Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht

Von: ran
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Mit dem von Priester Christoph Graaff gesprochenen jüdischen Kaddisch-Gebet begann die Gedenkstunde zur Reichspogromnacht am Gedenkstein vor der Dreieinigkeitskirche. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. In weiten Teilen der Eschweiler Innenstadt herrschte am Sonntag Jubel, Trubel, Heiterkeit. Wenige Meter entfernt trafen sich jedoch zahlreiche Menschen, um einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu gedenken: der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, in der tausende Synagogen im gesamten damaligen Reichsgebiet, darunter auch die Synagoge in der Eschweiler Moltkestraße, von den Schergen des nationalsozialistischen Terrorregimes zerstört und niedergebrannt sowie zahlreiche jüdische Mitmenschen ermordet wurden.

Vor dem Gedenkstein der Dreieinigkeitskirche begrüßte Dieter Sommer, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler, die erneut als Gastgeber der würdevollen Gedenkstunde fungierte, die erfreulich vielen Teilnehmer, darunter unter anderem Vertreter der Stadt, des Geschichtsvereins sowie Konfirmanden der Evangelischen Gemeinde. Christoph Graaff, Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul, sprach dort zunächst das Kaddisch, eines der wichtigsten Gebete des Judentums, bevor die Gedenkgemeinde das Kircheninnere aufsuchte.

„Wer der Opfer von Gewalt nicht gedenkt, so glauben unsere jüdischen Schwestern und Brüder, der tötet die Opfer ein weiteres Mal“, erklärte dort Pfarrer Dieter Sommer. Deshalb sei es unerlässlich, weiterhin an die Ereignisse des 9. Novembers 1938 zu erinnern, obwohl ein anderes historisches Ereignis, das genau 51 Jahre später in Deutschland stattfand, viel Freude ausgelöst habe.

Hauptredner Christoph Graaff ging dann sehr eindringlich auf den Ausgangspunkt der Gedenkstunde ein: „Wir haben vor der Tür begonnen, an einem Denkmal. Dieser Stein mit einer Erinnerungstafel soll uns aufrütteln, er sagt uns denk mal nach´. Wir benötigen dies, um sowohl den Blick zurück, aber auch nach vorne richten zu können.“ Nach dem Atomwaffenabwurf auf Hiroshima im Jahr 1945 habe niemand gedacht, dass in der japanischen Stadt jemals wieder etwas wachsen könne. Aber selbst dort sei wieder Gras gewachsen. „Und die Redensart da wird schon Gras drüberwachsen´ kennen wir zur Genüge.

Deshalb brauchen wir Menschen Denkmäler, damit die Narben nicht verblassen. Wir brauchen sie in Hiroshima, in Auschwitz und natürlich auch in Eschweiler, damit wir uns erinnern, was Menschen Menschen antun können und das etwas Vergleichbares niemals wieder passieren darf“, unterstrich der Seelsorger. Aktuell sei auch in Deutschland zu beobachten, dass Menschen, die eben noch auf der Schulbank gesessen hätten, sich dem sogenannten Islamischen Staat anschlössen.

„Wir müssen begreifen, dass solche menschlichen Katastrophen immer wieder passieren können, weil ja Gras über alles wächst. Wir müssen dies der Opfer wegen begreifen. Aber auch für uns, weil wir in der Lage sind, solche Katastrophen zu verhindern“, mahnte Christoph Graaff. Dabei sollten die Erwachsenen als Vorbilder für junge Menschen dienen, in dem sie sich bemühten, dem Vorbild Jesus Christus zu folgen und die Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe in den Vordergrund zu stellen.

Denn: „Nur der, der in der Lage ist, sich selbst anzunehmen, kann auch seinen Nächsten annehmen“, unterstrich der Geistliche. „Es ist unsere Pflicht, gegenüber dem Ungeist der Welt achtsam zu sein, gegen den Egoismus das Du und gegen die Ellenbogengesellschaft den Nächsten im Blick zu halten“, schloss der katholische Priester, der anschließend gemeinsam mit seinem evangelischen Bruder Dieter Sommer und allen Teilnehmern der Gedenkstunde „in der Erinnerung an alle Opfer von Gewalt und Terror“ das „Vater unser“ betete.

Zum Abschluss der Veranstaltung, die musikalisch durch Bärbel Ehlert (Geige und Gesang) und Friedhelm Lutzer (Akkordeon) gestaltet wurde, stand der Besuch des jüdischen Friedhofes an der Talstraße auf dem Programm, wo zahlreiche Menschen nach alter jüdischer Sitte zu Ehren der Verstorbenen einen Stein auf dem Ehrenmal niederlegten.

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