Eschweiler - Frischzellenkur für einen alten Stahlriesen

Frischzellenkur für einen alten Stahlriesen

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
bagger3_
Tagebau-Leiter Arthur Oster vor dem Vater aller Großschaufelradbagger. Derzeit wird der Stahlkoloss mit der Nummer 255 im Tagebau Inden für acht Millionen Euro Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Ein Jahr zuvor war Deutschland in Bern erstmalig Fußball-Weltmeister geworden, die D-Mark war gerade einmal sieben Jahre alt und es endete offiziell die Besatzungszeit sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR.

Das Jahr 1955 war aber auch jenes Jahr, in dem der erste und damit heute älteste Großschaufelradbagger der Welt seine Arbeit aufnahm. 55 Jahre lang hat das Stahl-Ungetüm ungezählte Millionen Kubikmeter an Erdreich bewegt. Derzeit wird der Vater der Großschaufelradbagger mit der Nummer 255 im Tagebau Inden saniert und instandgesetzt.

Eine wahre logistische Meisterleistung, wie der Leiter des Tagebaus, Arthur Oster, berichtet. Denn im Zuge einer 90-tägigen Generalüberholung werden derzeit sowohl große Teile der Mechanik als auch der Elektronik des Baggers auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Angefangen, so Projektleiter Frank Pachurka, habe man mit den Planungen bereits im April 2008.

Mittlerweile arbeiten rund 100 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb an dem Stahlkoloss, damit er Mitte Juli wieder in den Tagebaubetrieb eingegliedert werden kann. „Die Tatsache, dass RWE Power die Planung, Fertigung sowie den Einbau des neuen Schaufelrades in eigener Regie durchführt, spricht für die Fachkompetenz und das hohe technische Know-how, über das wir in unseren eigenen Reihen verfügen”, so Tagebau-Chef Oster.

Denn Genauigkeit ist besonders beim 135 Tonnen schweren und 17 Meter durchmessenden Schaufelrad mit seinen zehn Schaufeln alles. Eine Abweichung von gerade einmal 20 Millimeter sei bei der Montage letztlich möglich. Das bedeutete im Vorfeld: Schweißen auf den Punkt.

Durchweg beeindruckend lesen sich die Zahlen des Stahlriesens: 210 Meter lang, 66 Meter hoch und 5900 Tonnen schwer ist der erste Großschaufelradbagger der 110000-Tonnen-Klasse. Zur Vorstellung: Modernere 240000er-Modelle würden mit dem, was sie pro Tag (!) abbaggern, das Kölner Rhein-Energy-Stadion bis zu den Flutlichtmasten füllen.

Dass nun der Bagger 255 seit geraumer Zeit still steht bedeutet zugleich für den Tagebau Inden, dass derzeit die Förderkapazität rund 20 Prozent niedriger liegt. Mit den 25 Millionen Tonnen Braunkohle, die jährlich vor Eschweilers Haustür abgebaut werden, wird übrigens laut Tagebau-Chef Oster drei Prozent des deutschlandweiten Stromverbrauchs abgedeckt.

Derzeit blicken aber alle auf den Schaufelradbagger-Vater 255: „Neben der technischen Herausforderung freut es mich besonders, dass mehr als 90 Prozent des gesamten Instandhaltungsvolumens in der Region verbleiben”, freut sich Oster. Das RWE-Invest beträgt stolze acht Millionen Euro. Und noch eine freudige Botschaft hat Oster zu vermelden: Seit fast 250 Tagen und somit einer Million verfahrenen Stunden ist der Tagebau Inden unfallfrei. „Das ist eine Menge Zeit”, so der Chef von 1000 Tagebau-Mitarbeitern.

Heute nun wird das alte Schaufelrad, welches 1986 eingebaut wurde, mit einem so genannten Tandemlift - einem 500-Tonnen- und einem 400-Tonnen-Autokran herausmontiert. Das neue Schaufelrad wird in genau einer Woche dann sogar mit drei Autokränen (Tridemlift) eingesetzt. Damit ist der Vater der Großschaufelradbagger dann wieder auf der Höhe der Zeit und für die Tagebau-Zukunft bestens gerüstet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert