Für die SPD ist Bertram Zugpferd und Fachmann

Von: Patrick Nowicki
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Sozialdemokratische Grundprinzipien als leuchtende Basis: Rudi Bertram warb Sonntag um seine Wiederwahl. Foto: Patrick Nowicki
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Warf einen humoristischen Blick auf Eschweiler und Bertram: der Kabarettist Christian Macharski. Foto: Patrick Nowicki
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Großer (Tal)Bahnhof für Rudi Bertram: Bei der offiziellen „Kandidatenvorstellung“ zählten nicht nur Vertreter der SPD zu den zahlreichen Gästen, die nach dem offiziellen Programm die Möglichkeit zum Plausch bei Kartoffelsuppe nutzten. Foto: Patrick Nowicki
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Musikalischer Rahmen: Helmut Güldenberg und Norbert Schmitz alias Black & White. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Am Ende steht Rudi Bertram mit einer beschwichtigenden Geste auf dem Podium. Natürlich klatschen die Gäste im Stehen, natürlich erhält er lange Beifall. Aber auf der großen Bühne fühlt er sich spürbar unwohl, der SPD-Bürgermeister, der auch nach dem 25. Mai in Eschweiler noch regieren will.

Dabei ist die Veranstaltung im Saal des Kulturzentrums Talbahnhof extra für ihn organisiert worden. „Kandidatenvorstellung“ ist sie überschrieben. Wer sich allerdings im Raum umschaut, erkennt schnell, dass man keinem der Anwesenden Rudi Bertram noch vorstellen muss. Vielmehr geht es den Eschweiler Genossen darum, Geschlossenheit zu zeigen – und dem Spitzenkandidaten und SPD-Zugpferd für die kommende Kommunalwahl deutlich Rückenwind zu geben.

Kabarett zu Beginn

„Zeit für Eschweiler – Zeit für Sie und unsere Stadt“ lautet der Slogan, mit dem Bertram in den Wahlkampf zieht. Doch um Politik geht es in den ersten Minuten am Sonntagmorgen nur am Rande. Kabarettist Christian Macharski wirft als „Hastenraths Will“ das Scheinwerferlicht von außen auf die Indestadt und Bertram: „Eschweiler – der sympathische Verkehrsknotenpunkt zwischen Nothberg und Merzbrück, die Perle an der A4“, ruft er den Gästen zu. Wäre der Mann aus Eschweiler, dann nennt man so etwas Selbstironie. Ist er aber nicht, sondern er stammt aus dem Selfkant, also einer Region, in der die Sozialdemokraten einen schweren Stand haben. „Die zwei Stimmen für die SPD, also das Lehrerehepaar, sind inzwischen aus dem Ort weggezogen.“

Natürlich erzählt „Hastenraths Will“ auch aus Rudi Bertrams Leben – aber eben aus der humoristischen Perspektive. Dass Bertram bei den jüngsten zwei Wiederwahlen jeweils über 70 Prozent der Stimmen auf sich vereint hat, schockt ihn keineswegs. Er selbst habe schließlich mehr Stimmen geholt: „Als Ortsvorsteher und Wahlleiter – mit 93 Prozent der Stimmen, der Rest war ungültig.“ Er geht auf die sozialdemokratische Vergangenheit Bertrams ein, dessen Vater dem Bergrather Fußball-Stadion seinen Namen gab. „Nach meinem Vater wurde noch nicht einmal ein Trampelpfad benannt“, räumt der Kabarettist ein. Sämtliche Stationen aus Bertrams Leben durchläuft er, um am Schluss auf den Slogan des Wahlkampfes zurückzukommen: „Ich kann jedem nur empfehlen, sich einmal alle schönen Ecken dieser Stadt genau anzuschauen – diese fünf Minuten sollte sich jeder nehmen.“ Was folgt, ist Applaus, der nur nach Bertrams Rede länger und lauter ist.

Bei fünf Minuten belässt er der Spitzenkandidat selbstverständlich nicht, schließlich könne er stundenlang über Eschweiler sprechen. Im Kern stößt Bertram immer wieder die von ihm so betitelten „drei B – Betreuung, Bildung und Beschäftigung“. Er lobt den Industrie- und Gewerbepark, in dem 1200 Arbeitsplätze geschaffen wurden, und kündigt an, weitere Gewerbeflächen auszuweisen und Industriebrachen zu vermarkten. Für die Menschen und Unternehmen sei ebenso die Infrastruktur von hoher Bedeutung: „Die Versorgung des gesamten Stadtgebietes mit schnellem Internet ist in Arbeit.“ Den Ausbau und die Sanierung der Schulen und Kindergärten schiebt Bertram ebenfalls in den Vordergrund. 70 Millionen Euro habe man dort investiert. Als Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg sei, wertet er die Tatsache, dass Eschweiler in der Einwohnerzahl nicht sinke, sondern sogar steige: „Ein wichtiges Signal für die Fortentwicklung unserer Stadt!“

Einmal blickt Bertram sogar auf seine erste Wahl zum Bürgermeister zurück, auf das Jahr 1999. Er habe damals darauf gedrängt, Schulsozialarbeiter zu installieren. Inzwischen ist dieses Vorhaben umgesetzt, aber die Anschubfinanzierung laufe aus. Er appelliert aus diesem Grund an Bund und Land, die Schulsozialarbeit weiterhin finanziell mitzutragen.

