Eschweiler - Gernot Jonas lässt eine vergangene Welt lebendig werden

Gernot Jonas lässt eine vergangene Welt lebendig werden

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Beim Vortrag von Gernot und Doris Jonas in Weisweiler mit Texten von Scholem Alejchem wurde die Welt der osteuropäischen Juden lebendig.

Eschweiler. Ob er jüdischer Theologe sei, wollte einer der Zuhörer von Gernot Jonas wissen. Das überraschte ihn dann doch: „Ich bin evangelischer Pfarrer!” Aber eigentlich hätte ihn die Frage bei seiner Lesung am Donnerstag in Weisweiler nicht verwundern dürfen. Hätte ein Rabbi die Feinheiten jüdischer Festtagsbräuche von Pessach bis Rosch Haschana besser erklären können als Jonas?

Wohl kaum. Und humorvoller schon gar nicht. In einer Veranstaltung „außer der Reihe” des Literarischen Viertels trugen Gernot und Doris Jonas im Evangelischen Gemeindehaus in Weisweiler aus Werken des Schriftstellers Scholem Alejchem vor.

Bekannt sind von Alejchem vor allem seine Geschichten von „Tewje dem Milchmann”, die durch das Musical „Anatevka” ein Welterfolg wurden. Aber der von 1859 bis 1916 lebende, jiddisch schreibende Autor hat eine Fülle bunter, humorvoller und trauriger Geschichten verfasst. 28 Bände habe die Gesamtausgabe, berichtete Jonas, doch die meisten Bücher des „jüdischen Mark Twain” sind vergriffen.

Gernot Jonas übersetzt seit Jahren diese Geschichten aus dem osteuropäischen Judentum neu. Und zum Glück trägt er sie ab und zu auch vor. Das ist dann doppelter Genuss, denn Jonas ist ein begnadeter Erzähler, dessen Diktion viele Feinheiten der Texte und die Abgründigkeit des jiddischen Humors erst deutlich macht.

Dass er selber diese Art Humor hat, wurde am Donnerstag immer wieder deutlich. Zum Beispiel, als er erzählte, warum Weisweiler für ihm etwas mit dem Lernen der jiddischen Sprache zu tun hat: „Ich habe Jiddisch in Antwerpen gelernt. Und auf der Autobahn nach Antwerpen bin ich immer an Weisweiler vorbeigefahren.” Kurze Pause. „Ich bin nie reingefahren...”

Später ist er allerdings öfter nach Weisweiler hinein gefahren, denn Gernot Jonas ist mit Pfarrer Wolfgang Theiler befreundet. Gemeinsam haben beide sich einige Jahre lang eine Pfarrstelle in der Eifel geteilt. Die jiddische Sprache, die Jonas in Antwerpen kennen und lieben gelernt hat - er war dort Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde - hat er später in Trier studiert.

Mit viel Beifall dankten die zahlreich erschienenen Literaturfreunde im Gemeindesaal Doris und Gernot Jonas für die Lesung. Und warten nun, dass von Jonas neu übersetzte Kindergeschichten von Alejchem im Buchhandel erscheinen. „Der Verleger sagt: in vier Wochen. Also für uns in sechs.”
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