Gelebte Inklusion bei der Caritas

Von: Tobias Röber
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Petra Uthe (rechts) ist bei der Caritas beschäftigt, arbeitet jedoch zusätzlich ein Mal pro Woche bei der Eschweiler Tafel. Deren Vorsitzende Anneliese Küpper sagt: „Sie gehört fest zum Team.“ Foto: Tobias Röber
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Petra Uthe (rechts) ist bei der Caritas beschäftigt, arbeitet jedoch zusätzlich ein Mal pro Woche bei der Eschweiler Tafel. Deren Vorsitzende Anneliese Küpper sagt: „Sie gehört fest zum Team.“ Foto: Tobias Röber
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Arbeitet derzeit in der Zentrale: Katrin Dahmen.

Eschweiler. Wenn Petra Uthe auf die Räume der Eschweiler Tafel zugeht, dann wirkt es so, als lege sie noch einen Zahn zu. Das breite Grinsen, das ein fröhliches „Hallo“ begleitet, lässt keinen Zweifel offen: Petra Uthe freut sich, dass sie wieder dort ist. Die 44-Jährige ist geistig behindert und arbeitet ein Mal pro Woche in der Eschweiler Tafel mit.

„Es ist genial, dass die Tafel diese Teilqualifizierung anbietet“, sagt Fredi Gärtner, Leitung Sozialer Dienst und Fachberatung Berufliche Bildung der Caritas-Behindertenwerk GmbH. Inklusion ist derzeit in aller Munde. Längst ist nicht klar, wie genau Inklusion überhaupt umgesetzt werden soll. Beispiele wie das von Petra Uthe zeigen, wie Inklusion gelebt werden kann.

„So stelle ich mir gelebte Inklusion vor“, sagt Fredi Gärtner und schickt gleich ein Lob an die Eschweiler Tafel und auch die anderen Firmen hinterher, die Beschäftigten der Caritas die Arbeit in ihrem Betrieb ermöglichen: „Das ist in Betrieben möglich, in denen der Inhaber das Herz am rechten Fleck hat.“

Wenn der Spaten ruht...

Petra Uthe ist normalerweise Beschäftigte der Caritas-Gartengruppe. Im Winter (und der dauert derzeit bekanntlich etwas länger) ruht der Spaten oft. Petra Uthe könnte sich also entspannt zurücklehnen. Macht sie aber nicht. „Petra hat gezielt gefragt, was sie in dieser Zeit machen kann“, erklärt Gärtner. Die Eschweiler Tafel ist für die 44-Jährige kein unbekanntes Terrain. Als dort noch samstags gearbeitet wurde, half sie aus. Irgendwann beschloss die Tafel, samstags nicht mehr zu öffnen.

Nun ist Petra Uthe in den Wintermonaten immer mittwochs in der Tafel. Im Sommer gibt es in der Gartengruppe viel Arbeit. Aber schon jetzt wurde mit der Tafel vereinbart, dass Petra Uthe ab Oktober wieder ein Mal pro Woche in der Tafel hilft.

Im Team ist sie ohnehin fest integriert. „Die Leute sind alle sehr nett hier“, sagt Uthe wieder und lächelt. Bei Ausflügen ist sie ebenso selbstverständlich Teil der Gruppe wie bei Feiern. Die Vorsitzende der Eschweiler Tafel, Anneliese Küpper, drückt es wie folgt aus: „Petra gehört einfach dazu.“ So einfach kann Inklusion sein. Anfangs half Petra Uthe, die inzwischen von einer Wohngemeinschaft in eine eigene Wohnung gezogen ist, beim Einsortieren der Regale. Dank eines neuen Systems kann sie nun auch bei der Warenausgabe unterstützen. „Die Arbeit hier finde ich super“, sagt Petra Uthe.

Apropos Caritas und Eschweiler Tafel. Auf Grund des seit längerer Zeit bestehenden Kontakts wird das Projekt „Solidaritätsstifter gesucht“ initiiert, in dem sich die Caritas-Behindertwerk GmbH für die sozial und wirtschaftlich benachteiligten Menschen einsetzt und die Tafel aktiv unterstützt. So wird in diesem Jahr ein Kunstprojekt gestaltet, um mit den Erlösen eine Nikolausfeier für bedürftige Familien zu organisieren.

