FSJ in Südafrika: Die „Big Five“ und viele nette Menschen

Von: ds
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Eschweiler. Der Alltag hat die beiden wieder fest im Griff: Felix Julian Möller studiert Mathe und Geographie auf Lehramt in Köln, Jonas Schleypen sieht seine Heimatstadt Eschweiler nur am Wochenende, weil er sich eine Wohnung in Maastricht genommen hat. Er studiert International Business. Gute drei Monate sind um, Monate, „in denen es drunter und drüber ging“, sagt Felix und grinst dabei. Er und Jonas haben ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kapstadt geleistet.

 Zwölf Monate lang haben sie an der Südspitze Afrikas gelebt und gearbeitet: In Kindergärten und Vorschulen von Townships in Kapstadt betreuten Felix Möller und Jonas Schleypen Kinder. Eschweiler Sponsoren – wie der Lions-Club Eschweiler Ascvilare – ermöglichten den beiden Liebfrauenschul-Absolventen den Einsatz am Kap der Guten Hoffnung. Neun Monate lang hat unsere Zeitung sie mit Berichten begleitet, da sollen natürlich die letzten drei nicht fehlen.

Von Lesotho nach Durban

„Die letzten drei Monate in Kapstadt waren noch sehr schön, auch wenn der Abschied immer näher rückte. Wir versuchten einfach die letzte Zeit mit den Kindern, in unserem Haus und in Kapstadt soweit wie möglich zu genießen. Neben kleineren Projekten in den Kindergärten stand noch eine Reise über Lesotho nach Durban an, bei der wir noch ein wenig das Land erkunden wollten“, schreibt Jonas. Es sei eines der schönsten Länder, die er je gesehen habe, sagt Felix über die Enklave in Südafrika. Zusammen mit ihrem afrikanischen Freund Sandise haben Jonas und Felix zehn Tage Urlaub gemacht, Skifahren in 3200 Metern Höhe inklusive. „Für Sandise war es eine tolle Erfahrung, er hatte noch nie zuvor Schnee gesehen“, erzählt Felix. In diesem Urlaub ist das Trio 4000 Kilometer über die Straßen Südafrikas getourt.

„In den letzten Wochen herrschte dann aber doch Abschiedsstimmung, besonders da es für alle Freiwilligen unserer Organisation bald soweit war. Man unternahm alles noch ein letztes Mal, wobei dann schon Wehmut aufkam“, erinnert sich Jonas. Felix denkt auch gerne an das Festival „Afrikaburn“ zurück, das in der Halbwüste Karoo, rund 200 Kilometer von Kapstadt entfernt, stattgefunden hat. Dort war er mit vielen anderen Freiwilligen. „Ende Mai war ich dann noch mit meinem Vater auf Safari-Tour im Krüger-Nationalpark. Wir haben die ‚Big Five’ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) gesehen und die Panorama Route mit ihren Wasserfällen und Halbcanyons genossen. Das ist natürlich für mich interessant, weil ich Geographie studiere.“

„Wir blicken auf herrliche Momente zurück, die wir sicherlich nie vergessen werden“, sagt Jonas. Was sie bewegen konnten in diesem einen Jahr? „In und um meinem Kindergarten würde ich sagen, dass sich durch meine Anwesenheit schon einiges verändert hat. Der Kindergarten wurde modernisiert und strukturiert. Er befindet sich nun auf einem besseren Weg. Der allerwichtigste Punkt ist jedoch, dass die Kinder gemerkt und gefühlt haben, dass auch wir ‚Weißen’ nicht anders sind als sie, ihnen Nähe geben konnten und Zeit mit ihnen verbracht haben. Auch wenn sie noch so jung waren, oder besser gesagt, weil sie noch so jung waren, werden sie nicht mit dem allgegenwärtigen Rassentrennungsgedanken aufwachsen, da sie es anders erlebt haben. Auch die Menschen im Umkreis des Kindergartens haben gesehen, dass es normal ist, wenn ein ‚Weißer’ jeden Tag im Township ist und nicht getrennt von ihnen lebt. Meiner Meinung nach ist dies der wichtigste Aspekt, den wir in diesem Jahr erreicht haben. Meine Hoffnung ist nun, was wir auch schon in Ansätzen erkennen konnten, dass eine Generation heranwächst, denen nicht die Rassentrennung von Geburt an als gegeben vorkommt, sondern zusammen mit den vielen Kulturen dieses Landes aufwächst“, fasst Jonas zusammen.

„Ich war für die Kinder in meinem Educare eine Bezugsperson, und wir haben als ‚Weiße’ im Township Klischees brechen können. Wir sind super miteinander klargekommen, haben gemeinsam gefeiert und uns toll verständigen können. Ich habe das Jahr in Südafrika in vollen Zügen genossen und habe viele neue Menschen, Kulturen, Sprachen und Eindrücke gewonnen und kennengelernt, sodass ich es niemals bereuen werde, dass ich mir diese ‚Auszeit’ gegönnt habe“, betont Felix. Er glaubt, sich in seiner Persönlichkeit teilweise verändert zu haben, aber auch gestärkt zu sein, mit mehr Geduld und Selbstständigkeit, „vor allem gehe ich selbstbewusster und offener auf Menschen zu“. Jonas: „Für mich persönlich nehme ich viele wertvolle Dinge mit, ein Teil der Lebenseinstellung Afrikas wird mir nie wieder zu nehmen sein. Erfahrungen die ich hätte niemals in Europa machen können und Menschen die ich kennengelernt habe, werden mein weiteres Leben erheblich prägen.“

Die Arbeit am „Centre for Creative Education”, dem Zentrum für kreative Erziehung, das in den Townships von Kapstadt mehrere Kindergärten und Grundschulen betreibt, können Felix Julian Möller und Jonas Schleypen jedem, der ebenfalls mit dem Gedanken an ein Freiwilliges Soziales Jahr spielt, nur ans Herz legen. Die zwei Inde-städter sind über den Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, „weltwärts“, an das Projekt gekommen. „Man versucht mit diesem Center den Kindern eine Oase zu bieten, in der sie unbeschwert Kind sein, lernen und alles andere vergessen können”, berichtet Felix Möller. „Unsere Aufgabenbereiche lagen unter anderem in der Betreuung der Kinder, in handwerklichen Tätigkeiten, sowie darin, sportliche Aktivitäten mit den Kindern zu unternehmen.“

Die Mutterstadt

„Meine erste Reise nach Kapstadt nach dem Auslandsjahr kann ich kaum erwarten. Nicht umsonst ist Kapstadt als Mutterstadt bekannt, ich habe mich sehr schnell sehr wohl gefühlt, und daher wird Kapstadt mit Sicherheit in meinem Leben ein häufiges Reiseziel sein“, weiß Jonas, der in sein weiteres Leben einige Dinge aus Kapstadt einbringe.

Die offene und herzliche Einstellung der Menschen habe ihn sehr überrascht, „machte nach einiger Zeit aber eine der wertvollsten Lebensqualitäten für mich in Kapstadt aus. Diese, und den Aspekt der Gelassenheit, sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen zu lassen, werden auch in der Zukunft sehr wichtig für mich sein.“

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