Für die Trauer bleibt oft kein Ort mehr

Von: Silvia Kurth
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Trauer braucht einen Ausdruck und einen Ort - etwas, das in unserer mobilen, „schnelllebigen” Gesellschaft immer mehr verloren geht. Foto: Silvia Kurth

Eschweiler. Kerzen, Blumen, Engel, kleine Steine auf denen „In ewiger Liebe” steht, schmücken die Gräber. Trauer braucht einen Ausdruck. Jetzt im November ist das besonders zu sehen. Aber auch, wie sehr sich unsere Bestattungskultur wandelt. Auf dem Friedhof geht der Trend zum Pflegeleichten, auch in Eschweiler.

Und er geht zu den Gegensätzen: Neben den aufwändig gestalteten Grabstätten finden sich die Rasenflächen, auf denen es keinen Grabstein gibt, geschweige denn ein Kreuz oder einen Engel. Die Gründe dafür sind vielfältig.

415 bis 430 Bestattungen verzeichnet die Stadt in jedem Jahr. Davon sind nur noch 35 Prozent Erdbestattungen, wie Siegfried Zehn, Abteilungsleiter Friedhofswesen, berichtet. Der Rest sind Urnenbestattungen, häufig in anonymer Form, wobei das kein Phänomen der letzten Jahre ist.

„Schon sehr lange”, nämlich seit 1986, werden in Stich anonyme Urnenreihengrabstätten vorgehalten. „Das wird sehr rege genutzt”, berichtet Siegfried Zehn. Bei fast einem Viertel der Bestattungen wird diese Form der Beisetzung gewählt. Auch in Dürwiß, Nothberg und St. Jöris werden anonyme Urnengrabstätten angeboten. Im August erst ist ebenfalls in Weisweiler ein solches Grabfeld für anonyme Bestattungen eingerichtet worden.

„Der bundesweite Trend hin zur anonymen Urnenbestattung spiegelt letztlich den Wandel in der Friedhofskultur und auch den Wunsch der Hinterbliebenen nach so genannten pflegefreien Gräbern wider”, hatte die Verwaltung dem Stadtrat dafür als Entscheidungshilfe an die Hand gegeben, nachdem der Runde Tisch „Bürger für Weisweiler” ein solches Grabfeld beantragt hatte. Neben dem „klassischen” Erdreihengrab ist die anonyme Urnenbestattung die am häufigsten gewählte Form auf den städtischen Friedhöfen.

Siegfried Zehn macht aber auch auf die Endgültigkeit aufmerksam, die dies mit sich bringt. „Man trifft eine abschließende Entscheidung, weil ich keinen Ort der Trauerbewältigung habe.” Die Angehörigen dürfen zwar bei der Beisetzung dabei sein, und sich ungefähr die Stelle merken, Grabschmuck ist auf dem Stück Rasen aber nicht gestattet. Dafür werden innerhalb der anonymen Grabfelder zentrale Ablegestellen eingerichtet, die auch gut angenommen werden, wie Zehn berichtet.

Aber natürlich kommt es auch vor, dass Blumen oder Kerzen ins Gras gestellt werden. Darüber ärgern sich dann unter Umständen andere Angehörige. So hat es Siegfried Zehn auch schon gehört, dass sich jemand darüber beschwerte, „dass auf der Urne seines Vaters herumgetrampelt” worden sei, weil ein „Nachbar” Grabschmuck abgelegt hatte. Wege zwischen Gräbern gibt es auf solchen Rasenflächen eben nicht.

Pflegeleicht, sprich rasenmähergeeignet, ist auch eine in Eschweiler relativ neue Form der Beisetzung, die Rasenreihengräber in Dürwiß und St. Jöris, auch „amerikanische Bestattung” genannt. Sie bieten für die Angehörigen den Vorteil, dass es zumindest eine liegende Gedenkplatte gibt. „Sie werden besonders gut angenommen”, berichtet Siegfried Zehn.

Ein Indiz dafür, dass die anonyme Bestattung oft eher eine Notlösung ist, weil der Pflegeaufwand, den ein normales Reihengrab verursacht, ansonsten nicht geleistet werden kann. Denn der finanzielle Aspekt ist in diesem Fall nicht ausschlaggebend: Das Rasenreihengrab kostet mit 1410 Euro mehr als das herkömmliche Reihengrab mit 1220 Euro.

Die Entscheidung „liegt vielleicht daran, dass man Pflegefreiheit haben möchte”, meint Siegfried Zehn, denn 30 Jahre Ruhefrist seien eine lange Zeit, wenn die Kinder selbst schon 50 und älter sind. Hinzu kommt häufig die räumliche Distanz. „Wir leben in einer sehr mobilen Zeit. Da schafft man die Grabpflege einfach nicht mehr.”

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