Generalüberholung: Unterbau der Indebrücke reist ins Emsland

Von: Rudolf Müller
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Brücke
Die Holzbohlen der Fahrbahn sind längst demontiert. Was in den vergangenen Tagen trotz der Sperrschilder Jugendliche zu Balance-Akten über der Inde animierte. Am Mittwoch wurde der stählerne Unterbau verladen. Foto: Rudolf Müller
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Vom Zahn der Zeit ganz schön zerfressen: ein Querträger des stählernen Brückenunterbaus an der Stoltenhoffstraße. Der wurde am Mittwoch vollständig angebaut und per Tieflader zur Generalüberholung zu einem Spezialunternehmen ins Emsland gebracht. Foto: Rudolf Müller
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Die Holzbohlen der Fahrbahn sind längst demontiert. Was in den vergangenen Tagen trotz der Sperrschilder Jugendliche zu Balance-Akten über der Inde animierte. Am Mittwoch wurde der stählerne Unterbau verladen. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Fast wäre die ganze Sache ins Wasser gefallen. Was – auch wenn es sich um Brückenteile handelte – nicht wörtlich zu nehmen, sondern im übertragenen Sinne zu verstehen ist: Der aus Thüringen angerollte Tieflader, der die tragenden Teile der Brücke Stoltenhoffstraße rund 250 Kilometer weit ins Emsland transportieren sollte, verfügte über einen 2,50 Meter breiten Aufleger. Die Brückenteile aber sind 3,80 Meter breit.

Unzulässige Überbreite? Die Bedenken des Fahrers waren schnell ausgeräumt: Die Sonderbreite war angemeldet, der Transport konnte losrollen. Bis es so weit war, lag am Mittwoch schon ein schönes Stück Arbeit hinter den Mitarbeitern der Stahlingenieurbaufirma Schmees und Lühn aus dem emsländischen Fresenburg. Sie zersägten das stählerne Trägergerüst der Brücke in zwei gleichlange Teile, jedes rund 3,5 Tonnen schwer. Die Stahlträger stammen aus den 60er Jahren – und weisen erhebliche Korrosionsschäden auf. 

Vor allem die Querverbindungen sind vom Rost zerfressen und müssen erneuert werden. Inwieweit die Träger betroffen sind, wird sich nach dem Sandstrahlen zeigen. Danach steht eine gründliche Rostschutzbehandlung an. Und weil die Fachfirma das im heimischen Werk umweltfreundlicher und zudem auch kostengünstiger macht als vor Ort, wurde die komplette Brücke in den letzten Tagen und Wochen demontiert.

Eine Brücke, die vor gut 20 Jahren – bis 1996 – noch mit Holzgeländern versehen war. Jetzt bekommt sie wieder neue: Die alten sind auf der „neuen“ Brücke nicht mehr verwendbar. Aus Holz war bislang auch der Fahrbahnbelag der Brücke, die die einzige Zufahrt zu einem Wohngebäude, Angelteichen und etlichen Grundstücken zwischen Indebett und Odilien-straße darstellt.

Der Belag war marode und sollte erneuert werden. Dann aber stellte die Stadt fest, dass da weit mehr zu tun war. Der gesamte Unterbau der Brücke war überholungsbedürftig. Inklusive der Widerlagerköpfe aus Beton, die neu hergestellt werden mussten.

Umfangreiche Arbeiten, die logischerweise eine Vollsperrung der Brücke nicht nur für Fahrzeuge, sondern auch für Fußgänger erforderten. Die wurde schon Mitte April vorgenommen, als begonnen wurde, die kaputten Holzbohlen zu demontieren. Und sie wird bis zum 9. Juni andauern. Bis dahin sollen die Träger wie neu und mit Verschaltafeln versehen sein, 72 Quadratmeter Fahrbahn aus Gussasphalt hergestellt und 42 Meter neue Geländer angebracht sein. Kostenpunkt für die Komplettsanierung: rund 200.000 Euro.

Für die Anlieger, die bisher von der Stoltenhoffstraße her zu ihren Grundstücken kamen, wurde für die Dauer der Bauzeit eine Behelfszufahrt von der Gutenbergstraße her eingerichtet.

Am Mittwoch wurde die Indebrücke zur Luftbrücke: Ein 100-Tonnen-Kran mit 60-Meter-Ausleger hob die beiden Teile des stählernen Fahrbahn-Unterbaus aus ihren (ebenfalls massiv überholungsbedürftigen) Lagern und hievte die Stahlträger schließlich auf einen Tieflader.

Walter Goy von der Abteilung für Straßenraum und Verkehr der Stadt verfolgte vor Ort das ungewöhnliche Schauspiel. „Im Großen und Ganzen sind die Brücken in Eschweiler in gutem Zustand“, weiß er anhand der regelmäßigen Überprüfungen. In diesem Jahr stehen nur noch einige kleinere Reparaturmaßnahmen, zum Beispiel an den Brücken Grabenstraße und Lindenallee, an.

Etwas aufwendiger könnte da schon die Sanierung der Brücke Steinstraße werden. Die soll nach dem Willen der Stadtplaner künftig ein optisches Highlight am Eingang zur Innenstadt werden. Wenn auch nicht ganz so imposant wie San Franciscos Golden Gate Bridge...

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