Eschweiler - Gefäßtag des Diabetes-Vereins: Viele Facetten einer Volkskrankheit

Gefäßtag des Diabetes-Vereins: Viele Facetten einer Volkskrankheit

Von: vr
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Ein kurzer „Pieks“ und schon hat man Gewissheit, ob die Zuckerwerte im grünen Bereich liegen. Beim Diabetes- und Gefäßtag wurde die Gelegenheit zum Früherkennungstest im Rathausfoyer reichlich genutzt. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Er ist die Volkskrankheit Nummer eins und führt unbehandelt unweigerlich zu Schlaganfall, Herzinfarkt sowie in die Pflegebedürftigkeit, hat aber im Volksmund einen falschen Namen: „Altersdiabetes“ betrifft nämlich zunehmend auch jüngere Menschen, in den USA mittlerweile schon achtjährige Kinder.

Doch der Blick muss gar nicht über den großen Teich gerichtet sein, auch in Deutschland steigt die Zahl der registrierten Kinder mit Typ-2-Diabetes. Die Neuerkrankungen bei Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahren sogar verfünffacht. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass der Eschweiler Diabetes- und Gefäßtag auch in seiner 14. Auflage nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Im Gegenteil: Es scheint so, als ob das Interesse noch zunimmt.

So bildeten sich schon am frühen Samstagmorgen regelrechte Menschenschlangen, um vom Angebot des kostenlosen Früherkennungstests Gebrauch zu machen. Auch Blutdruckmessungen und ein Check der Intima-Media-Dicke der Halsschlagader, ein Prädikator für atherosklerotische Veränderungen in der Gefäßwand, gehörten wieder zum umfangreichen Service-Angebot der Gesundheitsmesse im Eschweiler Rathaus.

Zu wenig Bewegung

„Wir leben entgegen unserer genetischen Programmierung“, weiß Apotheker Martin Katzenbach, Vorsitzender des Eschweiler Diabetiker-Vereins. Eigentlich seien wir Menschen als Jäger auf täglich bis zu 50 Kilometer Bewegung am Tag ausgelegt. Stattdessen schaffen wir immer mehr Möglichkeiten, uns so wenig zu bewegen wie möglich: Autos, Handys, Internet, selbst das Einkaufen geschieht mehr und mehr online, ohne dass der Schritt vom Auto ins Geschäft gemacht werden muss.

Typ-2-Diabetes als Einstieg in den Teufelskreis des metabolischem Syndroms, das mit Übergewichtigkeit, Bluthochdruck, zu hohen Cholesterinspiegeln und vor allem Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen einhergeht, ist somit verantwortlich für Immobilität, Pflegebedürftigkeit und nicht zuletzt auch sehr hohe Kosten für medizinische Versorgung.

In diese gab der Diabetologe Dr. Peter Hellebrandt mit seinem Vortrag über „Neue Arzneimittel“ Einblick, nachdem Dr. Rudolf Müller vom Euregio-Gefäß-Zentrum die Intima-Media-Messung als Ausdruck für Schlaganfallrisiko zunächst theoretisch und dann gemeinsam mit seinem niedergelassenen Kollegen Dr. Burkhard Bündgens in Praxis vorstellte.

Professor Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Inneren Medizin des St.-Antonius-Hospitals, warf den Fokus auf die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) in Kombination mit Diabetes und zeigte eindrucksvoll, dass der Diabetes Schnittpunkte zu vielen kardiologischen Krankheitsbildern aufweist, sei es als Grund oder als verkomplizierende Begleiterkrankung.

Dass die Medizin und Pflege allerdings gerade in Bezug auf Diabetes mellitus in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht hat, war im Rathausfoyer an den zahlreichen Infoständen zu erfahren. Vom passenden Schuhwerk für Diabetiker, die in Folge der Neuropathien kaum mehr Gefühl in ihren Füßen haben, über Patientenorganisationen bis hin zu hochmodernen Insulin-Systemen konnten sich Interessierte umfangreich informieren – leider hauptsächlich bereits vom Diabetes betroffene Indestädter, wobei das Thema doch jeden angehe, so Martin Katzenbach.

Denn je früher man auf seinen Blutdruck, Stoffwechsel und Gefäße achte, beispielsweise mit einem kurzen, schmerzfreien Check-up einmal im Jahr beim Hausarzt, desto eher könne die Gesellschaft das Rad der Ausbreitung dieser gefährlichen Volkskrankheit wieder zurückdrehen.

Für die stete Unterstützung von Seiten der Stadt in Person von Bürgermeister Rudi Bertram, der erneut als Schirmherr des 14. Diabetes- und Gefäßtages bereitstand, bedankten sich die Organisatoren ausdrücklich. Diese Unterstützung von Seiten der Politik wäre auch auf Bundesebene wünschenswert, zum Beispiel durch eine Auszeichnung von Lebensmitteln sowie deren Cholesterin- und Natriumgehalts in Form der häufig diskutierten Lebensmittel-Ampel.

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