Eschweiler - Galerie Art Engert: Süßigkeiten in sämtlichen Varianten

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Galerie Art Engert: Süßigkeiten in sämtlichen Varianten

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Eschweiler. „Sweets for my Sweet“: Dem einen oder anderen noch als Titel eines Songs aus den 60er Jahren bekannt, wird er nun neu interpretiert. So nennen fünf Künstler ihre Ausstellung in der Galerie Art Engert an der Wilhelmstraße, die am Sonntag, 15. November, um 17 Uhr, eröffnet wird.

Uta Weber, Ingrid Roscheck, Ulrik Happy Dannenberg, Günter Beier und Ansgar Skiba zeigen ihre Nähe zum „Süßen“ in der Malerei und mit ihren Objekten sowie über Slow-Motion-Art, die von der Galerie mit Ingrid Roscheck gemeinsam entwickelte Videokunst.

Süßigkeiten, die in der englischen Sprache Sweets heißen, werden in der Kunst schon seit vielen Jahrzehnten in den verschiedenartigsten Formen dargestellt. Süße bedeutet weitaus mehr, als nur das, was wir auf der Zunge spüren. Süße steht für Unwiderstehlichkeit, für eine Qualität, die schwach macht, anzieht oder auch verführt. Viele Dichter beschreiben Merkmale der Erscheinung einer anziehenden Frau mit der Eigenschaft der Süße. Das Ziel der Sehnsucht und der Ort der letzten Erfüllung werden mit Süße umschrieben.

In seinen Notizen beschreibt Marcel Duchamp als Grundgedanken aller Readymades „die Idee der Wechselwirkung zwischen Kunst und Alltagsleben“. Mit ihr operieren auch die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Sie gehören in der Terminologie von Duchamp zur Klasse der „rectified readymades“. Das heißt, den von ihnen geschaffenen Werken liegen Dinge des Alltags zugrunde, aber sie wurden von den Künstlern nicht in ihrer ursprünglichen Gestalt in den Kunstkontext eingeführt, sondern „verbessert“.

Foto oder Gemälde

Die Arbeiten von Günter Beier fordern die Frage heraus: Foto oder Gemälde? Günter Beier ist absoluter Perfektionist, er dokumentiert mit seinem Realismus sein geniales künstlerisches Können. Der Zoomeffekt seiner Arbeiten lässt eine höchst originelle Malerei entstehen. Motiv und Ausgangspunkt seiner Malerei sind belanglose, unscheinbare Billigprodukte aus der Warenwelt. Eine Tüte mit Luftballons, das „scheinbare“ Durcheinander von Farben und Formen in einer Tüte mit Süßigkeiten dienen als Basis einer realistischen Malerei.

Aber die Zufälligkeit bei seiner Auswahl der Motive ist vordergründig. Beier sagt: „Dabei greife ich bewusst belanglose Motive auf, um den Betrachter nicht in eine intellektuelle, belehrende oder informative Auseinandersetzung zu führen. Im täglichen Gebrauch enthalten sie eine Ästhetik, die durch die malerische Überhöhung und Vergrößerung sichtbar wird.“

Ulrik Happy Dannenberg widmet sich dem Glück und seinen Symbolen, sein Name signalisiert sein Programm. Seit Jahren spielen Süßigkeiten eine entscheidende Rolle, die er mit delikatesten Materialien in meist stark vergrößerter Form nachbildet. Er erarbeitet farbige Reliefs mit Formen aus der Welt der Süßigkeiten, Skulpturen auf Sockeln mit Rundlutschern oder auch Einzelne Süßigkeiten in Vitrinen beziehungsweise vor gemaltem Hintergrund.

Als Betrachter steht man vor den süßen, meist fruchtig wirkenden, glänzenden Formen und Farben, die einladen, nach ihnen zu greifen. Das Süße bleibt im Wesentlichen hier Imagination oder Fiktion. Form und Farbe enthalten das Glücksversprechen.

Dinge des Alltags als Objekte

Uta Weber benutzt Dinge des Alltags als Modelle für ihre Objekte. Es sind Süßigkeiten, die wir alle aus Kindertagen kennen. Sie behält deren originale Form bei, verändert aber ihr Format und ihr Material und manchmal auch ihre Farbe. Durch Vergrößerung werden sie zu Plastiken, die sich im Raum oder an der Wand entfalten. Die Werke der Künstlerin beschwören das Reich der Kindheit, in dem die Künstlerin das spielende Kind in sich wieder findet, das sie nie vergessen hat.

Webers Plastiken rufen es dem Betrachter ins Gedächtnis, weil diese in ihren Größenverhältnissen personalisiert erscheinen. Und als solche erinnern sie an eine Zeit, in der die Welt wie ein Zauberreich erschien, das es neu zu entdecken galt. Nicht die Künstlerin spricht, sondern die Smarties, Liebesperlen und Campinos. So zieht Weber den Betrachter ohne persönlichen Kommentar in die dingliche Welt ihrer modifizierten Readymades.

Ansgar Skiba in der Welt der Readymades, fast zögert man ein wenig den Maler der Natur, der Gärten, Landschaften und Meereswellen auch hier in dieser Welt zu sehen. Und doch sind seine Tortenstücke und Eisbecher, überdeckt mit Sahne, Bestandteile des süßen Glücks. Vergänglich ist es, aber wiederholbar, Ausdruck eines Lebensgefühls, das uns abhandengekommen ist, in einer Welt der Schlank- und Gesundheitsdiäten. „I‘ll never ever let you go“ heißt der Refrain des Hits aus den Sechzigern, ein Wunsch, den der Betrachter auch den süßen Readymades nachruft, wissend, dass er nicht erfüllbar ist.

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