Gar kein Geschenk für Kinder? Das geht nicht!

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Geschenke für Kinder aus Flüchtlingsfamilien: Von links Zeho Numanova, Übersetzerin Tatiana Senchenkova, Integrationsbeauftragter Jürgen Rombach, die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Mariethres Kaleß, der kleine Asehot Nomanov, seine Mutter Roksana Izzatullaeva, sowie Demet Juwher und Andrea Brockmann vom Sozialamt. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Das Fest der Liebe ist im Gesetz nicht vorgesehen. Für Asylbewerber gibt es zu Weihnachten keinen Cent extra. Auch nicht für Kinder. In Eschweiler allerdings ist es etwas anders. Da bekommen die Kinder von Asylbewerbern kleine Geschenke, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sozialamts. In den vergangenen Tagen besuchten sie alle Familien mit Kindern.

Zum Beispiel Roksana Izzatullaeva. Die 34-Jährige ist 2011 aus Uzbekistan geflohen, zusammen mit ihrer 16-jährigen Tochter Zeho Numanova und dem jetzt vierjährigen Asehot Numanov. Der Junge ist schwerstbehindert. Sozialamtschef Jürgen Rombach weiß von „unvorstellbaren Zustände in Uzbekistan“, kein Arzt habe sich um das Kind gekümmert.

Der Asylantrag der Familie ist noch nicht entschieden, die Mitarbeiter im Sozialamt drücken die Daumen: „Ich bin guten Mutes, dass Sie auch weiter in Deutschland bleiben. Viel Glück dafür“ wünscht Rombach. Dann ist Bescherung. Ein Lernspiel und Süßigkeiten gibt es für Asehot, seine ältere Schwester bekommt ein Schminkset und Parfüm. Und auch für die Mutter ist eine Kleinigkeit dabei.

Dass es für alle 52 Kinder aus Flüchtlingsfamilien in Eschweiler kleine individuelle Geschenke gibt, dazu noch Malstifte und Süßes, ist eine Idee der Mitarbeiter aus dem Sozialamt, das eigentlich komplett „Amt für Soziales, Senioren und Integration“ heißt.

Mitarbeiterin Demet Juwher: „Wir haben uns einfach mal Gedanken gemacht, weil Andrea Brockmann und ich bei Hausbesuchen gesehen haben, dass gerade bei den Kindern in unseren städtischen Unterkünften fast nichts von unserer Kultur hier ankommt, noch nicht einmal zu Weihnachten.“ Finanziell hat der Eschweiler Kinderschutzbund die Geschenkaktion möglich gemacht, durch Mittel aus dem eigenen Spendenaufkommen.

Vorsitzende Mariethres Kaleß sieht es als wichtige Geste: „Uns ist ganz wichtig, dass die Flüchtlingsfamilien sich hier willkommen fühlen und dass wir hier miteinander leben. Die Kinder sind für uns das Wichtigste. Wir wollen zeigen, dass wir die Kinder, die jetzt hier leben, gerne unter uns haben und für sie da sein wollen.“ Gar kein Geschenk für Kinder am Weihnachtsfest – das gehe doch nicht.

Das Asylbewerberleistungsgesetz ist das rigoroseste deutsche Sozialgesetz, sagt Jürgen Rombach, „wo also gar nichts vorgesehen ist, auch zu Weihnachten“. Eigentlich habe ja der Bürgermeister selber dabei sein wollen beim Besuch in der Unterkunft an der Hüttenstraße.

Rombach ist froh, dass er ihn vertreten darf, „weil ich ja in einer Doppelrolle bin. Als der Leiter des Sozialamtes muss ich auch das Asylbewerberleistungsgesetz, ein hartes Gesetz, umsetzen, ich bin sehr oft in der Situation, Ihnen sagen zu müssen, das geht nicht, weil das Gesetz es nicht vorsieht.“ Diesmal sei er in seiner Aufgabe als Integrationsbeauftragter der Stadt gekommen: „Ich freue mich darüber, dass wir diesmal jenseits von allen Gesetzen Geschenke verteilen dürfen.“

Und dann gibt es, unterm Weihnachtsbaum in der städtischen Unterkunft, Worte gegenseitiger Anerkennung auf Deutsch und Russisch, hin und her übersetzt von Tatjana Senchenkova, auch sie ist eine Mitarbeiterin des Integrationsamtes. „Ich schätze das sehr“, versichert Rombach der Asylbewerberin, „dass Sie als alleinerziehende Frau und mit einem behinderten Kind so stark sind, und wie Sie in Eschweiler Fuß fassen wollen und alles tun, um das Beste für ihren Sohn und ihre Tochter zu erreichen.“ Da sei die Familie ein Vorbild.

Roksana Izzatullaeva bedankt sich nicht nur für die Geschenke, sondern vor allem für die engagierte Hilfe. Das Sozialamt habe Wege gezeigt, Arztbesuche ermöglicht, Kontakte mit dem Jugendamt und anderen Behörden erleichtert. „Es gibt nicht viele Menschen, die uns geholfen haben, aber die Mitarbeiter im Sozialamt gehören dazu.“ Die wollen das auch weiter tun. Zum Beispiel nach einer behindertengerechten Wohnung für die Familie suchen. Das war bisher erfolglos. Jürgen Rombach ist Optimist: „Im nächsten Jahr klappt das, definitiv.“

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