Fugen gerade? Dann ist alles in Ordnung!

Von: jlm
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Dr. Hans-Jürgen Sommer informierte seine Zuhörer über die altersabhängige Makula-Degeneration. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. Dr. Hans-Jürgen Sommer, bereits seit 1992 Augenarzt in Eschweiler, erwartete am Donnerstagabend seine Zuhörer in der evangelischen Gemeinde Bergraths, um sie auf eine der häufigsten Erkrankungen und Verschleißerscheinungen aufmerksam zu machen: die altersabhängige Makuladegeneration (AMD).

Die Anzahl der Erkrankten nehme stetig zu, derzeit seien fast 7 Millionen Menschen in Europa betroffen. Grund hierfür sei, dass der Mensch heutzutage viel älter werde als früher, das Durchschnittsalter liege bei 82 Jahren. Mögliche Verschleißerscheinungen seien da vielfältig, und beträfen neben zum Beispiel Hüft- oder Knieprothesen eben auch manchmal das Auge.

Ort der Erkrankung ist die Makula: ein nur wenige Quadratmillimeter großer Fleck auf der Netzhaut in der Mitte des Augenhintergrundes, der für wesentliche Sehleistungen verantwortlich ist. Während der übrige Bereich der Netzhaut uns das Umfeld- und Nachtsehen ermöglicht, ist die Makula zuständig für das Tages- und Farbsehen. Als Folge der Erkrankung sieht man in der Mitte des Gesichtsfeldes verschwommen, verzerrt oder einen dunklen Fleck – ein erhebliche Sehbeeinträchtigung im alltäglichen Leben.

Zuerst werde dabei ein Sehtest gemacht, um die Sehschärfe zu kontrollieren und sicher zu gehen, dass die Brillenwerte des Patienten auch in Ordnung sind. Dann folge der Amslergitterlinientest, den man auch ganz einfach zu Hause im Bad oder in der Küche machen könne zur eigenen Kontrolle: „Wenn die Fugen gerade sind, ist auch die Welt in Ordnung“, ermutigt Dr. Sommer.

Schließlich folgt eine Farbstoffuntersuchung: bei der Injektion des Farbstoffes in die Armvene werden abnormale Gefäße im Augenhintergrund dargestellt. Wichtig für die folgende Behandlung sei nämlich, zu klären wo genau die Störung auftritt.

Bis 2007 habe es fast keine Behandlungsmethoden gegeben. Seinen Gästen gab Dr. Sommer daraufhin einen kurzen Überblick über bereits erprobte Behandlungsmethoden und Medikamente, als auch über derzeitige Forschungen. Heutzutage sei unter anderem das OCT Standard, das die Zellschichtung der Netzhaut darstellen kann und auch für die Verlaufskontrolle bestens geeignet sei. Wenn die Patienten rechtzeitig ihren Augenarzt aufsuchen würden, könnte meist die derzeitige Sehstärke gehalten, manchmal sogar verbessert werden. Im schlimmsten Fall kann das betroffene Auge jedoch auch erblinden.

Doch Vorsicht: Blind sei hier im gesetzlichen Sinne zu verstehen, da der Patient zwar Blindengeld erhalte, aber nicht sein komplettes Augenlicht verliere. Dies ist der Fall bei einer Sehschärfe von zwei Prozent. Auch riet Dr. Sommer seinen Zuhörern, auf ihre Ernährung zu achten, denn Rauchen und Übergewicht seien oft Risikofaktoren. Zusätzlich kann die Erkrankung genetisch übertragen werden.

Trotzdem gebe es heutzutage Möglichkeiten, die Erkrankten bei ihrem alltäglichen Leben zu unterstützen, so zum Beispiel beim Lesen: So gebe es verschiedenen Arten von Leselupen (Hand-/ Klemm- oder auch Brillenlupen mit oder ohne Beleuchtung), Bildschirmlesegeräte oder auch E-Books mit Hintergrundbeleuchtung samt Vergrößerung der Schrift, sowie Hörbücher, mit denen oft nicht nur Romane, sondern auch manche Zeitungen gehört werden können, und kleinere Lesegeräte für unterwegs.

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