Für die Identität ist der Pass nicht entscheidend

Von: Christina Handschuhmacher
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Sie sind nicht direkt vom Optionszwang betroffen, aber haben dennoch eine Meinung dazu: Tugçe Güzel, Esra Arabachi, Tyssir Sghaeer und Recep Koc. Foto: Christina Handschuhmacher
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Von Christina Handschuhmacher Eschweiler. Beim Meldeamt der Stadt Eschweiler sind 415 Personen als „befristete Deutsche“ registriert – sie besitzen bis zum 23. Lebensjahr sowohl die deutsche Staatsangehörigkeit als auch die Staatsangehörigkeit des Lan

Eschweiler. Ein Stück Papier – viel mehr ist der Pass für Recep Koc eigentlich nicht. Trotzdem will Recep seinen türkischen Pass nun gegen einen deutschen eintauschen. Recep ist als Sohn türkischer Eltern in Deutschland geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen und will bald, wenn er seinen Fachoberschulabschluss in Metalltechnik gepackt hat, hier eine Ausbildung beginnen.

Doch Recep merkt bei seinen Bewerbungen, dass viele Ausbildungsbetriebe gerne einen deutschen Pass sehen würden. Deshalb will er nun einen deutschen Pass beantragen.

Bei Receps kleiner Schwester, sieben Jahre alt, ist die Situation anders. Sie hat einen deutschen und einen türkischen Pass. Und das hat allein einen Grund: Recep kam zur Welt bevor die Staatsangehörigkeitsreform (siehe Infokasten) im Jahr 2000 in Kraft trat, seine Schwester wurde einige Jahre nach der Reform geboren und hat dadurch als in Deutschland geborenes Kind ausländischer Eltern per Gesetz ein Anrecht auf die deutsche Staatsangehörigkeit.

Zumindest auf Zeit. Denn die Siebenjährige ist ein sogenanntes Optionskind. Sie ist eine von 415 sogenannte befristeten Deutschen, die im Melderegister der Stadt Eschweiler registriert sind. Die meisten sind nach dem Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr 2000 geboren. Bei einigen anderen, die nach dem Stichtag 1. Januar 1990 geboren sind, haben die Eltern Anträge gestellt, damit ihre Kinder zuerst einmal zwei Staatsbürgerschaften erhalten. Zu ihrem 18. Geburtstag werden sie Post von der Ausländerbehörde erhalten, mit der Aufforderung, sich zu entscheiden – für den deutschen Pass oder gegen ihn. In der Politik wird das Optionsmodell heftig diskutiert, SPD, Grüne und FDP fordern in großen Teilen seine Abschaffung, CDU und CSU sind dagegen.

Derweil wächst die Zahl der Optionskinder, die sich entscheiden müssen. Im Jahr 2018 – wenn die ersten im Jahr 2000 geborenen „Optionskinder“ volljährig werden – werden die Behörden Schätzungen zufolge bundesweit jährlich bis zu 40.000 Optionskinder kontaktieren müssen.

Tugçe Güzel ist mit dem türkischen Pass groß geworden, doch auch sie will nun einen deutschen Pass beantragen. Sie fühle sich mehr als Türkin denn als Deutsche, sagt Tugce. Aber: „Der deutsche Pass würde einiges einfacher machen.“ Doch egal, ob deutscher oder türkischer Pass. „Wichtig ist doch, dass du nicht dein Inneres vergisst, wer du bist, woher du stammst“, findet Tuçge.

Auch Esra Arabachi, in Deutschland geborene Tochter türkischer Eltern, hat einen türkischen Pass. „Die Türkei ist meine Heimat, keine Frage“, sagt sie. „Aber ich bin hier geboren, aufgewachsen und kann mir nicht vorstellen, dort zu leben.“ Ein deutscher Pass würde ihr Leben in Deutschland vervollständigen, glaubt die 18-Jährige.

Tyssir Sghaeer stammt aus Tunesien, hat aber einen deutschen Pass. Ihre Eltern leben seit über 30 Jahren in Deutschland. Müsste sie sich für oder gegen den deutschen Pass entscheiden, wäre ihre Entscheidung klar: „Ich will gar keinen tunesischen Pass“, sagt sie.

Recep hält die Forderungen nach mehr doppelten Staatsbürgerschaften für Quatsch. Er definiert sich nicht über das, was in seinem Pass steht: „Der Pass spielt für mich keine Rolle. Ich habe trotzdem türkisches Blut im Körper. “

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