Gedenkfeier: Eindrucksvoller Appell an Menschlichkeit und Gewissen

Von: ran
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Den Abschluss der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag bildete die Kranzniederlegung und Totenehrung am Ehrenmal im Stadtgarten. Foto: Andreas Röchter
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Interpretierte das Larghetto und Andante aus Händels Sonate g-Moll: Franziska Schüller an der Querflöte. Foto: Andreas Röchter
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Pfarrerin Sabine Reinhold schlug einen Bogen von den Opfern der beiden Weltkriege zu den Flüchtlingen der Gegenwart. Foto: Andreas Röchter
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Pia Eßer (Blockflöte) und Rita Stolbnikova (Piano) trugen mit dem „Siciliano“ von Guiseppe Sammartini zu einer würdevollen Gedenkstunde bei. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Das Monster Machtmensch´ wird nicht satt!“ Sabine Reinhold, evangelische Standortpfarrerin in der Donnerberg-Kaserne, schlug während ihrer Ansprache im Rahmen der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag, die am Samstagnachmittag im Rathaus stattfand, den Bogen von den beiden Weltkriegen zur Gegenwart. Und stellte drängende Fragen.

„Wie kann es sein, dass trotz unseres Wissens um 60 Millionen Tote, die alleine der Zweite Weltkrieg forderte, unser Mitgefühl gegenüber Flüchtlingen teilweise gegen Null tendiert?“

An den Ortseingängen Eschweilers hingen Schilder mit den Worten „Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus“ und „Ort der Vielfalt“. Dies müsse betont werden, weil es eben nicht selbstverständlich sei. „Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt. Wir gedenken Soldaten und Zivilpersonen. Und wir gedenken der Menschen, die Opfer des Rassenwahns und ihrer Non-Konformität wurden“, so Sabine Reinhold. Doch die Erinnerung müsse auch den Überlebenden gelten. „Denn diese sind oft seelisch dem Tod näher als dem Leben.“ Nach wie vor glaubten aber viele Machthaber an das Recht des Stärkeren. „Wir sollten um die Toten sowie die körperlich und seelisch Verletzten trauern. Aber auch um die Unbelehrbaren. Es ist pervers, wenn Rechtsradikale an einem 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht, demonstrieren“, betonte die Geistliche. „Anscheinend war für diese Menschen die Zahl der Opfer von Krieg und Gewalt nicht genug. Aber es wurde und wird genug gestorben“, unterstrich die Gedenkrednerin. „Wir, die wir seit fast 70 Jahren das Glück haben, in Frieden leben zu dürfen, tragen nun die Verantwortung für die Menschen, denen dieses Glück nicht zuteil wurde“, schloss Sabine Reinhold.

Zuvor hatte Bürgermeister Rudi Bertram in seiner Begrüßung die Bedeutung des Volkstrauertags unterstrichen. „Wir sind hier zu einer Gedenkstunde zusammengekommen, die immer wieder hinterfragt wird. Meiner Meinung nach ist es aber unabdingbar, an das Leid der Menschen in beiden Weltkriegen zu erinnern. Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, dass niemals wieder Krieg von unserem Boden ausgeht. Es ist wichtig, die Erinnerung weiterzugeben und vor allem junge Menschen zu sensibilisieren“, so Bertram. Hoffnung mache ihm unter anderem, dass die Ausstellung „Juden in Eschweiler“, die derzeit im Foyer des Rathauses zu sehen ist, sehr gut angenommen werde. „Nicht zuletzt von vielen Schulklassen“, erklärte Bertram.

Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde von Franziska Schüller (Querflöte), Pia Eßer (Blockflöte) und Rita Stolbnikova (Piano), Schülerinnen der Bischöflichen Liebfrauenschule, sowie ihrem Lehrer Ralf Repohl (Piano), die Werke von Georg Friedrich Händel und Guiseppe Sammartini interpretierten. Nach der Gedenkstunde folgte ein von der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Mitte angeführter Schweigemarsch zum Ehrenmal im Stadtgarten, wo Abgesandte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bundeswehrsoldaten und Mitglieder der Schützenbruderschaft unter Begleitung des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr Kränze niederlegten.

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