Fünf Jungs aus Bahia lassens ordentlich krachen

Von: Rudolf Müller
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„5 ” nennt sich die junge S
„5 ” nennt sich die junge Samba-Band aus dem brasilianischen Salvador, die nicht nur in Südamerika eine feste Größe auf vielen großen Festivals ist. Die Gruppe, die traditionalle Sambaklänge ebenso im Repertoire hat wie moderne Poprhythmen, begeisterte jetzt auf Europas größtem Sambafestival in Coburg zigtausende Fans. Am späten Samstagabend ist das Quintett in der Discothek „Klejbors” zu erleben. Und wird auch dort, seinem Namen zum Trotz, 100 Prozent geben.

Eschweiler. Drei Tage noch, dann sitzen die Jungs wieder im Flugzeug. Zehn lange Stunden in der Luft trennen Topera, Nau, Pedrinho, Bruninho und Shanon dann von ihrer Heimat, der 2,5-Millionenstadt Salvador im brasilianischen Bundesstaat Bahia.

Zeit genug, ein ausgiebiges Nickerchen zu machen. Denn bis kurz vor dem Einchecken in Frankfurt am Sonntagmorgen werden die Fünf noch einmal alle Register ihres Könnens ziehen: Ab 22 Uhr am Samstagabend bis 2 Uhr Sonntagfrüh bringen die Fünf den Besuchern in „Klejbors Fun Factory” die Samba bei.

„5 ” nennt sich die Gruppe, die sich erst vor gut einer Woche in Brasilien aufgemacht hat, Deutschland zu erobern. Auf Einladung des brasilianischen Generalkonsulats in Frankfurts nahmen die Fünf am Sambafestival in Coburg teil. Das ist ebenso alt wie das Eschweiler Music Festival. Nur etwas größer: 300.000 Zuschauer sollen diesmal das größte Sambafestival Europas auf elf Bühnen in der gesamten, für den Verkehr gesperrten Innenstadt miterlebt haben. „Das war fantastisch”, schwärmt 5-Sänger und -Gitarrist Topera. „Die Leute dort sind denen in Bahia sehr ähnlich: Die machen zu 100 Prozent mit!” Der Brasilianer kanns kaum fassen: „Da waren sogar Sambamusiker aus Schweden! Und die waren klasse!”

Karneval spielt eine große Rolle

Von Deutschland ist er sehr angetan: „Die Frauen hier sind sehr hübsch”, lacht er. Und bescheinigt Deutschland zudem einen großen kulturellen Reichtum, vor allem in Sachen Musik. Und dennoch: „Die Deutschen lieben unsere brasilianische Musik. Besonders unsere Rhythmusgruppen haben es ihnen angetan.”

Für den Rhythmus sind bei 5 die Brüder Bruninho und Shanon verantwortlich. Deren Vater ist Schlagzeuger der Gruppe „Ciclete com Banana”. Die Gruppe ist für Brasilien so etwas wie fürs Rheinland die Höhner. Superstars mit starker Verwurzelung im Karneval. Der spielt in Salvador eine riesige Rolle. Die Stadt hat den größten Straßenkarneval der Welt. Sieben Tage und Nächte hindurch wird gefeiert, rollen die Tieflader mit den Sambabands und -tänzern durch die Straßen der Millionenstadt. Da kommt dann auch die Indestadt mit ihrem immerhin drittgrößten Rosenmontagszug der Bundesrepublik bei weitem nicht mit.

5 sind auf dem besten Weg, nicht minder berühmt zu werden wie die „Kaugummis mit Banane”, so die Übersetzung von „Chiclete com Banana”. Vier Jahre ist die Band jung, und seit vier Jahren fast ständig auf Achse, quer durch alle Bundesstaaten Brasiliens. Auf den einschlägigen Musikfestivals von Fortaleza, Goiana, Acre, Natal, Salvador, Rio, Brasilia und Sao Paulo ist die Band längst eine feste Größe. Und auch als Vorgruppe brasilianischer Superstars wie Ivete Sangalo und Asa de Aguia hat sie sich einen Namen gemacht. Herzlich, fröhlich, mitreißend, offen zeigen sich die Fünf auf der Bühne, intonieren traditionelle Sambaklänge ebensowie zeitgemäße Popsounds. „Die Jungs sind einfach klasse!”, bescheinigt ihnen Tourmanagerin Adié Eme Mathias. Die lebt seit 20 Jahren in Köln, ist von der Stadt am Rhein begeistert, aber lässt nichts über die Musikalität ihrer Mit-Brasilianer kommen: „Mein Sohn ist 16. Auch der ist super musikalisch - obwohl sein Vater ein Deutscher ist. . .”, lacht sie.

In Köln zeigte sie den Fünfen den Dom. „Als wir da reingingen, haben wir sofort die positive Energie gespürt, die die Kathedrale ausstrahlt”, berichtet Shanon. Adié lacht: „Aber die Kraft, die paar hundert Treppenstufen in den Turm hochzusteigen, hatte dann doch keiner.”

Kostprobe beim CHIO

Am Mittwochnachmittag konnten die Musiker den Vergleich ziehen: Mit Adié besuchten sie auch den Aachener Dom. Nachdem sie mit Eschweilers Kulturmanager Max Krieger und dessen brasilianischer Frau Bea auch dem CHIO einen Besuch abgestattet hatten. Und dabei dort, auf dem Weltfest des Reitsports, „unplugged” einige Kostproben ihres Könnens abgegeben hatten.

Am Vormittag hatte Max Krieger, der nicht nur durch seine Frau enge Kontakte nach Brasilien pflegt, sondern auch mit seiner Firma Brasilconsulting kulturelle, soziale, politische und privatwirtschaftliche Kontakte zwischen dem aufstrebenden Brasilien und Deutschland fördert, die muntere Truppe zum Frühstück beim „Griechen” am Markt eingeladen. „Hier steht also immer die große Bühne”, konstatierte das Quintett, das vom Eschweiler Music Festival schon gehört hatte. Der Marktplatz im Schatten der Peter-Paul-Kirche gefiel ihnen: „Der Platz ist einfach klasse für Konzerte. Wäre schon, hier einmal auftreten zu dürfen”, sagt Topera.

Vielleicht wirds ja was. Max Krieger könnte sich sehr gut vorstellen, die mitreißende Truppe beim EMF zu präsentieren. Nach Deutschland wollen die Fünf ohnehin zurückkehren: „Ab jetzt kommen wir jedes Jahr!”, zeigen sie sich begeistert von Land und Leuten.

Und von Cristian Lanza: Der Eschweiler Tenor unter Kriegers Fittichen hat die jungen Brasilianer „umgehauen”. Jetzt haben sie ihn eingeladen: zu einem Konzert auf ihrem Tieflader. Auf den Straßen von Salvador, Bahia. Zehn Flugstunden von Frankfurt am Main entfernt. Guten Flug!
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