Für den Traum vom Great Barrier Reef

Von: Tobias Röber
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Im Hallenbad an der Jahnstraß
Im Hallenbad an der Jahnstraße wird Monika Moers (links) noch einige Stunden unter Wasser verbringen, bis sie auf die Ozeane dieser Welt losgelassen wird. René Brandt ist stets an ihrer Seite. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Die Anstrengung ist Monika Moers für einen kurzen Moment anzusehen. Der Kopf ist rot, sie holt tief Luft und atmet erleichtert wieder aus. Dann lächelt sie und stellt die schwere Sauerstoffflasche mit einem Seufzen auf den Boden. Ihrem großen Traum ist sie wieder ein Stück nähergekommen.

Monika Moers, 38 Jahre alt, macht derzeit ihren Tauchschein. Wir haben ihr und Tauchlehrer René Brandt dabei über die Sauerstoffflasche geblickt.

Monika Moers war schon in einigen Meeren dieses Planeten. Auch unter Wasser. Aber nie so tief, wie sie es gerne wollte. Vor Ägypten und den Malediven hat sie schon die Unterwasserwelt erkundet. So weit es Lunge und Schnorchel zuließen. Seit April ist sie Mitglied im Eschweiler Tauchclub - und auf einem guten Weg.

„Den engen Anzug habe ich mir so nicht vorgestellt”, sagt Moers spontan auf die Frage, an was sie beim Tauchen vorher nicht gedacht hat. In Sachen Ausrüstung müssen Neulinge ohnehin einiges lernen. Richtiges Tauchen braucht eben seine Zeit. Das wird jede Trainingseinheit im Hallenbad an der Jahnstraße deutlich. Rein den Neoprenanzug, Handschuhe an, Sauerstoff ( und den Rest des Geräts) kontrollieren, Kapuze und Weste über, Flossen an, Taucherbrille ausspülen und aufziehen - dann gehts endlich ins Wasser. René Brandt, erfahrener Taucher und Ausbildungsleiter beim Eschweiler Tauchclub, drückt es in Zeit aus. „Für einen einstündigen Tauchgang muss man schnell mal mindestens drei Stunden einplanen.” Vom Tasche packen bis zum Ausstieg aus dem Blausteinsee etwa, dem weiteren Gewässer, das vom Eschweiler Tauchclub genutzt wird.

So weit ist Monika Moers noch nicht. Wann sie von René Brandt auf andere Gewässer losgelassen wird, weiß sie noch nicht. Genau wie Brandt. „Das ist wie beim Führerschein. Der eine ist schneller, der andere braucht etwas mehr Zeit”, sagt er. Einige Monate dauert es schon. Das liegt aber auch an den „bescheidenen Hallenzeiten”, wie René Brandt es nennt. Zweimal pro Woche kann der Verein das Hallenbad für je eine Stunde nutzen. Bedenkt man dabei die zeitintensive Vor- und Nachbereitung, „bleibt oft nur eine halbe Stunde Wasserzeit”, sagt Brandt. Getaucht wird im Training übrigens nicht ausschließlich. Es steht auch zum Beispiel Konditionstraining an, das ebenfalls (überlebens)wichtig ist.

Zeit sei überhaupt ein wichtiger Faktor, vor allem, wenn Anfänger an das Tauchen herangeführt werden. „Es gibt Tauchschulen, die bieten einen Tauchschein in fünf Tagen an. Da kann man gerade unter Wasser überleben”, sagt Brandt und plädiert für eine fundierte Ausbildung.

Und die beginnt - nach der vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchung zur Tauchtauglichkeit - im Eschweiler Tauchclub, der derzeit 173 Mitglieder hat, klassisch mit der ABC-Ausbildung: Flossen, Brille, Schnorchel. Mit diesen drei Utensilien werden die Schüler behutsam an das nasse Element herangeführt. Ist das kein Problem mehr, bekommen die Jungtaucher eine erste Einführung in die Geräte. „Das meiste behält man eh beim ersten Mal nicht”, sagt René Brandt und lacht. So ähnlich verliefen auch die ersten Einheiten von Monika Moers. Bei den ersten Versuchen im Wasser hielt René Brandt sie fest. Auf- und Abtauchen mit Hilfe der Westen, aus denen Luft abgelassen oder wahlweise hineingefüllt wird, ist für Anfänger alles andere als leicht.

Dass Monika Moers nie alleine ins Wasser geht, ist eine Grundregel. „Tauche nie allein”, steht auch am Dürwisser Blausteinsee geschrieben. René Brandt drückt es drastisch aus. „Tauchen ist eine Risikosportart. Man spielt mit dem eigenen Leben und mit dem von anderen”, betont er. Er fügt jedoch gleich an, dass beim Tauchen weniger Unfälle passieren als beim Fußball. Und es sei nicht gefährlich, wenn vor und nach jedem Tauchgang alle Schritte wie die Kontrolle der Geräte eingehalten werden.

Zurück zu den Tauchschulen. „Es gibt gute, und es gibt schlechte”, sagt Brandt. In der Regel erkenne man den Unterschied auch als Außenstehender recht schnell. Etwa wenn der Tauchschein vor einer Ausleihe von Geräten nicht verlangt werde. Oder das Logbuch, in das jeder Tauchgang mit allen Einzelheiten wie Tiefe eingetragen werden und von einem Tauchpartner bestätigt werden muss.

Den Tauchschein möchte Monika Moers bald in der Tasche haben. Das ist aber gar nicht so leicht. Es gibt verschiedene Stufen, ähnlich wie beim Schwimmen. Neben der praktischen Prüfung muss ein theoretischer Teil geschafft werden. „Bronze ist schon anspruchsvoll. Für Gold braucht man fast ein halbes Medizinstudium”, sagt Brandt.

Im September geht es für Monika Moers auf die Malediven. Dann darf es ein bisschen mehr, als „nur” tauchen mit dem Schnorchel sein. Ein Traumziel hat sie zudem: das Great Barrier Reef vor der australischen Küste. Spätestens, wenn sie dort so richtig getaucht ist, haben sich alle Anstrengungen gelohnt.
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