Eschweiler - Galerie Art Engert zeigt nächtliche Bilder großer Städte

Galerie Art Engert zeigt nächtliche Bilder großer Städte

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Die Skyline von New York wie eine Weihnachtslandschaft mit Zuckerguss – ungewöhnliche Bilder von großen Städten bei Nacht hat die Dortmunder Fotokünstlerin Eva Horstick-Schmitt geschaffen. Die Galerie Art Engert stellt sie aus. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Der Eiffelturm wackelt, der Arc de Triomphe scheint umzukippen. Die Skyline von New York, wie von Zuckerguss überzogen, erinnert an Weihnachtsgebäck. Eva Horstick-Schmitt schafft mit ihren Bildern einen neuen, überraschenden Blick auf millionenfach abgeknipste Fotomotive, ästhetisch schön und verstörend zugleich.

Unter dem Titel „Null Uhr – Nachtaktiv“ zeigt die Eschweiler Galerie Art Engert erstmals diesen Aspekt aus dem Schaffen der renommierten Fotokünstlerin. Die Ausstellung in der Wilhelmstraße 73g wurde am Sonntag eröffnet, sie läuft bis zum 10. August.

Am Beginn der künstlerischen Karriere von Eva Horstick-Schmitt steht ein nicht fotografiertes Bild. Eine Szene aus ihrem zehnten Lebensjahr: Sie geht hinter dem Sarg ihrer Großmutter, der Weg führt am Krankenhaus vorbei, und aus einem Fenster winkt ihre Mutter, die dort gerade ihren Sohn geboren hat. Dieses Bild, erzählt sie bei der Vernissage am Sonntag, habe sie immer im Kopf gehabt: „Warum hast Du keine Kamera dabei?“

Seitdem hat sie eine Kamera dabei. Zuerst hat sie ihre ganzen Familie fotografiert. „Vielleicht stirb bald der Nächste, ich muss die festhalten.“ Den Schrecken der Welt und ihre Schönheit zu bannen, genau hinzuschauen, die Wirklichkeit zu zeigen und nicht den Schein – das hat den Lebensweg und den künstlerischen Werdegang der Dortmunderin begleitet.

In großen Foto-Reportagen dokumentierte sie das Elend misshandelter Frauen im Kosovo, engagierte sich gegen Zwangsprostitution, begleitete eine an Krebs erkrankte Frau, karikierte den Schönheitswahn mit Bildern von Barbie-Puppen, die an die Arbeiten von Cindy Sherman erinnern. In ihren „Töchter“-Porträtserien mit Bildern und Interviews („Töchter des Reviers“, Töchter des Münsterlands“, „Töchter Palästinas“) scheint sie ganz hinter ihr Motiv zurückzutreten, aber lenkt gerade dadurch den Blick auf die Persönlichkeit der Menschen, die sie abbildet.

Perfektes Handwerk

Das fotografische Handwerk beherrscht Eva Horstick-Schmitt perfekt, aber sie pfeift auf Regeln, wenn diese die Wahrheit gefährden. Ihre erschütternden Bilder zum Thema Sexhandel wurden von „Terre des Femmes“ in 140 Rathäusern, Museen und Kunsthallen gezeigt. Horstick-Schmitt stellte sie kostenlos zur Verfügung: „Ich will am Elend anderer Menschen kein Geld verdienen.“

Und nun „schöne“ Bilder aus den großen Städten der Welt, 25 Nachtaufnahmen aus Paris, Barcelona, New York, Tel Aviv. Anders als jede bekannte Darstellung dieser so oft fotografierten Motive. Wahrhaft einzigartig: Welcher Tourist stellt sich schon nächtelang bei minus 5 Grad vor den Eiffelturm, um auf genau die Lichtstimmung zu warten, die das Abbild zum Kunstwerk werden, die es leuchten lässt. 25 Mal habe sie die letzte Fähre über den Hudson River genommen, um die Silhouette von New York in dem Licht zu zeigen, das ihr vorschwebte, berichtete sie am Sonntag.

Aber welche Wahrheit legt die Fotografin hier offen, indem sie die Motive verfremdet, den Eiffelturm schwingen, die Wolkenkratzer vibrieren lässt? Einen sozialen Bezug sieht Galeristin Anita Engert in den Bildern: „Das ist unsere Welt bei Abwesenheit von Gewalt, von Neid, von Hass!“ Die Künstlerin zeige eine neue, friedliche Welt, zwar verschwommen noch, aber in Umrissen aus leuchtenden Farben erkennbar.

Das ist sicher richtig. Aber die Bilder zeigen noch mehr. Sie zeigen das nächtlich-geheimnisvolle Leben der Städte, das Fragile, das Zerstörbare der menschlichen Kultur. Die Gefährdung. Und wenn man sich dann noch weiter auf diese Bilder einlässt, vermitteln sie etwas Meditatives, eine gelassene Ruhe. Der Lärm des Tages ist in die Ferne gerückt, die Lichter der Stadt tanzen und flimmern, und gemeinsam mit der Künstlerin warten wir geduldig auf das richtige Licht, den passenden Moment: Klick!

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