Geplante Erdkabelverbindung: Höchstspannung entlang der Autobahn

Von: Rudolf Müller
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Baustelle des Erdkabel-Pilotprojekts in Raesfeld (Münsterland). So wie hier soll auch in Eschweiler gearbeitet werden. Foto: Amprion

Eschweiler. Für viele kommt der Strom noch immer aus der Steckdose. Und die bezieht ihn irgendwo aus der Nähe. Das war einmal. Heute – und künftig umso mehr – wird Strom über weite Strecken über ein grenzüberschreitendes Verbundnetz vom Erzeuger zum Verbraucher transportiert. Ein Netz, das ausgebaut werden muss, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Ein Teil solcher Ausbaupläne betrifft auch die Indestadt: Demnächst soll eine 320-kV-Höchstspannungsgleichstromverbindung als Erdkabel von Oberzier ins rund 100 Kilometer entfernte belgische Lixhe bei Lüttich führen. Und die verläuft quer durch Eschweiler Gebiet.

Alegro – Aachen Lüttich Electricity Grid Overlay – ist der Name des Projekts, das die Amprion GmbH gemeinsam mit ihrem belgischen Partner Elia betreibt. Die in Dortmund ansässige Amprion ist ein bedeutender Übertragungsnetzbetreiber in Europa und betreibt mit 11000 Kilometern das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland, das mehr als 27 Millionen Menschen mit Strom versorgt.

Ihr Alegro-Projekt ist in den EU-Netzentwicklungsplänen aufgelistet; die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf, so betont das Unternehmen, sind gesetzlich festgeschrieben: „Das Vorhaben ist energiewirtschaftlich notwendig, da es als steuerbare Transportleitung die Versorgungssicherheit zwischen Deutschland und den Beneluxstaaten stärkt und die Möglichkeiten zum Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage in Zentral-Westeuropa verbessert. Wegen des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien durch die Atomausstiege in Belgien und Deutschland gewinnt diese Aufgabe zusätzlich an Bedeutung.“

Meist entlang der Autobahn

Was genau die Amprion vorhat, das erklärt sie in einer mehr als 30-seitigen Projektbeschreibung, die nun auch im Eschweiler Rathaus vorliegt. Darin sind mehrere Trassenvarianten aufgelistet, von denen Amprion die folgende favorisiert: Von einer Konverterstation in Oberzier aus soll die Trasse zunächst südlich Richtung Autobahn A4 führen, um dann nördlich an der Autobahn entlanggeführt zu werden. Die Ruraue soll in geschlossener Bauweise unterquert werden.

Im schmalen Streifen zwischen A4 und Abbaukante des Tagebaus Inden geht es weiter. Südlich von Frenz wird die Inde unterquert; die Trasse führt dann nördlich an der Kläranlage Weisweiler vorbei, unterquert die Bahntrasse südlich des Kraftwerks und schwenkt dann nach Norden, um durch die bewaldete Halde in teilweise geschlossener Bauweise etwas weiter westlich wieder zur A4 geführt zu werden. Der Schwenk nach Norden ist nötig, weil nahe der A4 zahlreiche unterirdische Ver- und Entsorgungsleitungen im Weg sind.

Südlich von Dürwiß verläuft die Trasse über landwirtschaftlich genutzte Flächen eng parallel zur A4 bis zur Rue de Wattrelos. Wieder folgt ein kurzer Schwenk nach Norden: Hier wird die ehemalige Mülldeponie Röhe umgangen. Die L238 und der südliche Teil des dortigen Naturschutzgebiets werden in geschlossener Bauweise unterquert.

Weiter geht‘s durch Äcker bis zum Autobahnkreuz Aachen – entlang den dort bestehenden Gas-Pipelines. Östlich des Autobahnkreuzes, westlich des Propsteier Walds, geht es nach Süden, unter der A4 durch. Der Standort einer geplanten Gasverdichterstation wird ebenso umgangen wie eine bedeutende archäologische Fundstelle und die Wasserschutzzone Reichswald.

