Frühjahrskonzert: Kammerchor überrascht mit Wagner-Beiträgen

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Der Eschweiler Kammerchor Cantabile, geleitet von Gregor Josephs, überraschte bei seinem Frühjahrskonzert mit Bearbeitungen von Wagner-Werken. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Wenn man in das Konzert eines Kammerchors geht, erwartet man nicht unbedingt Musik von Richard Wagner. Und sicherlich noch weniger das berühmte Englischhorn-Solo aus der Oper Tristan und Isolde. Aber genau dies gab es – Überraschung! – am Sonntagabend für die Freunde der Chormusik, die in die Herz-Jesu-Kirche geströmt waren.

Tatsächlich geströmt, die Kirche war fast voll beim Frühjahrskonzert des Kammerchors Cantabile. Das Solo aus der Einleitung zum 3. Akt des Tristan, gespielt von Christoph Lingemann, war nur eine der wunderbaren Überraschungen, die der von Gregor Josephs geleitete Chor seinen dankbaren Zuhörerinnen und Zuhörern bereitete. Chorsprecher Peter Adrian hatte angekündigt, Cantabile werde mit diesem Konzert einen Beitrag zum Wagner-Jahr leisten, und das lösten Josephs und der Chor auf überraschende Weise gleich dreifach ein.

Zunächst mit dem Vorspiel zum Parsival. Wagner-Verehrer Gregor Josephs ist nicht nur Chorleiter, er ist auch Pianist. Er spielte die Klavierversion des monumentalen Orchesterstücks, kraftvoll und ohne Scheu vor wagnerscher Wucht.

Dann holten die Sängerinnen und Sänger des Kammerchores tief Luft. Josephs hat die „Ballade der Senta“ aus der Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ für kleinen Kammerchor gesetzt. „Es ist in der Tat eine – wir sind das in Eschweiler gewohnt – Welturaufführung“ schmunzelte Adrian, der durch das Programm führte, und das Publikum quittierte mit Lachen und Applaus diese Anspielung auf das am Karfreitag in St. Peter und Paul aufgeführte, von Kantor József Ács vollendetes Requiem von Ruggero Leoncavallo. Die Umsetzung der Senta-Ballade für einen nur 13 Personen starken Chor nötigte „Cantabile“ vollen Einsatz ab. „Wagner ist auch körperlich anstrengend!“ versicherte Peter Adrian nach dem Konzert. Der Chor stürzte sich geradezu leidenschaftlich in das Stück, und die Zuhörer bedankten sich mit ebenso begeistertem Beifall.

Um dann erneut überrascht zu werden. Denn: „Das war der erste Streich. Wir haben noch einen“, leitete Peter Adrian zum dritten Wagner-Stück über. Gregor Joseph habe sich „eine noch schwerere Aufgabe gesetzt“. Er hat die rein instrumentale Einleitung zum 3. Akt der Oper „Tristan und Isolde“, eine Musik voller Trauer, Sehnsucht und Entsagung, zu einem Chorwerk umgeschrieben. Als Text nahm er einige Zeilen aus der mittelalterlichen Tristan-Erzählung: Das Phantasiebild des sterbenden Tristan, der im Garten seiner Burg liegend die Ankunft des Schiffes erhofft, das ihm Isolde zurück bringen soll.

Auch dies also eine „Eschweiler Welturaufführung“, wunderbar interpretiert vom Cantabile-Chor, dessen Gesang dann in das Englischhorn-Solo von Christoph Lingemann überleitete. Dessen klagende, elegische Interpretation der „alten Weise“, die Richard Wagner in seiner Oper als Hirtenmelodie einführte, übersetzte die ersterbende Hoffnung Tristans in herzbewegende Musik.

Umrahmt wurde die Wagner-Würdigung des Eschweiler Chores durch ein reichhaltiges Programm mal frühlingshaft beschwingter, mal anrührend inniger Chorwerke. Französische Lieder standen am Beginn, englische Volkslieder am Schluss des anderthalbstündigen Konzertprogramms. Dazu gab es noch ein selten aufgeführtes Agnus Dei von Johannes Brahms und ein hinreißend gesungenes Choralstück des englischen Komponisten Benjamin Britten, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt.

Der Chor teilte sich für diese „Hymn to a virgin“ in einen Frage- und Antwortchor auf, vor und hinter den Zuhörern postiert. Gregor Josephs dirigierte diplomatisch im Mittelgang. Zum Abschluss des Konzerts erklang das Abendlied von Josef Rheinberger.

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