Für 204 Kinder ist kein Platz in einer Kita

Von: Patrick Nowicki
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In Eschweiler findet längst nicht jedes Kind in einer Kindertagesstätte Platz. Viele Eltern erhalten in den nächsten Tagen Ablehnungen. Foto: Imago/Juniart

Eschweiler. In den kommenden Tagen flattert bei vielen Eltern eine wenig erfreuliche Post in den Briefkasten: Darin teilt die Wunschkindertagesstätte mit, dass sie ausgebucht ist. Was viele junge Familien erzürnt: Nicht nur U3-Kinder sind betroffen, für die ab Sommer ein Rechtsanspruch besteht, sondern auch Über-Dreijährige.

 Bei der jüngsten Tagung des Aufsichtrates der BKJ (Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche) wurden konkrete Zahlen für Eschweiler genannt. Der aktuellen Berechnung zufolge werden 204 Kinder abgelehnt, 117 U3 und 87 Ü3. Zuvor war schon bei der Trägerversammlung, bei der alle Träger einer Kindertagesstätte in Eschweiler ihre Zahlen abgleichen, bekannt geworden, dass man den Bedarf nicht decken kann.

Im Jugendamt der Stadt sucht man mit Hochdruck nach Wegen aus dem Dilemma. „Man muss intelligente Lösungen finden“, betont die Jugendamtsleiterin Gabi Brettnacher. Dem Vernehmen nach sollen Tagesmütter verstärkt eingebunden werden. Bestätigen will dies die Stadtverwaltung allerdings nicht.

Seit Monaten arbeitet man daran, die Zahl der Plätze zu vergrößern und gleichzeitig Ü3- in U3-Plätze umzuwandeln. Zahlreiche Kindertagesstätten erhielten einen finanziellen Zuschuss, um den Umbau anzugehen. Der größte Bau entsteht an der Franz-Rüth-Straße, auf dem Gelände des ehemaligen Indestadions. Etwa drei Millionen Euro kostet der Bau, in dem die Arbeiterwohlfahrt eine viergruppige integrative Einrichtung betreiben möchte. Im Sommer soll sie in Betrieb gehen.

Die jüngste Entwicklung ruft die Opposition im Stadtrat auf den Plan, allen voran die CDU, die den Bau an der Franz-Rüth-Straße wegen der hohen Kosten heftig kritisiert: „Für diese drei Millionen Euro hätte man zwei Kindergärten bauen können, einen an der Franz-Rüth-Straße und einen in Eschweiler-Ost, wo ebenfalls ein hoher Bedarf ist“, sagt Bernd Schmitz, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Als Vergleich nennt er einen viergruppigen Kindergarten in Roetgen, der insgesamt 1,35 Millionen Euro kostete.

Was Eltern und Kommunalpolitiker gleichermaßen auf die Palme bringt: „Offensichtlich werden U3-Plätze zu Lasten der Ü3-Plätze geschaffen – das ist ein Skandal“, betont Schmitz. Dies werfe bei vielen Familien die Planung über den Haufen. „Die Mutter oder der Vater müssen dann zuhause bleiben, es sei denn, sie finden eine Tagesmutter“, so der Christdemokrat. Eine Tagesmutter betreut allerdings in der Regel maximal fünf Kinder, was bedeutet, dass mindestens 40 freie Tagesmütter gefunden werden müssten, um den Bedarf des nächsten Kindergartenjahres zu decken. Nicht wenige halten dieses Ziel für utopisch.

Seit Mitte Dezember bekannt

Seit Mitte Dezember ist die dramatische Entwicklung im Rathaus bekannt. Die Zeit drängt, denn ab Sommer gilt auch für U3-Plätze ein gesetzlicher Anspruch. Allerdings ist die Kommune nicht gezwungen, den Bedarf unmittelbar im Ort zu decken. Das bedeutet, wenn ein Platz in Weisweiler fehlt, kann man den Eltern eine Alternative in St. Jöris anbieten. Den gesetzlichen Vorgaben wäre damit Genüge getan. Allerdings haben sowohl die Kommunalpolitiker als auch die Verantwortlichen im Jugendamt in der Vergangenheit stets betont, eine ortsnahe Versorgung sicherzustellen.

Nach aktuellen Zahlen erfüllt Eschweiler die Versorgungsquote bei den Ü3-Kindern zu 82 Prozent. Bei den U3-Plätzen sollen – so fordert es die Landesregierung – mindestens 33 Prozent erreicht werden. In der Stadtverwaltung war man optimistisch, diese Vorgabe zu erfüllen. Viel Spielraum hat sie allerdings nicht, denn sämtliche Einrichtungen der städtischen BKJ sind bis an ihre Kapazitätsgrenzen belegt, dies bedeutet: sogar über die gesetzlich vorgeschriebene Quote hinaus, was unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Auch die kirchlichen Einrichtungen sind voll.

Keine guten Nachrichten für Eltern also...

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