Eschweiler - Für ihre Schüler greift die Stadt tief in die Tasche

Für ihre Schüler greift die Stadt tief in die Tasche

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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An der Speisenausgabe in der M
An der Speisenausgabe in der Mensa: Catering-Unternehmer Frank Spiesberger und seine Mitarbeiterin Maria Castro versorgten am Freitag die Gäste der Einweihungsfeier. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Jägerbällchen mit Kartoffeln? Oder Gemüse-Lasagne mit Nudeln? Seit dem 22. August können die Schüler und Lehrer der Realschule Patternhof mittags in der Mensa essen.

Für 3,50 Euro pro Mahlzeit, kleine Portion 2,50 Euro. Die Schulmensa, ein Neubau auf dem Schulhof, wurde am Freitag offiziell eingeweiht. Sie hat rund 900.000 Euro gekostet.

Ein Jahr Bauzeit - das sei erstaunlich kurz, freute sich Schulleiterin Michaela Silbernagel in ihrer Begrüßungsrede. Die Vorgeschichte begann aber schon 2008 mit der so genannten Ganztagsoffensive des Landes Nordrhein-Westfalen.

Unter anderem verpflichtete der Erlass „Geld oder Stelle” die Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien dazu, eine Betreuung über Mittag anzubieten. Und wenn Schüler an manchen Tagen länger als sechs Schulstunden Unterricht haben, muss es ihnen möglich sein, einen Imbiss oder ein Mittagessen einzunehmen.

Der Beschluss zum Mensa-Bau war für die Stadt Eschweiler als Schulträger die logische Folge. Er sei „den Damen und Herren im Stadtrat sehr dankbar” für ihre Geschlossenheit bei Entscheidungen über die Entwicklung der Schullandschaft in Eschweiler, versicherte Bürgermeister Rudi Bertram in seiner Ansprache zur Einweihung.

Schulen seien ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt: „Seit 1999, seitdem ich an erster Stelle mit dem Rat der Stadt Eschweiler zusammen arbeite, hat diese Stadt 46 Millionen Euro nur in Schulen gesteckt, und wir sind noch nicht zu Ende!”

Die Baukosten der Mensa an der Realschule musste in Wesentlichen die Stadt Eschweiler als Schulträger selber aufbringen. 821.500 Euro betragen die Bau- und Baunebenkosten, weitere 69.000 Euro kostete die Einrichtung. Als finanzielle Unterstützung gab es 100.000 Euro aus dem 1000-Schulen-Programm des Landes. Und per Sponsoring sorgte die Firma RWE mit 4400 Euro für eine Salatbar, damit die Schule ihr selbst erarbeitetes Konzept „Gesunde Ernährung - gesunde Schule” auch umsetzen kann.

Die Mensa ist ein eingeschossiger Bau mit einer Nutzfläche von 253 Quadratmetern, die Fassade ist wärmegedämmt. 108 Sitzplätze gibt es im Speisesaal. Die Baukosten, so merkte der Architekt der Mensa, Diplom-Ingenieur Bernd Matthiesen, an, liegen „ein ganzes Stück unterhalb der bundesweit ermittelten Vergleichswerte”. Entstanden sei ein modernes Gebäude, das „wir als Architekten gern in unsere Referenzliste aufnehmen”.

Für die Versorgung der Schüler und Lehrer sorgt der Cateringbetrieb von Frank Spiesberger aus Herzogenrath, der auch das Aachener Einhard-Gymnasium und das Städtische Gymnasium Eschweiler als Caterer versorgt. Er liefert die Speisen fertig vorgekocht und dann halbgefroren an. Das Essen wird vor Ort in einem Kombidämpfer aufbereitet.

„Cook and chill” heißt dieses Verfahren, das als besonders gesund und vitaminschonend gilt. Täglich gibt es als warmes Mittagessen zwei verschiedene Menüs, eines davon fleischlos, außerdem besteht ein Kioskangebot mit Snacks und Getränken. Die Mensa ist durchgehend vom Schulbeginn bis zum Schulschluss geöffnet.

„Die Schüler können das Essen und die Kioskartikel direkt bar bezahlen oder ein bargeldloses System nutzen”, erläutert der Sprecher der Stadt Eschweiler, Stefan Kaever. Bargeldlos wird das Essen über das Internet vorbestellt und gegen Vorlage einer Chipkarte ausgegeben.

Dr. Paul Pütz als Vorsitzender der Schulpflegschaft dankte in der Einweihungsfeier den Politikern der Stadt für den „mutigen Entschluss zu dem finanziellen Kraftakt” und die schnelle Umsetzung. Er mahnte aber auch mit dem Blick auf die längeren Schulzeiten an: „Nicht nur die baulichen Voraussetzungen sind maßgebend für den Erfolg einer guten Kinderbetreuung und einer gesundheitsförderlichen Schulverpflegung. Von zentraler Bedeutung werden nun die Menschen sein, die die neuen Räume und die neuen Betreuungszeiten mit sinnvollen Inhalten füllen müssen.”

Musikalisch aufgelockert wurde die Einweihungsfeier der Schulmensa durch Beiträge des Unterstufenchors, des Instrumentalkreises und der Schulband, für die es viel Beifall gab.

Es sei eine „Verwirrung des Zwecks, das Gotteslob auszusprechen, wenn einem das Wasser im Munde zusammen läuft” - mit diesem Zitat des britischen Pastors Sydney Smith, der damit vor 200 Jahren Tischgebete strikt ablehnte, hatte Schulleiterin Michaela Silbernagel humorvoll die beiden Geistlichen begrüßt, die gemeinsam den Neubau der Mensa einsegneten: Pfarrer Christoph Graaff von der katholischen, Pfarrer Dieter Sommer von der evangelischen Gemeinde. „Es ist schon immer so gewesen, dass zur Seelsorge auch die Leibsorge gehört”, gab Pfarrer Sommer in seiner Ansprache zurück und erzählte die biblischer Geschichte von der Speisung der 5000 mit fünf Broten und zwei Fischen.

Brot und Fisch wurden een Besuchern nach der Einweihungsfeier zwar nicht serviert, aber Pizza- und Wursthäppchen. Mit Sekt und Orangensaft stießen die Gäste auf eine gute Zukunft für die Schulmensa an.
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