Frischvermählte greifen zur Schaufel

Von: Silvia Kurth
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Schweißtreibende Arbeit für eine schöne Erinnerung: In Kinzweiler pflanzten Frischvermählte ihre „Hochzeitsbäume”. Foto: Silvia Kurth

Eschweiler. Die 14 Pflanzlöcher waren schon ausgehoben, die Wurzelballen der Bäume mit Drahtgeflecht vor hungrigen Mäusen geschützt. Jetzt mussten die Paare nur noch zu den Schaufeln greifen und das Pflanzwerk mit Hilfe eines Mitarbeiters des Forstamtes vollenden. In ein paar Jahren werden sie mit etwas Glück die Früchte dieser Arbeit ernten können.

Ein Baum ist etwas, das lange währt. Manchmal Jahrhunderte oder länger. „Bäume sind Sinnbilder des Lebens.” Eingedenk dieser Einsicht lässt die Stadt Eschweiler seit 29 Jahren Frischvermählte ein Bäumchen pflanzen. Am Freitagnachmittag wurde so ein Ackerstreifen unweit des Neubaugebietes am Begauer Mühlenweg begrünt.

Bürgermeister Rudi Bertram wünschte den Paaren, „dass sich Ihre Partnerschaft so gestaltet wie dieser Baum: Er wird immer wieder blühen”, Auch nach „blattlosen Zeiten”.

„Nach alten mythologischen Vorstellungen galten Bäume als Ort der Ungeborenen und als Kinderbringer sowie als Sitz der Seele der Menschen”, gab Hedwig Assenmacher vom Planungsamt den Paaren mit auf den Weg zur Pflanzung. „Diese uralte Vorstellung vom Baum als lebensspendendes Fruchtbarkeitssymbol mag wohl auch die Wurzel gewesen sein für einen Hochzeitsbrauch, der in vielen Teilen Deutschlands schon vor mehr als 100 Jahren gepflegt wurde”: Früher einmal sei es häufig Sitte gewesen, dass Paare zur Erinnerung an ihre Hochzeit einen Baum gepflanzt haben.

1980 lebte dieser Brauch auf Vorschlag eines Bürgers in Eschweiler wieder auf. Seither werden zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, „Hochzeitsbäume” gepflanzt. Beim ersten Mal waren nur zwei Bäume gesetzt worden, doch immer mehr Paare ließen sich im Laufe der Jahre von der Idee begeistern. Bis heute wurden 1187 Bäume gepflanzt.

Die Eichen und Kastanien, die einst im Stadtwald den Anfang machten, sind inzwischen zu stattlichen Bäumen herangewachsen. Seit 1995 werden vermehrt auch Obstbäume alter Sorten, die früher hierzulande vorkamen, und Wildobst angepflanzt. Im Stadtwald, in Dürwiß, in Neu-Lohn, am Blausteinsee und im Bereich des Omerbaches sind auf diese Weise schon Streuobstwiesen, Wildobstwiesen und Obstbaumreihen entstanden.

In Kinzweiler wurden die Hochzeitsbäume auf einem ehemaligen Acker gepflanzt, wobei die Paare noch einmal von den guten Wünschen von Standesbeamtin Hedi Bertram begleitet wurden. Für alle gab es noch einen Lageplan, in dem „ihr” Baum eingezeichnet ist. Damit sie ihn auch nach Jahren noch wiederfinden und sich an diesen schönen Tag erinnern können.
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