Auf die politischen Mitbewerber geht der SPD-Politiker nur einmal in seiner Rede ein: „Bisher ist unter ihnen kein Kandidat, der auch nur annähernd Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung hat beziehungsweise eine entsprechende Ausbildung vorweisen kann.“ Er halte es jedoch für wichtig, dass ein Bürgermeister den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Führung der Stadtverwaltung lege. „Durch die große Aufgabenvielfalt ist ein Fachmann erforderlich, der öffentliche Verwaltung in allen Facetten beherrscht und eine entsprechende qualifizierte Ausbildung mitbringt.“ Gerade in Zeiten, in denen die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden, sei ein Fachmann unverzichtbar, sagt Bertram. „Aussagen, dass man Verwaltung kennt, sind gut und schön. Aber zwischen Kennen und Können besteht ein großer Unterschied!“

Der Blick nach vorne führt Bertram zu den Ehrenamtlern, deren Engagement er weiter fördern wolle. Um das Überleben der Vereine zu sichern, will er enge Kooperationen mit Schulen im Rahmen des Ganztagbetriebs anstoßen. Er fordert, dass Eschweiler auch für Senioren lebenswert bleiben soll. Um alle Aufgaben zu bewältigen, will er auch in Zukunft mit anderen Städten zusammenarbeiten. „Gerade das wird in den nächsten Jahren eine äußerst wichtige Aufgabe sein, da sich für uns in Eschweiler, hervorgerufen auch durch die Energiewandel, ein Strukturwandel vollziehen wird“, meint Bertram. Die Indestadt soll in seinen Augen Energiestandort bleiben: „Warum sollen in Zukunft in Eschweiler nicht die Batterien für Streetscooter hergestellt werden, Motoren für Rotorblätter von Windkraftanlagen und vieles mehr?“ Die Nähe zur RWTH Aachen, zur Fachhochschule und Campus Jülich seien beste Voraussetzungen. Allerdings wolle er sich auch dafür einsetzen, nicht nur Arbeitsplätze für Hochbegabte zu schaffen.

Lob für Verwaltung

Was in der südlichen Innenstadt in Bertrams Augen gelungen ist, soll auch für den Norden zu schaffen sein. Er sei aber auf Dritte angewiesen: „Ich appelliere nochmals an die Verantwortung auch von Eigentümern, dass nicht nur alles nach Euro und Cent berechnet werden kann.“ Eine Lanze bricht er erneut für die Verwaltung, die „ihr Möglichstes, vielfach sogar mehr“ leiste.

Das Ende seiner Rede gilt seiner Partei und seiner Familie, verbunden mit dem Dank und dem Versprechen: „Ich mache diese Aufgabe als Bürgermeister jetzt 15 Jahre und glauben sie mir, ich mache das nicht als Job. Ich bin Bürgermeister mit Leib und Seele und viel Herzblut!“ Als hätte es noch einer Sympathiebekundung bedurft, klatschen die Gäste im Talbahnhof frenetisch.

Zuvor hat der Stadtverbandsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling betont, warum Bertram aus seiner Sicht und der Sicht der Partei der geeignete Kandidat ist: „Er hat sich über die vielen Jahre als Verwaltungschef etwas nicht nehmen lassen: den menschlichen Umgang mit denen, die seiner Meinung sind – und noch wichtiger, den menschlichen Umgang mit denen, die nicht seiner Meinung sind.“ Der Bürgermeister habe maßgeblichen Anteil daran, dass immer wieder junge Menschen zur SPD in Eschweiler stoßen. „Sie finden bei ihm ein offenes Ohr für ihre Ideen, er schenkt ihnen Aufmerksamkeit, er schenkt ihnen im wahrsten Sinne Zeit.“ Darüber hinaus sei Bertram auch ein kompetenter Ansprechpartner weit über die Stadtgrenzen hinaus – so habe er die Innovationsregion „Rheinisches Revier“ maßgeblich initiiert, berichtete Kämmerling.

Nach den Reden war Zeit für Plausch und Imbiss. Und Musik aus Eschweiler: Helmut Güldenberg und Norbert Schmitz umrahmten mit Klassikern der Musikgeschichte die Kandidatenkür.

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