Ganz Wattrelos versinkt im Freudentaumel

Von: Sonja Essers
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Der Karneval in Wattrelos ist auch für die Karnevalisten der Indestadt ein ganz besonderes Highlight. Konfetti, bunte Kostüme und vor allem viele Kamelle begeisterten die kleinen und großen Besucher am Straßenrand. Foto: Sonja Essers
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Der Karneval in Wattrelos ist auch für die Karnevalisten der Indestadt ein ganz besonderes Highlight. Konfetti, bunte Kostüme und vor allem viele Kamelle begeisterten die kleinen und großen Besucher am Straßenrand. Foto: Sonja Essers

Eschweiler/Wattrelos. Es wurde gefeiert, gesungen, getanzt und vor allem viel gelacht. Ihr diesjähriger Ausflug in Eschweilers Partnerstadt Wattrelos wird den Karnevalisten aus der Indestadt wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Schließlich beinhaltete dieser viele unvergessliche Momente.

Zu diesen zählt auch folgendes Erlebnis, das am Sonntag kurz vor dem großen Umzug stattfand. In der Mehrzweckhalle im Stadtzentrum kamen die Uniformierten zusammen und stärkten sich mit einem Mittagessen. Die Vertreter der Stadt Wattrelos sowie die geladenen Gäste aus Eschweiler, zu denen neben Bürgermeister Rudi Bertram und dem Karnevals-Komitee auch das Prinzengespann der vergangenen Session, Christian Leuchter und Frank Lersch, sowie die Mitglieder des Partnerschaftsvereins zählten, nahmen ihr Essen auf der Empore ein.

Plötzlich wurde es laut. Zu den Klängen einer französischen Blaskapelle klatschten die Uniformierten aus Eschweiler fleißig in die Hände. Nur wenige Minuten später stimmten die Karnevalisten „Mani, der Esel“ an und brachten nicht nur die vielen Besucher im Innenraum zum Mitmachen. Auch auf der Empore wurde fleißig mitgesungen.

Es ist nur einer von vielen Momenten, der den Karnevalisten aus der Indestadt wohl noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Schließlich wurde auch am vergangenen Wochenende wieder eindrucksvoll bewiesen, dass Freundschaft keine Sprachbarrieren kennt, sondern sich vor allem im gemeinsamen Singen, Tanzen und Lachen ausdrückt.

Zum 36. Mal fand der Karneval in Wattrelos statt, und natürlich waren auch viele Karnevalisten aus Eschweiler mit von der Partie. Dieses Ereignis sei ein fester Bestandteil im Terminkalender der Indestädter, sagte Bürgermeister Rudi Bertram beim Empfang im Rathaus am Sonntagmorgen. Doch dazu später mehr. Bereits am Samstagmorgen hatte sich ein ganzer Bus voller Karnevalisten auf den Weg in die nordfranzösische Partnerstadt gemacht. Darunter befanden sich nicht nur Abordnungen der KG Onjekauchde Röhe sowie der Roten Funken Artillerie und der Original Eschweiler, sondern auch das Prinzengespann der vergangenen Session, Christian Leuchter und Frank Lersch, samt Gefolge.

Prinzenwahl am Vorabend

Bereits auf der Hinfahrt war die Stimmung bestens, und es zeigte sich, dass die Karnevalisten auch einen Monat nach dem Rosenmontag die Zeilen der Prinzenlieder noch immer perfekt beherrschten. Am Abend stand dann ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm. Anders als in Eschweiler, wird der Prinz der Stadt Wattrelos am Abend vor dem großen Umzug gewählt. „Das ist Wahl, Kürung und Proklamation in einem“, klärten Lieselotte Coppeneur-Fröhlich und Hartmut Fröhlich vom Partnerschaftsverein die Indestädter auf. Die Beiden organisierten organisierten den Auslug und waren für den reibungslosen Ablauf verantwortlich. Verständlich, schließlich kommen sie schon seit über 30 Jahren regelmäßig nach Wattrelos, und das nicht nur zum Karneval.

Dass sie die nordfranzösische Stadt in- und auswendig kennen, bewiesen sie an diesem Wochenende mehrfach. Nicht nur die Wahrzeichen der Partnerstadt konnten sie problemlos benennen. Dies schafften noch nicht einmal alle Kandidaten, die sich für das Amt des Prinzen bewarben. In zwei verschiedenen Runden traten die achten Anwärter gegeneinander an. Nach einer Fragerunde präsentierten sie sich in der zweiten Runde in ihrem Prinzenkostüm. Letztlich wurde Didier Lucas von der Jury, zu der auch Karnevals-Komitee- Mitglied Dieter Wolf zählte, gewählt.

Empfang im Rathaus

Nach der Veranstaltung und einer kurzen Nacht ging es für die Angereisten bereits früh am Morgen vom Hotel zurück in die Mehrzweckhalle. Zur gleichen Zeit waren weitere 170 Karnevalisten aus der Indestadt auf dem Weg in die nordfranzösische Stadt. Während die Uniformierten nach und nach in der Halle ankamen, machten sich die geladenen Gäste, zu denen neben Bürgermeister Rudi Bertram und dem Karnevals-Komitee der Stadt Eschweiler auch die Vertreter der verschiedenen Eschweiler Karnevalsgesellschaften sowie das Prinzengespann zählten, auf dem Weg in das Rathaus.

Oberbürgermeister Dominique Baert hatte zum Empfang geladen, und dieser widmete sich einem ganz besonderen Menschen: Jean-Luc Doyen. Doch bevor es losging, präsentierten sich die verschiedenen Gruppen vor dem Rathaus und zeigten sich den vielen Anwesenden von ihrer besten Seite. Auch dort sorgten die Indestädter wieder einmal für Stimmung. Zu den Klängen einer Blaskapelle wurde fleißig gesungen und geschunkelt.

