Für die Germania geht es weiter abwärts

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Eschweiler-Dürwiß. Das Jahr 2007 werden die Rot-Weißen nicht so schnell vergessen: Der Verein FC Germania Dürwiß feierte sein 100-jähriges Bestehen, die 1. Mannschaft kickte in der Landesliga, die 2. Mannschaft stieg in die 2. Kreisklasse auf. Sieben Jahre später steht der Traditionsverein vor einer ungewissen Zukunft. Im Vorstand sind nicht alle Ämter besetzt, die 1. und einzige Seniorenmannschaft wurde nun vom Spielbetrieb zurückgezogen.

Der ehemalige Vorsitzende Frank Dickmeis bestätigt, dass dies aus rein finanziellen Gründen geschehe. Am Dienstagabend fiel die Entscheidung, die 1. Mannschaft aus dem Spielbetrieb zu nehmen. Rund drei Stunden wurde heiß diskutiert. Der aktuelle Vorstand war dabei, ebenso wie einige ehemalige Vorstandsmitglieder und Gönner des Vereins. Eine fünfstellige Summe soll fehlen, um die noch anfallenden und ausstehenden Aufwandsentschädigungen für die Spieler bis zum Saisonende zu zahlen.

„Verein ist schuldenfrei“

Aus Dickmeis‘ Sicht führten viele Aspekte zu dem finanziellen Engpass: „Es wurden Zusagen nicht eingehalten, der ein oder andere Sponsor sprang ab.“ Finanzielle Altlasten aus vergangenen Jahren seien ebenfalls beteiligt. Allerdings betonen alle Verantwortlichen: „Der Verein ist schuldenfrei.“ Dies entspricht auch der Vereinssatzung, die Kreditaufnahmen ausdrücklich untersagt. Um nicht in die roten Zahlen zu rutschen, wurde die Mannschaft nun abgemeldet. Eine Frauenmannschaft ist jetzt das letzte Aushängeschild des Germanen-Seniorenfußballs.

Es gibt auch Stimmen aus dem Umfeld des Vereins, die diese Abmeldung nicht für nötig hielten. Die Germania steckt jedoch auch in einer Führungskrise. Aktuell leiten die beiden gewählten Vorstands-Mitglieder Manfred Heinrichs und Udo Wolff den Verein. Alle anderen Ämter sind unbesetzt, es gibt lediglich noch Beisitzer. „Es ist ein großes Problem, Leute zu finden, die im Vorstand mitarbeiten wollen“, sagt Udo Wolff. Die Probleme haben aus seiner Sicht früher begonnen, vor rund zehn Jahren.

Damals kickte die 1. Mannschaft in der Landesliga und war die Nummer eins im Eschweiler Fußball. Dürwiß stieg im Sommer 2004 gar erstmals in der Vereinsgeschichte in die Verbandsliga auf. Drei Jahre hielt sich die Germania dort, stieg in die Landesliga ab und zwei Jahre später wieder in die neue Mittelrheinliga auf. Dort sorgte Dürwiß für Furore, bis der Niedergang begann. 2012 Abstieg in die Landesliga, 2013 Abstieg in die Bezirksliga. Jetzt geht es runter in die Kreisliga A, in der Dürwiß zuletzt Anfang der 90er Jahre kickte.

Zudem gab es vor zehn Jahren noch eine 2. Mannschaft, die viele Jahre lang zusammenhielt. Auch eine Alte-Herren-Mannschaft trug das Germanen-Trikot. „Aus diesen Mannschaften zieht man die Leute, die im Vorstand mitarbeiten, die viel Zeit und Energie in einen Verein investieren“, ist sich Wolff sicher. Dickmeis, der auch der Jugendabteilung des Fußballvereins viele Jahre vorstand, geht derzeit davon aus, dass im Sommer ein Neuanfang in der Kreisliga A gelingt.

„Wir müssen natürlich auf vielen Bereichen tätig werden: Wir müssen Spieler finden, um eine schlagkräftige Truppe auf den Rasen zu schicken, und Sponsoren gewinnen“, sagt er. Udo Wolff ist sicher, dass der Verein eine Mannschaft für die Spielzeit 2014/15 melden wird. In der kommenden Woche sollen erste Gespräche geführt werden. Mit Trainern, Spielern und eben Sponsoren, damit die Saison von vornherein gesichert ist. Es wird kein einfaches Unterfangen, fängt der neue Trainer mit seinem Team doch bei Null an.

Frank Dickmeis will mithelfen, wenn auch nicht als 1. Vorsitzender. Vielmehr will er sich wieder um die Jugendabteilung als Leiter kümmern. Der kickende Nachwuchs bereitet der Germania auch aktuell viel Freude. Die Kooperation mit dem Fußballbundesligisten Borussia Mönchengladbach besteht nach wie vor. Noch im Oktober fand der Santander-Cup statt, den die Germania mitbestritt.

Zudem weilten einige Jugendtrainer der Germania zu Fortbildungen am Mönchengladbacher Nordpark. Sowohl die A- als auch die B-Junioren-Mannschaft spielt erfolgreich in der Mittelrheinliga. Die Gefahr, dass die Krise der Seniorenabteilung auch die Jugend erreicht, sieht Dickmeis nicht. „Beim Nachwuchs geht es vorrangig darum, dass sie in hohen Ligen spielen können“, sagt er. Dieses Argument zieht in Dürwiß nach wie vor.

Frustration

Davon profitierte in der Vergangenheit jedoch selten die 1. Seniorenmannschaft. „Es ist halt oft so, dass dann das Geld für die Spieler mitentscheidend ist“, berichtet Dickmeis. Ob er frustriert sei, dass Spieler dem Verein wegen ein paar Euro schnell wieder den Rücken zukehren? „Ja“, sagt er. Ämter im Vorstand werden schließlich nicht bezahlt. „Das macht man aus Herzblut“, meint Dickmeis, der selbst viele Jahre für Germania Dürwiß die Fußballschuhe schnürte. Er will sich jedoch weiter engagieren – auch im neuen Vorstand, wenn auch nicht in vorderster Front.

An der stand rein sportlich gesehen bis Dienstagabend Trainer Markus Hambach. Er und sein Co-Trainer hatten sich bereiterklärt, unentgeltlich die Saison zu beenden, einige Kicker wollten das nicht. Sportlich stand die Germania nicht so schlecht da, wie viele es vor der Saison vermuteten. Noch vor der ersten Partie der neuen Spielzeit hatten viele „Experten“ die Germania als Absteiger Nummer eins getippt.

Dazu passte, dass Dürwiß im Pokal in der 1. Runde gegen einen C-Ligisten mit 0:3 unterlag, beim Blausteinsee-Cup zum zweiten Spiel erst gar nicht mehr antrat und auch bei der Stadtmeisterschaft keinen guten Eindruck hinterließ. Zu gerne hätte Hambach alle Kritiker widerlegt und die Klasse gehalten. Daraus wird nichts. Heute Abend treffen sich die Spieler, um sich voneinander zu verabschieden. Man darf gespannt sein, wie es bei der Germania im Seniorenfußball weitergeht.

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