Gereimt kann der Alltag doch so lustig sein

Von: lbe
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Poetisches Talent: Alfred Gerh
Poetisches Talent: Alfred Gerhards alias „Globo” schlüpfte gekonnt in die verschiedenen Rollen und machte auch vor dem Publikum nicht Halt. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. „Mal ehrlich, ist ein Bienenstich gefährlich? Nur wenn du dich vergisst und sechs Stück auf einmal frisst.” Mit einer unvergesslichen Melodie, die nun in eines jeden Kopfes der Zuschauer als Ohrwurm verewigt sein dürfte, galoppierte Alfred Gerhards alias „Globo” nach ausgedehnter Spannungspause gekonnt auf die Bühne.

Sodann ward dort ein jeder Akt „globolistisch” angepackt. Es sei die kleine Kunst mit großem Worte, die für Heiterkeiten sorge, erklärte Globo gleich vorweg. Mit seinem neuen Bühnenprogramm „GloBalladen”, schenkte Globo seinem Publikum am Samstagabend im Kulturzentrum Talbahnhof eine humoristisch-komödiantische Reise durch die Welt der Lyrik - seine ganz eigene und spezielle Art der Lyrik, sei an dieser Stelle bemerkt.

Schuhbruderpaar

So kam es, dass der „kleine” Mann mit roten Wangen und aufgemalter Kinnfalte unter anderem von Ottoka und Waldemar sprach, ein Schuhbruderpaar, das ungleicher nicht sein könnte. Sie beide „stehen auf demselben Fleck und gehen durch denselben Dreck” und doch sei stets der eine oben, der andere unten, der eine fröhlich, wenn der andere zornig.

Ähnlich stand es um Humsty und Bumsty, ein ebenfalls recht ungleiches Bruderpaar, wenngleich diese beiden eher menschlicher als schuh-technischer Natur waren. Humsty, schön und intelligent, und Bumsty, ungepflegt und eher bekannt um „seiner, räusper, räusper, sehr groß geratenen Seele” wegen, die vor allem die Umschwärmte Adolfine des nachts zu schätzen wusste.

Auch der erwähnte Auerhahn hatte so manches Problem. Er sei alt und sein „Kikerikieen” schon längst nicht mehr das, was es einmal war. So hatte „man den Enterich gebeten, den Hahn einstweilen zu vertreten”, dass dem Hahn noch etwas viel Schlimmeres zustoßen würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn „was ist des Lebens ganze Mühe? Ein kleiner Pott voll Hühnerbrühe”.

Der 60-jährige Globo überzeugte das Publikum nicht nur mit seinen poetischen Kurzgeschichten, sondern überraschte immer und immer wieder mit unkonventionellen Reimen. Er philosophierte über die Dinge des Lebens, über die sich nicht unbedingt ein jedermann Gedanken macht, unter anderem die Beziehung des Ehepaars im Wetterhäuschen. Schließlich seien sie niemals gemeinsam draußen, Sie, nur wenn die Sonne scheint, er, nur wenn es regnet. Eine weitere wichtige Erkenntnis des Abends war zudem diese: „Die Nase hält nicht viel vom Fliegen, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.”

Gekonnt platzierte der Komiker und Clown Alltägliches, vielleicht zum Teil auch Belangloses, so gezielt, dass es eine Freude war, ihm dabei zuzuhören und zu sehen, vor allem wie er die Bühne des Kulturzentrums völlig für sich einnahm und darauf herum flitzte wie ein junges Pony.

Seine Mimik und Gestik taten ihr Übriges, denn selten ist es möglich, in ein so facettenreiches Gesicht zu schauen, welches auch ohne Worte für entsprechende Lacher sorgte. Er nimmt das Leben und die Menschen mit einer Leichtigkeit auf den Arm, wie es kein anderer hätte tun können.

Und so begab es sich an jenem Abend, dass wir lyrisch und komödiantisch gemeinsam mit Globo auf der Wörterwelle über die Bahnhofsschwelle ritten, um das Leben poetisch zu „globolieren”.
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