Front gegen Rechts: Miteinander braucht gute Ideen

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Der riesige Springerstiefel aus Pappmaché ist bei einem Projekt des Mädchentreffs aus dem Jugendtreff „Check In“ entstanden. Ideen wie diese werden bei dem Aktionsmarkt gesammelt, der am 18. März im Rathaus beginnt. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Mehr Toleranz, mehr Vielfalt, mehr Demokratie wollen sie. Und sie wollen dem Einsatz von Schülern und Jugendlichen für Toleranz, Vielfalt und Demokratie ein Gesicht geben: Face – zu deutsch Gesicht – heißt das Projekt. Es wurde vom Netzwerk der Eschweiler Schulsozialarbeiter und der Mobilen Jugendarbeit erdacht.

 Mit Leben und Ideen gefüllt wird es von jungen Menschen aus Eschweiler. Vorgestellt wird es am 18. März um 17 Uhr im Rathaus. Dann beginnt ein „Aktionsmarkt“, der vier Wochen lang gute Ideen zeigen und neue Ideen sammeln soll.

Vor knapp einem Jahr wollten Rechtsradikale in Eschweiler demonstrieren. Bürger aller Altersgruppen und aus vielen gesellschaftlichen Gruppen gingen dagegen auf die Straße, demonstrierten und feierten ein Fest der Freundschaft. Der Aufmarsch der Neonazis wurde abgesagt. An diesen Erfolg knüpft „Face“ an, berichtet Nicole Hillemacher von der Mobilen Jugendarbeit der Stadt Eschweiler: „Wir hätten es schade gefunden, wenn das nur eine einmalige Aktion gewesen wäre, und haben uns entschieden: wir wollen für Nachhaltigkeit sorgen.“

Nachhaltigkeit heißt: Ideen sammeln. Ideen für Aktionen und Projekte rund um die gesellschaftspolitischen Themen Vielfalt, Toleranz und Demokratie. „Man muss das Rad ja nicht immer wieder neu erfinden“, sagt Dorothee Neubert, Berufsschulpfarrerin am Berufskolleg. Sie, mehrere Schulsozialarbeiter, Nicole Hillemacher vom Jugendamt und der Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang Joußen haben Face als Projektgruppe vorbereitet. Ihre Arbeit stellten sie gestern der Öffentlichkeit vor.

Das Face-Projekt wird präsentiert mit dem Aktionsmarkt im Rathaus, der von 18. März bis 18. April Ideen, Initiativen und Mitmach-Möglichkeiten darstellen soll. Michael Mußler, Schulsozialarbeiter der Realschule Patternhof: „In dem Aktionsmarkt im Rathausfoyer können zum Beispiel Schulklassen hin kommen, um Ideen für weitere Projekte zu sammeln. Aber natürlich können auch alle anderen interessierte Bürger dort schauen und staunen.“ Zugleich werden dort neue Ideen gesammelt. Das Projekt, von der Stadt Eschweiler finanziell unterstützt, läuft zunächst bis August 2014.

Zehn Schulprojekte gibt es bereits, die exemplarisch zeigen, wie junge Menschen die Themen Vielfalt, Toleranz und Demokratie kreativ angehen. Zu „Face“ gehört aber mehr als nur dieser Aktionsmarkt. Eingerichtet wird ein Internet-Portal, das von einer Arbeitsgruppe aus Schülerinnen und Schülern moderiert und redaktionell mitgestaltet wird: www.face-eschweiler.de. In etwa einer Woche soll es online gehen.

Geplant ist auch eine Zukunftswerkstatt im Sommer: eine Konferenz mit Lokalpolitikerinnen und -politikern, natürlich auch aus dem Integrationsrat der Stadt, in der diskutiert werden soll, wie die Förderung der Face-Themen in Schulen und Jugendeinrichtungen verankert werden kann.

Demokratische Werte kann man gar nicht früh genug vermitteln, versichert Lothar Horndt, seit vielen Jahren Schulsozialarbeiter an der Waldschule. Bei der Gegen-Demonstration vor einem Jahr sei klar geworden: Für Schulen ist es schwierig, minderjährige Schüler zur Teilnahme an Demonstrationen aufzufordern. Was Schule aber leisten kann, sei, demokratische Prinzipien und Denkweisen zu vermitteln. Horndt: „Wir möchten unseren Schutzbefohlenen klarmachen, dass man das, was einem nicht passt, auch laut sagen darf, und dass man auch das Recht hat, zu demonstrieren und seine Meinung frei zu äußern.“

Angedacht hat die-Projektgruppe weitere Aktionen, Aktivitäten und Produkte. Der Sozialwissenschaftler Dr. Wolfgang Joußen nennt „Handreichungen für Lehrer und Arbeitsblätter für den Unterricht“ als Beispiele. Die Handreichungen, die nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer gedacht sind, sondern für alle, die in der Kinder.und Jugendarbeit professionell oder ehrenamtlich tätig sind, bieten Anleitungen, eigene Aktivitäten und Projekte umzusetzen. Die Arbeitsblätter sind für den Schulunterricht gedacht, von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe II. Ebenfalls auf der Ideenliste steht die Produktion einer Radiosendung zu den Themen „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“, gestaltet von Schülern aus Eschweiler.

Face heißt Gesicht. Sein Gesicht zeigen und seine Stimme zu erheben gegen rechtsradikales Denken und für ein friedliches Miteinander ist Ziel von „Face“. Das ist auch ganz konkret gemeint. Auf der fast fertigen Internetseite soll der Schriftzug „Face“ von lauter Gesichtern gebildet werden. 39 sind notwendig, um die vier Buchstaben zu formen. „Die 39 haben wir auch schon zusammen“, freute sich Michael Mußler bei der Präsentation gestern.

Weil sicher noch viele junge Bürger aus Eschweiler mitmachen werden, werden immer neue Gesichter auf „Face“ zu sehen sein.

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