Eschweiler-Dürwiß/Braunschweig - Geht es bald wieder gegen Ribéry, Robben & Co.?

Geht es bald wieder gegen Ribéry, Robben & Co.?

Von: Tobias Röber
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Bald will er im blau-gelben Dress in der Bundesliga auflaufen: Kevin Kratz aus Eschweiler spielt für Eintracht Braunschweig in der 2. Liga. Das Team steht dort ganz oben. Foto: imago/Joachim Sielski

Eschweiler-Dürwiß/Braunschweig. Ein Mal hat er bereits gegen die Topstars gespielt. Mario Gomez, Franck Ribéry, Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger – um nur einige zu nennen. Trainer des FC Bayern ist damals ein gewisser Louis van Gaal. Es ist ein kalter Winterabend, genau genommen der 26. Januar 2011. Flutlicht. DFB-Pokal-Viertelfinale. Alemannia Aachen gegen den FC Bayern München. In der 54. Minute wird Kevin Kratz im schwarz-gelben Trikot eingewechselt.

Natürlich ist es ein Höhepunkt in der Karriere des gebürtigen Eschweilers. Die nächsten großen Momente könnte es schon bald geben. Kevin, Kratz, fast 26 Jahre alt, schnürt seine Fußballschuhe seit dem 1. Juli dieses Jahres für Eintracht Braunschweig.

Noch 15 Mal rennen, kämpfen, Tore schießen – und den Zuschauern Spektakel bieten, dann kann der Traum von der 1. Fußball-Bundesliga Wirklichkeit werden. Braunschweig steht zur Winterpause glänzend da. Und es ist schon ein wenig mehr als die halbe Miete, sind in Liga 2 doch bereits 19 von 34 Spielen absolviert. Braunschweig ist Tabellenführer. 13 Siege, fünf Unentschieden und erst eine Niederlage bedeuten 44 Punkte. Das sind zwei mehr als Hertha BSC Berlin auf Platz 2 hat und schön zwölf Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Und das ganze gelingt in der Tat mitunter mit viel Spektakel. Wie noch am Montagabend, als die Eintracht gegen Union Berlin mit 4:3 gewinnt.

Anfang beim SCB Laurenzberg

Für Kevin Kratz ist Braunschweig die erste fußballerische Station weit weg von zu Hause. In Eschweiler geboren, wächst er in Dürwiß auf. Er beginnt 1991 beim SC Bewegung Laurenzberg, fünf Jahre später wechselt er innerhalb des Stadtteils zu Germania Dürwiß. 1997 geht es dann im Alter von zwölf Jahren zu Bayer Leverkusen. Kratz durchläuft dort die restlichen Jugendmannschaften und schafft es in die 2. Mannschaft der Werkself. Nebenher macht er bei Bayer seine Ausbildung zum Bürokaufmann.

Die Bayern und der Betze

2009 verpflichtet Alemannia Aachen den Mittelfeldspieler. Das erste Zweitligaspiel zählt er neben den Auftritten im DFB-Pokal (vor dem Duell mit den Bayern schaltet die Alemannia FSV Mainz und Eintracht Frankfurt aus) zu seine bisherigen Karrierehöhepunkten. Auf dem legendären Betzenberg wird Kratz damals beim Duell gegen den 1. FC Kaiserslautern eingewechselt. Drei Jahre spielt er am Tivoli, und während dieser Zeit wohnt er wieder in der Heimat, erst ein halbes Jahr in Eschweiler, dann in Dürwiß, wo er aufgewachsen ist, einst Kindergarten und die Grundschule besucht. Als weiterführende Schule sucht er das Städtische Gymnasium aus, das er bis zur 10. Klasse besucht.

Zurück zum Fußball: Sein Vertrag bei der Alemannia, bei der er die Rückennummer 15 trägt, läuft eigentlich bis zum sommer 2013. Nach dem Abstieg aus der 2. Liga gibt es für Kratz jedoch mehrere Angebote. Seine Leistungen haben aufhorchen lassen. Die Wahl fällt schließlich auf die Eintracht. „Braunschweig hat mich überzeugt. Die Mannschaft war schon lange zusammen, und die Gespräche mit Trainer und Manager liefen gut. Das ganze Paket stimmte einfach“, sagt Kratz und nimmt die neue Herausforderung an.

Die Situation rund um seinen ehemaligen Verein beschäftigt Kevin Kratz weiterhin. Als bitter und traurig bezeichnet er, was derzeit rund um den Tivoli geschieht. Als er Aachen im Sommer den Rücken kehrte, sei von einer drohenden Insolvenz nichts zu spüren gewesen. Mit einigen ehemaligen Mitspielern hält er Kontakt und erkundigt sich stets sofort, wenn er etwas Neues rund um die Alemannia liest.

