Fuchs, du hast die Laufenten gestohlen

Von: tim
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Aufklärung über das Verhalten der Füchse vor Ort: Förster Marco Lacks konnte den Kindern nach der Fuchsattacke die Angst nehmen, und erklärte ihnen warum der Jäger sich im Stall der Schule bedient hat. Foto: Timo Müller
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In die Fotofalle getappt: Ein Fuchs, auf dem Gelände der Willi-Fährmann-Schule.

Eschweiler. „Fuchs du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her“, lautet die erste Zeile des gleichnamigen beliebten deutschen Kinderliedes aus dem Jahr 1824. Dass dieses Szenario auch heute noch sehr aktuell ist, mussten die Kinder der Willi-Fährmann-Schule an der Martin-Luther-Straße leider vor rund drei Wochen selbst schmerzlich erfahren.

Als Sabine Deutz, die sich an der Förderschule mit den Schwerpunkten „Lernen“ und „Emotionale und soziale Entwicklung“, um die dort ansässigen Tiere kümmert, eines morgens in den Stall blickte, waren alle sechs Laufenten der Schule verschwunden. Wenig später verschwanden dann auch noch fünf Hühner und ein Hahn. Die Kinder traf der Verlust ihres geliebten Federviehs natürlich hart. Schnell fiel der Verdacht auf einen Fuchs. So löste bereits vor rund drei Jahren eine Kamera im Garten der Schule, die mit einem Bewegungsmelder ausgestattet ist, um 3.50 Uhr morgens aus. Auf dem Bild war tatsächlich ein Fuchs zu sehen, der in diesem Moment sogar genau in die Linse der Kamera blickte.

Nun waren einige der Kinder verständlicherweise verängstigt, sprachen von dem Fuchs als „Mörder“ und „Monster“. Um den Schülern nun ihre Angst vor dem Tier zu nehmen, und ihnen dessen Beweggründe für die Tat zu erklären, war am Dienstag Förster Marco Lacks zu Besuch in der Willi-Fährmann-Schule. Gemeinsam besichtigte er mit ihnen den Stall und beantwortete die Fragen der Kinder.

„Wie kommt der Fuchs überhaupt in die Stadt?“, wollte ein Junge wissen. „Was fällt bei den Menschen denn besonders viel an?“, führte Lacks die Kinder zur Antwort. „Müll!“, wusste eine Schülerin. Richtig, denn durch Essensreste werden die Tiere häufig in die Nähe des Menschen gelockt. Dann erklärte der Förster den jungen Tierfreunden, dass die Füchse momentan besonders viel Nahrung bräuchten, da sie ihre Jungen füttern müssten, die im Frühjahr geworfen werden. „Ist der Fuchs deswegen ein böses Tier?“, möchte der Förster wissen. „Nein, der möchte nur Nahrung“, sagt ein weiterer Schüler.

Gemeinsam dachten die Kinder dann über eine Lösung nach. Eine Lebendfalle war schon einmal keine Option, da man das Tier so von seinen Jungen trennt, und diese dann verhungern würden. Außerdem sind die Tiere so schlau, dass sie solche Fallen oft durchschauen und dort gar nicht erst hineintappen. Dazu wäre dies in Deutschland sowieso verboten. Der Bußgeldkatalog sieht für das Fangen, Verletzen oder Töten eines Fuchses in Nordrhein-Westfalen sogar 50.000 Euro vor.

Dasselbe gilt für das Stören der Fortpflanzung des Tieres, oder die Beschädigung seines Baus. Misshandlung und Töten eines Fuchses wird dazu mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe und einem Tierhalteverbot belegt, erklärte der Förster.

Eine Lösung, so dachten die Schüler, könnte sein, das Tier zu vergraulen, doch das ist schwierig. Der Schule bleibt deshalb momentan nur eines: den Stall während der Nacht sicher verschließen, und tagsüber immer mal wieder ein Auge drauf werfen.

Wie der Fuchs genau in den Stall gelangte, kann ebenfalls nur vermutete werden. Lacks hält es für möglich, dass das schlaue Tier sich einfach unter dem schützenden Zaun durchgebuddelt hat. Dass keine Kampfspuren oder tote Tiere im Stall gefunden wurden, ist ebenfalls typisch für den Fuchs, der sich seine Beute schnappt und sofort fortbringt. „Bei einem Marder hätte das schon anders ausgesehen“, weiß der Förster.

Die Kinder zeigten Verständnis für die Argumente des Försters, und am Ende zeigte keines von ihnen mehr Angst vor dem scheuen Jäger. „Der Fuchs hat mehr Angst vor euch, als ihr vor ihm“, so der Förster. Trotzdem sollen die Schüler, wenn sie eines der Tiere entdecken, zur Sicherheit nicht darauf zugehen, und einem der Lehrer Bescheid sagen. Zwar ist die Tollwutgefahr beim Fuchs, der entgegen der weit verbreiteten Meinung kein Rudeltier ist, verschwindend gering, doch der sogenannte Fuchsbandwurm, von dem viele Füchse befallen sind, kann im Ernstfall Krankheiten übertragen.

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