Dass die Arbeit super ist, sagt auch Katrin Dahmen mehr und mehr über ihre Arbeit. Katrin Dahmen ist 26 Jahre alt und eine sogenannte Quereinsteigerin. Deren Zahl steige stetig, erklärt Gärtner. Bei Quereinsteigern handelt es sich um Menschen, die nicht den „klassischen Weg“ bis zur Beschäftigung bei der Caritas gegangen sind, also eine Förderschule besucht haben und dann in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung gewechselt sind.

Es gibt einige Veränderungen in diesen Werkstätten. Die Teilhabe am Arbeitsleben ist das große Ziel, das erreicht werden soll. Am besten die Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Nur wie? „Es gibt viele Ideen, die diskutiert werden. Wir müssen aber ganz sensibel schauen, was für die Menschen gut ist“, warnt Gärtner vor übereilten Beschlüssen. Wenn sich in der Gesellschaft etwas ändert, hat das auch unmittelbare Auswirkungen auf die Werkstätten. So gebe es immer mehr Menschen mit psychischer Erkrankung, sagt Gärtner. Auch etwa, wenn es in der Gesellschaft ein zunehmendes Drogenproblem gibt, kommt das irgendwann in den Werkstätten an. Gärtner und seine Kollegen stellen eine Steigerung bei den Beschäftigten fest, denen es an sozialen Kompetenzen und an Grundtugenden wie Pünktlichkeit fehlt. Von den „Jungen Wilden“ ist in der Fachliteratur gerne die Rede.

Und es gibt eben immer mehr Quereinsteiger wie Katrin Dahmen. Die 26-Jährige arbeitete vorher drei Jahre in einem Reformhaus. Es war eine geförderte Stelle. Als die Förderung auslief, musste eine andere Stelle her, und so kam Katrin Dahmen zur Caritas. „Das war anfangs nicht ganz einfach für sie“, sagt Gärtner. Nach eigener Aussage hat sich die 26-Jährige aber inzwischen „gut eingewöhnt“. Sie befindet sich noch im Qualifikationsjahr, in dem sie möglichst viele Stationen durchläuft, um die für sie beste Arbeit zu finden. Berufliche Orientierung nennt sich das. Ziel ist, mindestens zwei, nach Möglichkeit vier oder fünf Arbeitsfelder zu durchlaufen. Um das zu optimieren, gibt es inzwischen sogenannte Zielvereinbarungsgespräche, in denen die Bildungsziele gemeinsam mit dem Beschäftigten festgelegt werden.

Es gibt viele Möglichkeiten für die Menschen mit Behinderung. Neben Gartengruppe, Montage und Verpackung sowie der Zentrale können die Beschäftigten auch etwa das Arbeiten mit Holz kennenlernen. Und noch einiges mehr. Praktika gehören auch dazu. Katrin Dahmen etwa war bereits bei Cinram in Alsdorf.

Katrin Dahmen hat in der Montage und Verpackung begonnen, derzeit arbeitet sie in der Zentrale. Ferdi Gärtner bezeichnet die 26-Jährige als Leistungsträgerin. Auch in der Verwaltung hat sie bereits mitgearbeitet. „Da habe ich eine positive Rückmeldung bekommen“, sagt Gärtner.

Soziale Kontakte

Und was sagt Katrin Dahmen? „Mir hat es bisher in der Montage und Verpackung am besten gefallen.“ Und noch etwas gefällt Katrin Dahmen. Etwas, das mindestens ebenso wichtig ist, wie die Arbeit: soziale Kontakte. Denn die finden die Menschen mit Behinderung reichlich in den Werkstätten. Auch Katrin Dahmen hat bereits einige Kontakte geknüpft.

Für Ferdi Gärtner ist klar: „Inklusion ist dann erreicht, wenn der Mensch mit Behinderung sagen kann: Das ist das richtige für mich!“ Petra Uthe und Katrin Dahmen sind auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen.

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