Für Wasser bezahlen? Da gehen die Bauern auf die Barrikaden

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Vor 100 Jahren ging es nur so und nicht anders - Wasser musste die Hausfrau sich am Brunnen pumpen. Unser Bild zeigt die letzte öffentliche Pumpe in Eschweiler in St. Jöris. Sie ist seit vielen Jahren außer Betrieb.

Eschweiler. Im Gemeinderat von Weisweiler ging es hoch her. Vor allem, als einer der Ratsherren kurz vor der Abstimmung „umfiel”. Damit stand es 5:4 für den Bau einer Wasserversorgung mit Quellfassungen am Nierchen, mit einem Hochbehälter von gerade mal 150 Kubikmetern und Leitungen in sämtliche Weisweiler Straßen.

Samt Hydranten für die Feuerwehr, alle 100 Meter einen. Nach diesem knappen Ratsbeschluss im April 1909, vor 100 Jahren, ging die Aufregung aber erst so richtig los. Der Zorn vor allem der Bauern kochte. Denn sie sollten für das Wasser bezahlen. Geld für Wasser - ganz was Neues! Wasserversorgung war vor 100 Jahren in Eschweiler und Umgebung eines der ganz großen Themen, genau so wichtig wie Elektrizität und Kanalisation.

Das wirkliche Problem aber war in Weisweiler die Wasserqualität. Das Brunnenwasser war miserabel. Und das Wasser reichte nicht aus. Vor allem Arbeiterfamilien waren „auf die Mildtätigkeit der Privatbrunnenbesitzer” angewiesen.

Im Streit „Für und Wider Wasserleitung” standen sich dann auch Bauern und Arbeiter gegenüber. Und da wurde nicht zimperlich argumentiert. Die Gegner der Wasserleitung, die im Gemeinderat so knapp und überraschend unterlegen waren, organisierten Widerstand. Sie gingen mit Listen von Haus zu Haus, sammelten Protestunterschriften. Im Gegenzug schmähte ein Befürworter der Wasserleitung in einem Leserbrief die Weisweiler Landwirte als rückständige Fortschrittsfeinde und zählte auf, was die Bauern schon alles verhindert hatten.

Geld bezahlen für die Gottesgabe Wasser - das erschien nicht nur den Bauern als Unrecht. Nach wochenlangem Streit wurde der Kampf um die Weisweiler Wasserleitung quasi basisdemokratisch entschieden. 250 Bürger drängten sich bei einer Volksversammlung am 2. Mai 1909 in der Schützenhalle von Weisweiler. Sie entschieden sich für die Wasserleitung.
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