Und wer war mittendrin? Natürlich Jean-Luc Doyen, der von Bürgermeister Dominique Baert auch als „Monsieur Carnaval“ bezeichnet wurde. Schließlich hatte er als Stellvertretender Bürgermeister der Stadt Wattrelos dort nicht nur den Karneval ins Leben gerufen, sondern sich auch voller Hingabe und Leidenschaft um die Verbindung zischen Eschweiler und Wattrelos gekümmert. Stolze 43 Jahre war er im Stadtrat tätig, 37 Jahre lang hat er sich um die Festivitäten in der Stadt gekümmert. Sein Amt wird künftig Michèle Coquelle ausüben. Trotzdem ließ es sich der 70-Jährige nicht nehmen zum Abschluss einen besonderen Auftritt hinzulegen.

Für seine außerordentlichen Kostüme und Auftritte ist Doyen mittlerweile bekannt. Und diese Leidenschaft überträgt er auch auf andere. „Wegen ihm habe ich mich sogar zum ersten Mal verkleidet“, meinte Bürgermeister Dominique Baert in seiner Ansprache. In diesem Jahr nahm Doyen die Gäste im Rathaus mit auf eine Zeitreise zurück in die 50er und 60er Jahre. Gemeinsam mit Michèle Coquelle legte er zu Titeln von Elvis oder aus dem Film „Grease“ eine flotte Sohle aufs Parkett, bevor er sich in seiner anschließenden Rede für die vergangenen 43 Jahre bedankte. „Ich denke, dass wir uns noch einmal wiedersehen werden“, sagte er zum Abschluss und erhielt von den Gästen lang anhaltenden Applaus.

Unbeschwerte Stunden

Sichtlich gerührt war er auch von dem Video, das seine Kollegen für ihn zusammengestellt hatten. Die Hommage zeigte den Rentner nicht nur bei den Festen in Wattrelos, sondern auch beim Karneval in der Indestadt, zu dem er Jahr für Jahr anreist. Für seine Engagement und seine jahrelange intensive Arbeite überreichte ihm Dominique Baert an diesem Vormittag die Ehrenmedaille der Stadt Wattrelos. „Jean-Luc Doyen ist ein Mensch des Glückes, er ist Glück für die anderen“, so Baert.

Komitee-Präsident Norbert Weiland nutzte die Gelegenheit, um den Gastgebern Danke zu sagen. Auch in diesem Jahr waren die Karnevalisten von ihren französischen Freunden wieder herzlich begrüßt und aufgenommen worden. Bereits seit Wochen freue man sich darauf gemeinsam einige unbeschwerte Stunden zu verbringen, so Weiland.

Bürgermeister Rudi Bertram dankte Jean-Luc Doyen vor allem für seine geleistete Arbeit in Eschweiler und Wattrelos. Dass Doyen nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in der Indestadt bekannt wie ein bunter Hund sei, machte Bürgermeister Dominique Baert in seiner Rede deutlich. „Ich glaube, dass er sogar gewählt werden würde in Eschweiler“, meinte Baert und lieferte prompt die Begründung für seine Annahme: „Er ist so populär.“

Konfetti-Schlachten

Populär ist in Wattrelos nicht nur Jean-Luc Doyen, sondern auch das Konfetti. Die weißen Papierschnipsel verwandelten die Straßen während des Umzuges am Sonntagnachmittag in eine weiße Landschaft und schafften es sogar gestandenen Männern Respekt einzuflößen. So hatten die Herren des Karnevals-Komitees bereits vorsorglich die Reissverschlüsse ihrer Jacken bis zum Kinn hochgezogen. Doch dies wird wohl wenig gebracht haben. Schließlich finden die Indestädter meist auch noch Wochen später Überbleibsel der weißen Papierschnipsel.

Prince Didier und Prinz Christian

Doch nicht nur die Konfetti-Kanonen waren, wie bereits in den Jahren zuvor, ein ganz besonderes Highlight des Umzuges. Bunt kostümierte Karnevalisten, zahlreiche Musikkapellen, brasilianische Tänzerinnen, venezianische Masken und Roben. 36 Gruppierungen und insgesamt 1 399 Teilnehmer waren am Sonntag mit von der Partie. Und auch das Wetter spielte mit. zumindest während des Umzuges. Fiel vorher noch das ein oder andere Tröpfchen vom Himmel, so blieb es während des Umzuges trocken.

Das freute vor allem ihn: den Prinzen der Stadt Wattrelos. Für Didier Lucas, der sich bereits drei Mal für dieses Amt beworben hatte, ging ein Traum in Erfüllung. Gemeinsam mit dem Eschweiler Prinzengespann fuhr er auf einem Wagen durch die Straßen und wurde von den vielen Besuchern am Straßenrand bejubelt.

Ein Highlight für die Kleinen waren die Eschweiler Karnevalsgesellschaften. Diese hatten sich nicht lumpen lassen und so regnete es in Wattrelos nicht nur reichlich Konfetti, sondern auch Kamelle. Die Begeisterung der Kinder blieb auch den Eschweiler Karnevalisten nicht verborgen.

Viel zu schnell war der Umzug vorbei. Nach und nach fuhren die Eschweiler Busse richtig Heimat und ein letztes Mal ertönte lauthauls „Mani, der Esel“, der nun genauso wie die Unifomen der Karnevalisten bis Anfang November zurück in den Schrank wandert.

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