Für den guten Zweck: Ein Spiel dauert 1440 Minuten

Von: Tobias Röber
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Die Initiatoren des 24-Stunden-Kicks: Sven Baumann (links) und Holger Vogelsang. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Auf dem Weg von Eschweiler nach Köln hat man Zeit. Richtig viel Zeit. Vor allem dann, wenn man die Strecke zu Fuß zurücklegt. Sowas macht doch keiner, denken jetzt sicher die meisten. Stimmt aber nicht. Inspiriert von Ostermanns „Ich mösch zo Foß no Kölle jonn“, haben die beiden Eschweiler Holger Vogelsang (45) und Sven Baumann (30 ) vor drei Jahren genau das getan.

56 Kilometer sind sie vom Eschweiler Marktplatz bis zum Kölner Dom gegangen. In 13 Stunden und 36 Minuten. Genug Zeit, sich über weitere Projekte Gedanken zu machen. Eines wird nun umgesetzt: Ein 24 Stunden dauerndes Fußballspiel – vom 25. Juni, 11 Uhr, bis zum 26. Juni, 11 Uhr.Es gibt wohl viele Menschen, die verrückte Ideen haben. Die wenigsten setzen diese dann aber auch wirklich um. Die Idee zum Marsch nach Köln kam Holger Vogelsang seinerzeit – im Wortsinn – aus einer Bierlaune heraus. Er schrieb seinen Freund und Arbeitskollegen Sven Baumann eines Nachts an („Ich geh zu Fuß nach Köln. Gehst Du mit?“) und bekam – ebenfalls mitten in der Nacht – eine Antwort: „Klar!“ Gesagt, getan.

Nach einem gemeinsamen Marathon im Jahr darauf (in Köln), gingen vor einigen Monaten die Planungen für den „24-Stunden-Kick sponsored by Lohnsteuerverbund e.V. Beratungsstelle Eschweiler – Pascal Lenzig“ – so der volle Name – los. Es ist im Grunde ein Mix aus den Hobbys der beiden. Sven Baumann ist ehemaliger Fußballer (unter anderem bei Germania Dürwiß und Rhenania Lohn aktiv), Holger Vogelsang jedes Jahr Gast beim 24-Stunden-Rennen.

Noch Spieler gesucht

Klar war für das Duo: „Wir wollen keinen Cent behalten. Das Spiel ist für einen guten Zweck!“ Und damit begann auch schon der erste Teil der Vorbereitung, die – nun ja – auch mitunter holprig verlief. Privatpersonen können nämlich nicht ohne Weiteres spenden, wie die beiden erfuhren. Also holten sie Svens Bruder, den Versicherungsmakler Jens Baumann, mit ins Boot, der bei dieser Partie nun als Veranstalter auftritt. Weitere Sponsoren wurden gefunden, die unter anderem für jedes Tor spenden und die einheitliche Trikots zur Verfügung stellen. Dazu wird eine Spendenbox aufgestellt, die an dem Tag gerne gut gefüllt werden darf.

Bei der Stadt Eschweiler mussten die beiden vorsprechen und genau erklären, was sie genau vorhaben. Verwunderte Blicke ernteten sie dabei – aber auch viel Unterstützung seitens der Stadt Eschweiler, wie beide betonen. Als Schirmherr konnten sie übrigens Rudi Bertram gewinnen, der ebenfalls die Fußballstiefel schnüren will.

Apropos Spieler: Von der Weisheit „Elf Freunde müsst ihr sein“ bleibt am 25. Juni nicht viel übrig. Jeder der beiden hat ein Team zusammengestellt. Sven Baumann kann derzeit auf 90 bis 100 Spieler zurückgreifen, Holger Vogelsang nur auf etwas mehr als 40. Daher ist er weiter auf der Suche und appelliert an alle, die gerne mitkicken möchten, sich zu melden. Er denkt da etwa an die erfolgreichen Aufsteiger aus den Kreisligen, die ihre Saison noch „veredeln“ möchten. Einzelpersonen und Freizeitmannschaften dürfen sich auch gerne melden. Frauen sind übrigens auch schon einige dabei (bisher etwa fünf Prozent der Teilnehmer) und weiterhin willkommen. Wer sich noch für das Spiel anmelden möchte, kann das Duo über Facebook (24-Stunden-Kick dort eingeben) und auch über die Internetseite kontaktieren. „Es dürfen sich ausdrücklich auch Nicht-Fußballer melden“, betont Holger Vogelsang und ergänzt mit einem Grinsen: „Ich bin ja selbst einer.“ Da Fair Play an diesem Tag im Vordergrund steht, gibt‘s auch keine Schiedsrichter. Sollten jedoch Unparteiische dabei sein wollen, sind auch sie willkommen.

Die 24-Stunden-Joker

Für die Spieler gibt‘s einen Zeitplan, damit vor allem nachts ausreichend Kicker dabei sind. „Ich habe aber auch ein paar Joker, die die kompletten 24 Stunden hier sind und sogar ein Zelt mitbringen“, erzählt Baumann. Der Plan sieht vor, immer nach einer Stunde zu wechseln.

Es war übrigens gar nicht so einfach, ausreichend Torhüter zu finden. Den Satz „Ich geh nur nicht ins Tor“ hörten die beiden des Öfteren.

Zurück zur Organisation des Spiels. Die Auswahl der passenden Sportanlage war ebenfalls gar nicht so einfach. Logischerweise muss die gesamte Nacht über das Flutlicht eingeschaltet sein, und etliche Sportplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten. Ein Ascheplatz sollte es zudem auf keinen Fall sein.

Natürlich müssen auch einige Regeln befolgt werden, die Vogelsang und Baumann aufgestellt haben: Beim 24-Stunden-Kick darf kein Spieler unter 18 Jahren mitspielen (vor allem nicht nachts), Bierflaschen sind auf dem Platz verboten, Zigaretten ebenso. Tabu sind ebenfalls Stollenschuhe, Grätschen und betrunken spielen. Nach maximal drei Stunden am Stück muss eine Stunde pausiert werden.

Auf die EM-Partien (an diesem Tag stehen drei Achtelfinalspiele auf dem Programm) muss niemand verzichten, da sie auf jeden Fall gezeigt werden. Dazu gibt‘s für Kinder eine Hüpfburg, Getränke und – ohne geht‘s selbstredend nicht – die gute alte Stadionwurst.

Nun hoffen Sven Baumann und Holger Vogelsang auf gutes Wetter, natürlich darauf, dass alle Spieler auch wirklich teilnehmen, auf viele Zuschauer und natürlich auf reichlich Spenden.

Die Favoritenrolle schiebt sich Sven Baumann gleich einmal selbst zu und hat auch einen Tipp parat: „Wir gewinnen das Spiel 230:180.“ Holger Vogelsang stapelt noch tiefer: „Ich bin froh, wenn wir dreistellig treffen.“ Schaun mer mal...

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