Geschichtsverein auf den Spuren von Künstlern und Hochadel

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Die Darmstädter Mathildenhöhe mit dem charakteristischen Hochzeitsturm und der Russischen Kapelle war Ziel des Geschichtsvereins. Foto: dpa

Eschweiler/Darmstadt. Die alljährliche Fahrt Anfang Mai führte den Eschweiler Geschichtsverein unter Leitung von Wolfgang Schmidt diesmal nach Süd-Hessen.

Die alte Residenzstadt Darmstadt war das Ziel des Vereins. Die moderne Literatur- und Wissenschaftsstadt verfügt nicht nur über 6000 Jahre kontinuierliche Geschichte, die einen auf allen Wegen in der Stadt begleitet. Darmstadt ist auch Sitz der Jugendstil-Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.

Kaiserliche Künstlerkolonie

Die Kolonie entstand zwischen 1899 und 1914. Der Initiator war Großherzog Ernst Ludwig. Er brachte die Idee dazu aus England mit. Acht Künstler ließ er nach Darmstadt bringen und in kürzester Zeit entstanden Ausstellungsgebäude, Privathäuser und Ateliers, in denen die Bildhauer, Maler, Architekten und Grafiker den neuen Stil als Protest gegen Historismus und Neugotik anwandten und damit bahnbrechende Akzente setzten. Diese Akzente durften auch die Eschweiler Besucher erleben. Bei einem mehrstündigen Rundgang konnten die Mitglieder des Geschichtsvereins die Künstlerhäuser und den französisch angehauchten, platanenbeschirmten Skulpturenpark und den Hochzeitsturms besichtigen.

In der wechselvollen Geschichte Hessen-Darmstadts haben sich zwei Landgräfinnen besonders ausgezeichnet: Ende des 17. Jahrhunderts Elisabeth Dorothea, eine als sehr geistreich beschriebene Frau, die auch Schriftstellerin war und neben Deutsch, Französisch, Latein und Italienisch auch Griechisch beherrschte, und 100 Jahre später Landgräfin Henriette-Karoline, besser bekannt unter dem Namen „Große Landgräfin“. Den bekam sie von Johann Wolfgang von Goethe in seinem Werk Dichtung und Wahrheit verliehen. Sie galt als geistreichste Fürstin ihrer Zeit und war eine der wenigen Frauen, die Friedrich II. von Preußen respektierte. Anlässlich ihres Todes schickte er eine marmorne Urne mit der Aufschrift femina sexo, ingenio vir (von Geschlecht eine Frau, vom Geist ein Mann) nach Darmstadt, die noch heute im Herrengarten zu besichtigen ist.

Hochburg der Literatur

Durch ihre Töchter wurde sie Stammmutter des preußischen Königshauses beziehungsweise des späteren deutschen Kaiserhauses sowie des niederländischen Königshauses. Sie begründete den Darmstädter Kreis, ein Netzwerk mit allen geistigen Kapazitäten der Zeit und wirkte fort bis ins 20. und 21. Jahrhundert, wo Darmstadt zu einer Hochburg für Literatur und Sprache avancierte. Bis heute ist Darmstadt eine Literaturstadt: Auf der Mathildenhöhe ist auch der Sitz der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie vergibt jährlich den Georg-Büchner-Preis.

Ein geführter Rundgang brachte die Gäste ins Stadtschloss, in dem Jahrhunderte hindurch die landgräflichen und später großherzoglichen Fürsten regiert hatten, die auch mit den Zaren in Russland und dem Hochadel in England verbandelt waren. Dazu gehörten unter anderem die Battenbergs, heute Mountbatten – auch Prince Phillip, Gemahl von Queen Elizabeth II, gehört hierzu.

Ebenfalls Teil der Reise war ein Besuch im Darmstädter Stadtschloss. Dort befindet sich eine Jugendstilsammlung, die der letzte Großherzog Ernst Ludwig angelegt hat. Außerdem besuchte der Geschichtsverein die Nibelungen-und Domstadt Worms und das Welterbe-Areal des Klosters Lorsch.

Nächstes Jahr will der Geschichtsverein eine Reise nach Hessen-Kassel organisieren. Besucht werden sollen Waldeck und Arolsen.

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