Ein halbes Jahr nach der Entscheidung für Braunschweig kann man getrost sagen: Kevin Kratz hat so ziemlich alles richtig gemacht. Einziger Wermutstropfen: Kratz ist seit einigen Wochen verletzt, in der vergangenen Woche musste er wieder unters Messer. Riss des Syndesmosebandes. Eine Verletzung, die er aus seinem ersten Jahr bei Alemannia bereits kennt, nun ist das andere Bein betroffen.

Bis zur Verletzung läuft es für Kratz sehr gut. Der Neuzugang ist bei Braunschweig, einem der 16 Gründungsmitglieder der Bundesliga, gleich gut integriert, schafft es zum Stammspieler. In der ersten DFB-Pokalrunde erzielt er gegen den VfB Lübeck seine ersten beiden Pflichtspieltore für den neuen Arbeitgeber. Überhaupt kommt er gut in die Saison. In den ersten neun Ligaspielen bringt er es auf fünf Torvorlagen. Nun ist er verletzt, seine Genesung macht aber Fortschritte. „Ich gehe davon aus, dass ich Mitte Januar wieder ins Training einsteigen kann“, sagt er. Die Zeit, in der er Spiele auf der Tribüne oder am Fernseher verfolgt hat, soll dann endlich vorbei sein. Apropos Fernsehen: Sehr gerne verfolgt Kevin Kratz dort Spiele des FC Barcelona, seiner Lieblingsmannschaft. Sein Lieblingsspieler spielt für Barcelona, ist wie er Rechtsfuß und heißt Andres Iniesta.

„Weiter hart arbeiten“

Seine Ziele sind klar umrissen: „Ich will erstmal gesund, dann fit werden und meinen Stammplatz zurückerobern. Dann sehen wir mal, wie es läuft.“ Mit Prognosen in Richtung 1. Liga und Duellen mit den Bayern, Borussia Dortmund und Schalke 04 hält sich Kratz (noch) zurück. „Natürlich ist es das Ziel jedes Spielers, in der 1. Liga zu spielen. So muss es auch sein“, betont Kratz. Er weiß jedoch auch, dass in den verbleibenden 15 Partien noch jede Menge passieren kann. „Wir haben ein gutes Polster, dürfen uns aber nicht ausruhen. Wir müssen weiter hart arbeiten“, lautet die Devise.

Positives Denken ist also angesagt. Auch die weite Entfernung von der Heimat sieht der 25-Jährige positiv. Natürlich vermisse er die Familie und seinen älteren Bruder, der für Rhenania Lohn kickt. „Ich denke, es tut mir gut, mal richtig wegzukommen, da ich mich so auch als Mensch weiterentwickle“, sagt Kratz. Die Eingewöhnung sei ihm leichtgefallen. In der Mannschaft habe er gleich Kontakte geknüpft. Wie das in einem Mannschaftssport im Grunde eben so üblich ist. Zu seinem Hobby Golf ist er allerdings noch nicht gekommen. Erst der Umzug, die Eingewöhnung an die neue Umgebung, jetzt die Verletzung und das Schuften in der Reha fürs Comeback – viel Zeit ist momentan nicht.

Kontakt mit dem runden Spielgerät will Kevin Kratz dann auch bald wieder knüpfen. Und sich und seinem Verein, der 1985 aus der Bundesliga abgestiegen ist, am liebsten schon im Sommer den Traum vom Fußballoberhaus erfüllen. Weitere Duelle mit Ribéry, Robben, Gomez, Schweinsteiger & Co. sind nicht allzu fern...

Geboren wird Kevin Kratz am 21. Januar 1987 in Eschweiler.

Seine fußballerischen Stationen: 1991-96: SCB Laurenzberg
1996-97: FC Germania Dürwiß
199-2006: Bayer Leverkusen
2006-2009: Alemannia Aachen
seit 07/12: Eintracht Braunschweig.

Für Bayer Leverkusen absolviert er zwischen 2006 und 2009 89 Spiele und erzielt dabei zwölf Tore.

Für Alemannia Aachen läuft er in den drei Spielzeiten darauf 66 Mal in der 2. Liga auf und erzielt drei Treffer. In der Allianz-Arena erzielt er am 20. Februar 2010 per Kopf seinen ersten Treffer im Profifußball. Es ist das 1:0 gegen 1860 München, am Ende verliert die Alemannia mit 2:3. Am 4. Februar 2011 folgt der nächste Treffer. Wieder ist es das 1:0, dieses Mal in Cottbus. Endstand: 3:3. Schließlich trifft er im April 2011 noch zum 2:0 beim 2:1 Sieg der Alemannia beim FC Augsburg.

Neun Zweitligaspiele sind inzwischen für Eintracht Braunschweig hinzugekommen. Kevin Kratz hat in diesen neun Spielen fünf Vorlagen zu Toren gegeben. Sein Kicker-Notenschnitt in der laufenden Spielzeit liegt bei 3,17.

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