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Für Notfallsituationen gerüstet

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Rettungsexperte Markus Lang tr
Rettungsexperte Markus Lang trainiert mit den Seminarteilnehmern im Awo-Familienzentrum „Wunderland” das richtige Verhalten bei Atemnotfällen.

Eschweiler. Bei einem Kindernotfall ruhig zu bleiben und das Richtige zu tun, ist nicht einfach. Im Eschweiler Awo-Familienzentrum „Wunderland” befassten sich jetzt über 30 Eltern, Großeltern und Erzieherinnen mit diesem Thema.

Auf Einladung der AOK Rheinland/Hamburg zeigten Gerd Krüger und Markus Lang von der First Aid Schule für Notfall und Rettung aus Düsseldorf wie richtiges Verhalten bei Kindernotfällen aussieht. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen”, erklärte Gerd Krüger und erläuterte, welche Besonderheiten bei der kindlichen Atmung und dem Kreislauf zu beachten sind. Ein Kindernotfall sei meistens ein Atemnotfall, erklärte der Düsseldorfer Rettungsexperte.

Eine extreme Stresssituation entsteht insbesondere dann, wenn das eigene Kind oder Enkelkind betroffen ist. Damit die erforderlichen Erstmaßnahmen unverzüglich und beherzt angegangen werden können, ist es notwendig, das richtige Verhalten bei Notfallsituationen zu trainieren.

Eine Erdnuss als Ursache

„Eine Erdnuss bereitet Erwachsenen wenig Probleme - beim Kleinkind kann sie allerdings ganz schnell zu einer Verlegung der Atemwege und somit zum akuten Notfall führen”, berichtete Krüger aus seiner langjährigen praktischen Erfahrung im Rettungsdienst. Da die engste Stelle der kindlichen Luftwege der obere Ringknorpel und nicht der Kehldeckelbereich ist, reicht dieser kleine Fremdkörper aus, um dem Kind im wahren Wortsinne die Atemluft zu nehmen. Das Lungenvolumen sei bei den jungen Patienten sehr klein und dadurch bedingt seien die Atem- und Herzfrequenz sehr hoch, was bei einer Störung der Atmung sehr schnell zu einem Sauerstoffdefizit führe und die Vitalfunktionen des Kindes in extrem kurzer Zeit stark beeinträchtige, erläutert Markus Lang.

Die richtigen Beatmungstechniken und das Reanimieren - sowie die eventuell auch erforderliche Entfernung von Fremdkörpern aus dem Atemwegsbereich - wurden im Seminar den Teilnehmern in der Theorie erläutert und insbesondere auch durch praktische Übungen an speziellen Baby- und Kleinkinderpuppen trainiert.

Gehirnerschütterung im Freibad

Anke und Günter Grimm aus Eschweiler-Dürwiß, Eltern der dreieinhalbjährigen Tochter Lisa, besuchten das Seminar aus gutem Grund: „Ich wusste nicht was ich machen soll und fühlte mich hilflos und überfordert”, beschreibt die junge Mutter ihre Gefühle, als Lisa im Dürwisser Freibad wegen einer Gehirnerschütterung, die sie sich beim Spielen mit anderen Kindern zugezogen hatte, bewusstlos zusammensackte und regungslos in den Armen ihrer Mutter lag. Nachdem die kleine mit leichtem Klopfen auf die Wange wieder zu sich kam, war der größte Schrecken bei den Eltern erst einmal vorbei. Allerdings hat das junge Paar nach diesem Erlebnis beschlossen, ein Erste-Hilfe-Seminar für Kinder zu besuchen, um für künftige Notfallsituationen besser gerüstet zu sein. „Jetzt fühlen wir uns sicherer - der Seminarbesuch hat sich gelohnt”, resümierte Anke Grimm nach der Veranstaltung.

Die Leiterin des Awo-Familienzentrums „Wunderland”, Angela Pistel, findet diese Art von Fortbildung für alle Personen, die mit Babys und Kindern umgehen, nahezu unverzichtbar. „Aus diesem Grund nehmen die Mitarbeiter des Familienzentrums regelmäßig an Notfallschulungen teil”, sagt Angela Pistel. Im „Wunderland” werden Kinder bereits ab einem Alter von vier Monaten betreut. „Da kann immer wieder mal etwas passieren und dann muss man wissen, was zu tun ist”, sagt die 47-jährige Erzieherin.
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