Von dort geht es weiter am Haarener Hof vorbei und entlang der L 23, dann östlich von Gut Schwarzenbruch nach Süden Richtung Würselener Wald, weiter Richtung Eilendorfer Von-Coels-Straße zum nördlichen Siedlungsrand von Aachen-Brand, folgt der A44, kreuzt südlich der Hitfelder Straße den Augustinerwald, unterquert die Monschauer Straße und erreicht schließlich den Zielpunkt im nördlichen Bereich der alten Zollanlage an der Raststätte Lichtenbusch. Ab hier übernimmt Elia den Weiterbau Richtung Lüttich.

700 bis 1300 Meter lang sind die Kabelstücke, die in zuvor verlegte Schutzrohre von 25 Zentimetern Durchmesser eingezogen und durch Muffen miteinander verbunden werden. „Der Bau der Schutzrohranlagen erfolgt unter Anwendung der typischen tiefbautechnischen Verfahren, wie sie beispielsweise aus dem klassischen Kanalbau bekannt sind“, betont Amprion, „mit einer möglichst schonenden Beanspruchung von Umwelt und Natur unter Berücksichtigung bestehender Infrastruktur. 1,70 bis 6 Meter breit sind die erforderlichen Gräben. Rechnet man Flächen für den Baustellenverkehr und für die Zwischenlagerung des Aushubmaterials hinzu, kommt man auf eine Baubedarfsfläche von bis zu 26,5 Metern.

Dass eine solche Großbaustelle nicht ohne Belästigungen und Beeinträchtigungen vonstatten gehen kann, liegt auf der Hand. Immerhin: „Demgegenüber ist nicht vom Verlust einzelner (Wohn-)Gebäude auszugehen, da die Vorschlagstrasse derartige Bereiche in der Regel umgeht“, erklärt Amprion. Auch betriebsbedingte Auswirkungen – gemeint sind von der Kabeltrasse ausgehende magnetische Felder – seien zwar nicht völlig auszuschließen, würden aber „im vorliegenden Planungsfall“ unter dem im Bundesimmissionsschutzgesetz für Gleichstromanlagen festgeschriebenen Grenzwert von 500 Mikrotesla liegen.

Auch die vom Kabel ausgehende Wärmeabstrahlung führe „lediglich zu einer räumlich eng begrenzten sehr geringen Erwärmung des Bodens, so dass Auswirkungen auf den Menschen nicht zu erwarten sind“.

Vegetation, die der Baumaßnahme zum Opfer falle, könne nach Bauende wieder hergestellt werden; Bestandsverluste der zu durchquerenden Wälder könnten auch mit Blick auf artenschutzrechtliche Belange „überwiegend vermieden“ werden. Während Stillgewässer von der Vorschlagstrasse nicht betroffen seien, werde eine Beeinträchtigung größerer Fließgewässer durch eine Unterquerung in geschlossener Bauweise vermieden. In diesem Fall sind es Inde und Rur, die einschließlich ihrer Auenbereiche unterquert werden müssen.

Die Vorschlagstrasse, so weiß auch Amprion, führt durch Kulturlandschaften mit zahlreichen archäologischen Fundstellen verschiedener Epochen. Einer der Schwerpunkte ist der Bereich westlich der Indestadt bis zum Aachener Kreuz. Hier erwartet das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege eine Vielzahl von Funden an Bodendenkmalen. Daher ist schon vor der Verlegung des Erdkabels eine bodendenkmalpflegerische Beurteilung der Trasse vorgesehen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen und nötigenfalls Sicherungsmaßnahmen oder Dokumentationen zu veranlassen.

Neben der Bezirksregierung Köln, dem Wasserverband Eifel-Rur, der Landwirtschaftskammer, dem Amt für Bodendenkmalpflege, dem Landesbetrieb Wald und Holz und dem Landesbüro der Naturschutzverbände sind auch die Städteregion, der Kreis Düren und die Kommunen Düren, Niederzier, Inden, Aachen, Würselen, Stolberg und last but not least Eschweiler über das Vorhaben informiert worden. Sie haben noch bis zum 31. Januar Zeit, ihre Stellungnahmen zu dem Projekt einzureichen. Im Anschluss soll das Genehmigungsverfahren eingeläutet werden. Amprion will dann auch ein Konzept für die Beteiligung der Öffentlichkeit vorlegen.

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