Angefangen von der Besichtigung des Schlosses Merode im Juni 1974 über die Gründung einer Jugendgruppe im Jahr 1980, der Entdeckung einer „Villa Rustica“ in Hastenrath ein Jahr später, dem ersten Mundartabend 1983, der ersten Berlin-Fahrt 1985, vier Jahre vor dem Fall der Mauer, bis zur Vorstellung des Mundartwörterbuches im Jahr 2003 und der Vorstellung des Stadtteilbuches „Pumpe“ 2007 reihte Simon Küpper Höhepunkt an Höhepunkt.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“, zitierte Simon Küpper abschließend den Autor Hans-Friedrich Bergmann. Vor einer kurzen Pause präsentierte Ehrenmitglied Leo Braun unter dem Titel „Vierzisch Joa EGV“ seine Sicht der Vereinshistorie, natürlich „op Eischwiele Platt“. Den Schlusspunkt des ersten Teils der Feierstunde setzte Jungmusiker Jonas Nobis, der an der Trompete das „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier hören ließ.

Schlag auf Schlag ging es nach der Pause weiter: Zunächst begeisterte Kayleigh Ahlbach an der Geige mit einer gefühlvollen Interpretation von Antonin Dvoraks „Humoresque“, bevor ein Magier der Extraklasse sein Publikum vor unlösbare Rätsel stellte. Siegfried Tschinkel las die Gedanken der Gäste, zog gefüllte Gläser aus Zeitungen, ohne Wasser hineingegossen zu haben, zeigte sich als Meister der Spielkarten und zauberte sich in die Herzen seiner Zuseher, die kaum glauben konnten, was sie (nicht) sahen! Nach der Ehrung einiger Gründungsmitglieder (siehe Infobox), ließen Marianne Savelberg und Toni Peters zwei wunderbare Mundartvorträge hören, nach denen sich die würdige Feierstunde langsam aber sicher ihrem Ende näherte.

Doch nicht bevor alle Teilnehmer ihre Stimmen ölten und, angeführt von den „Vorsängern“ Marianne Savelberg, Simon Küpper und René Hahn, das von Simon Stump (Melodie) und Ferdi Keutmann (Text) arrangierte Lied „Eischwiile is meng Heemet“ anstimmten. Das Lied „Kein schöner‘ Land in dieser Zeit“ bildete dann den endgültigen Abschluss. Fazit: Der Eschweiler Geschichtsverein steht in der Blüte des Lebens! Auf die Zukunft!

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