Friedensstifter in Nigeria kämpfen mit vielen Konflikten

Von: ran
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Informierte zwei Wochen vor dem Weltmissionstag über die Situation der Menschen in Nigeria: Toni Görtz, Mitarbeiter der Auslandsabteilung des Missionswerkes „Missio”. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Selig, die Frieden stiften”, lautet die Überschrift des Sonntags der Weltmission, der am 25. Oktober stattfindet. Genau diesem Motto hat sich Schwester Josephine Olagunju aus Nigeria verschrieben.

Die 55-jährige Ordensfrau kämpft in ihrem westafrikanischen Heimatland, das im Mittelpunkt des Weltmissionstags steht und in dem es immer wieder auch zu religiös und ethnisch motivierten Gewalttaten kommt, für ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und Christen.

Am Samstag sollte die Friedensaktivistin nun zu Gast bei der heiligen Messe in der katholischen Gemeinde St. Michael sein, um nach dem Gottesdienst über ihre Arbeit zu berichten. Leider spielten die deutschen Behörden nicht mit. Schwester Josephine Olagunju erhielt kein Visum.

„Es ist kaum zu glauben, wie schwer es Menschen aus Nigeria gemacht wird, nach Deutschland zu reisen. Anscheinend wollen wir keine ausländischen Gäste haben”, nahm Toni Görtz, der seit vielen Jahren für das internationale Katholische Missionswerk „Missio” tätig ist, kein Blatt vor den Mund. Der Mitarbeiter der Missio-Auslandsabteilung, der zuletzt im Dezember 2008 Nigeria besuchte, übernahm die Rolle des Referenten und berichtete über die Arbeit des Missionswerkes vor Ort in Afrika.

„Nigeria gilt als das religiöseste Land der Welt. 92 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als tiefreligiös”, betonte Toni Görtz zu Beginn seines Vortrags. Allerdings enthalte das Verhältnis von 45 Prozent Muslimen zu 45 Prozent Christen auch eine Quelle von Spannungen.

Das Hauptproblem Nigerias, das trotz großer Erdölvorkommen zu den 20 ärmsten Ländern der Erde zählt, sei aber die Verteilungsungerechtigkeit. „Es leben viele Extrem-Arme neben wenigen Super-Reichen”, brachte es der Missio-Mitarbeiter auf den Punkt. Und die Zahl der Armen wachse. „Lebten 1990 rund 33 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, waren es 2008 schon 70 Prozent aller Menschen.”

Unter diesem Gesichtspunkt seien auch die Unruhen zwischen Muslimen und Christen zu beurteilen, die zwar seit Jahrzehnten existierten, aber nicht als Religionskrieg zu verstehen seien. „Schuld an der Gewalt sind die Armut und die daraus resultierenden Verteilungskämpfe.”

Bekämpfung von Gewalt

Die katholische Kirche, der in Nigeria etwa zwölf Prozent aller Menschen angehören, bemühe sich, sehr ausgewogen für den Frieden einzutreten. „Die Bischofskonferenz spricht mit einer Stimme. Deshalb hat die katholische Kirche, trotz ihrer nicht so großen Zahl an Mitgliedern, großes Gewicht in Nigeria”, erklärte Toni Görtz.

Zentrales Ziel zur Verbesserung der Situation in Nigeria müsse die Bekämpfung der Ursachen der Gewalt sein. Neben zahlreichen Sozialprojekten gebe es auch Friedensinitiativen von Einzelpersonen sowie gemeinsame Aktivitäten von Muslimen und Christen. Christlich-muslimische Komitees seien keine Seltenheit.

Die Projektpolitik von Missio konzentriert sich vor allem auf eine möglichst effektive Hilfe für die ärmsten Diözesen des Landes. „Aus den wohlhabenderen Diözesen haben wir uns vollständig zurückgezogen. Dort muss nun Solidarität untereinander gelebt werden”, machte Toni Görtz deutlich.

Allerdings werde die Arbeit nicht einfacher. „Unsere Spendeneinnahmen sind rückläufig und diese Entwicklung wird sich wohl fortsetzen”, ist ihm bewusst. „Deshalb muss unsere Arbeit vor Ort effektiv sein. Wir müssen Prioritäten setzen und dürfen keine deutsche Politik in Nigeria machen, sondern uns nach den Bedürfnissen der Einheimischen richten.”

Zwei der wichtigsten Projekte seien zum einen die Ausbildung von Priestern, Ordensschwestern, Katechisten und Laien sowie zum anderen die Gefängnisseelsorge. „Die Zustände in den Gefängnissen Nigerias sind unmenschlich. Viele Insassen, die Jahre inhaftiert sind, wissen gar nicht, was ihnen vorgeworfen wird. Grund ist nicht selten die Bestechlichkeit von Polizisten oder anderer Staatsbeamter”, so Toni Görtz, der große Hoffnungen in die ausgebildeten Katechisten setzt.

„Sie sind die Friedensboten und eigentlichen Seelsorger. Nicht zuletzt auch in den christlich-muslimischen Komitees.” Als weitere wichtige Projekte unterstützt das Missionswerk den Wiederaufbau niedergebrannter Kirchen, die Stärkung von Familien als Keimzelle der Gesellschaft sowie die Stärkung von Frauen in der nigerianischen Männergesellschaft. „Dabei sehen wir die Ordensfrauen als Vorbilder”, betonte Toni Görtz.

Während der Messe hatte Kaplan Klemens Gößmann bereits dazu aufgefordert, Reichtum mit den Armen zu teilen.
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