Fundsachen-Versteigerung: Das Zweitfahrrad findet keinen Abnehmer

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Für die paar Euro ein prima Rad, oder? Auch wenn viele Fund-Räder einen klapprigen Eindruck machen, es gab auch Schnäppchen.

Eschweiler. „Und dann hätte ich hier ein Armband in Gold, auf dem Namensschild steht "Manfred" drauf. Heißt hier jemand Manfred?” Die Kunst der Überredung ist gefragt, wenn man Fundsachen versteigern will.

Nein, niemand unter den zehn oder zwölf verbliebenen Bietern will das Manfred-Armband. Dann vielleicht ein Fahrrad?

Marita Plewnia, im Eschweiler Rathaus sonst im Bürgerbüro für guten Rat in allen Behördendingen zuständig, muss zu allen Tricks greifen, um die vielen Räder und das bisschen Schmuck, der sich in zwölf Monaten im Fundbüro angesammelt hat, loszuschlagen.

Es ist nicht nur die drückende Sommerhitze, die das Versteigern von Fundsachen in diesem Jahr so mühsam macht. „Die Leute geben doch kaum noch etwas ab”, weiß Marita Plewnia. Mit anderen Worten: Es gibt immer weniger ehrliche Finder.

Woran das liegt? Unter anderen an dem derzeit hohen Goldpreis. In dessen Folge machen überall kleine Läden auf, die alten Schmuck ankaufen, weil der Materialwert es bereits lohnt. Auch in Eschweiler. „Und da gehen dann Leute, die so etwas finden, einfach hin und lassen sich das Geld auszahlen”, mutmaßt die Auktionsleiterin und schüttelt den Kopf.

So kommt es, dass es sich bei den Preziosen, die sorgsam in Plastiktütchen verpackt und mit Nummern versehen auf dem Auktionstisch liegen, vor allem um Sachen handelt, die in den Schwimmbädern liegengeblieben sind. Ein paar Damenuhren, dünne Gold- und Silberkettchen, Modeschmuck. Die Preise gehen eher nach unten als nach oben: „Für drei Euro würde ich die Uhr nehmen.” „Na gut, einverstanden. Wer bietet mehr?” Niemand bietet mehr.

Das andere Schwergewicht der Fundsachenversteigerung sind die Fahrräder. 18 mehr oder minder ramponierte werden nach und nach vor die kleine Gruppe der möglichen Bieter gerollt. Bei einigen dieser Fundstücke drängt sich der Verdacht auf, da haben Leute die Sperrmüllabfuhr nicht abwarten können und ihren Rostesel als „gefunden” abgegeben.

Andere wieder sind durchaus gut in Schuss und fahrbereit. Da lassen sich schon Schnäppchen machen. Schätzpreise von zehn Euro, 20, höchstens 30 Euro ruft Marita Plewnia aus, und selbst diese geringen Summen sind nicht immer durchsetzbar. Gegen Ende der Versteigerung wird da schon mal ein auf den ersten Blick recht ansehnliches Mountainbike mit Fishbone-Rahmen und Shimano-Schaltung für fünf Euro abgegeben: Zum ersten, zum zweiten, zum dritten - und weg.

Versteigert wird, was sich im Lauf eines Jahres im Fundamt angesammelt hat und sechs Monate lang von keinem Verlierer beansprucht worden ist. Nach dieser Frist geht das Fundstück in den Besitz der Stadt über.

„Und was ist, wenn ich durch die Stadt fahre und jemand sein gestohlenes Fahrrad wiedererkennt?” fragt eine Bieterin, die für 15 Euro ein Damenfahrrad erstanden hat. Der billige Ersatz war dringend nötig, denn ihr eigenes Fahrrad, so berichtet sie, ist ihr gestohlen worden, aus dem Keller.

„Das gibt keine Probleme, beruhigt die Rathaus-Mitarbeiterin. Rechtlich sei das alles in Ordnung. „Aber bewahren Sie ihre Quittung auf.”
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