Für diese Stimme ist die Kirche fast zu klein

Von: jope
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Ein starkes Duo in der Evangel
Ein starkes Duo in der Evangelischen Dreieinigkeitskirche: Sopranistin Michéle Rödel und ihr Klavierbegleiter Reinhardt Naumann brillierten mit dem Programm „Gebete in der Oper”. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. „Da habt Ihr aber etwas verpasst!” Den Satz hört man oft. Auch und vor allem, wenn Bekannte von genossenen Kulturerlebnissen berichten. Nicht immer kann der Wahrheitsgehalt überprüft werden.

Zwar wird es vermutlich bis 2013 dauern, bis in unserem Falle die Probe aufs Exempel in Eschweiler oder Umgebung durchgeführt werden kann. Doch der Berichterstatter sagt es mit der Hand auf dem Herz: Wer am Sonntagabend den Weg in die Evangelische Dreieinigkeitskirche versäumte, hat in der Tat etwas verpasst. Nämlich den Auftritt einer hier weitgehend noch unbekannten, erst 24-jährigen Sopranistin: Michèle Rödel, die in Wien zur Sängerin ausgebildet wurde und als Stipendiatin der Richard-Wagner-Festspiele zumindest schon an der „Höhenluft” des Grünen Hügels in Bayreuth schnuppern durfte.

Für ihr Programm „Gebete in der Oper”, eine Fortführung eines beachtlichen CD-Projektes, war die junge Frau aus Plauen im Vogtland quer durch die vereinte Republik in den „Westzipfel” Deutschlands angereist - in Begleitung ihres erfahrenen Piano-Begleiters Reinhardt Naumann zuerst nach Büsbach in die Pfarrkirche St. Hubertus und dann weiter nach Eschweiler. Dort hieß ein sichtlich erfreuter Kantor Gerhard Behrens den überraschend zustande gekommenen Besuch willkommen.

Zwei Qualitätsmerkmale des Abends müssen herausgestellt werden: Neben beeindruckendem Stimmvolumen das große Repertoire, das vom beide Sphären bereichernden Mozart hin zur deutsch-romantischen Innigkeit und zum besten italienischen Belcanto „ausfächerte”. An den Mozartschen „Ave verum” und „Laudate Dominum” glaubte man sich langsam schon sattgehört zu haben. Aber der hier mädchenhafte Sopran Michèle Rödels hauchte diesen Werken neuen Zauber ein, während bei der Kavatine der Gräfin Almaria aus „Die Hochzeit des Figaro” erstaunliche Reife des Ausdrucks hinzukam.

Wenig Zuhörer, aber viel Lob

An anderer Stelle packte die Vogtländerin eine dunklere Stimmlage aus, die ihr in Zukunft auch eine Karriere im hochdramatischen Fach eröffnen könnte. Wir denken da an Wagner (deren Wesendonk-Lieder sie im Repertoire führt). Sie spricht (und singt) indes vorerst über den im gleichen Jahr geborenen italienischen Widerpart Giuseppe Verdi. Die Dreieinigkeitskirche, die mehr Besucher verdient gehabt hätte, war fast zu klein für das warme Timbre und das Stimmvolumen, welche Michèle Rödel bei den Arien der Fenena aus Verdis „Nabucco” und dem Gebet der Norma aus Bellinis gleichnamiger Oper entfaltete.

Vielleicht erfolgt ihr Schwenk (oder die Ergänzung) vom romanischen zum germanischen Kosmos eines Richard Wagner ja über die nordische Welt Edvard Griegs. Dann wäre das tonschöne wie somnambul-verträumt dargebotene Lied der Solveig „Der Winter mag scheiden” aus „Peer Gynt” für Michèle Rödel eine Vorstufe etwa zu Arien der Senta in Wagners „Der Fliegende Holländer”.

Die Autogrammstunde und das persönliche Lob der Kirchen-Besucher für Michèle Rödel waren ein deutliches Signal: Man gönnt der jungen Frau eine schöne Karriere, die allerdings zumindest noch einmal über den Konzertort „Eschweiler” führen sollte. Die Reaktion der Sopranistin: Warum nicht? Ja - wünschenswert und durchaus möglich!
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