Frieden auf Erden: In 300 Jahren vielleicht?

Von: ran
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Eindringlicher Erzähler und Vorleser, aufmerksame und mitfühlende Schüler: Die Lesung von Autor Tilman Röhrig vor Schülern der zehnten Jahrgangsstufe der Realschule zog alle in ihren Bann. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Wird aus heutiger Sicht in 300 Jahren Frieden auf der Erde herrschen?“ Eine im Angesicht der aktuellen weltpolitischen Situation verständliche, aber auch durchaus verstörende Frage, die eine Schülerin der zehnten Jahrgangsstufe der Realschule Patternhof am Montagmorgen dem Buchautor Tilman Röhrig stellte.

Der Schriftsteller und gelernte Schauspieler las aus seinem 1983 erschienenen Erfolgsbuch „In 300 Jahren vielleicht“, mit dem sich die Schüler seit Januar in einer Unterrichtsreihe intensivst beschäftigt hatten, und stand seinen wissbegierigen jungen Zuhörern zuvor und danach ausführlich Rede und Antwort.

Seit Jahren auf dem Lehrplan

„Es ist erschreckend, wie aktuell dieses Buch nach wie vor ist“, schüttelt Tilman Röhrig eigentlich fassungslos den Kopf. Anfang der 80er Jahre auf Grund des atomaren Wettrüstens in Ost und West als aufrüttelndes Werk, das nicht die Kriegsgewalt selbst, sondern vor allem die Folgen dieser in den Vordergrund stellt, verfasst, stammt die fiktive Erzählung, die dem Leser die Grausamkeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 -1648) vor Augen führt, keinesfalls aus einer Epoche, deren Barbarei längst überwunden ist, wie die jüngste Vergangenheit schmerzlich unter Beweis stellt.

„Seit Jahren steht das Buch bei uns auf dem Lehrplan für die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe. Und ich erlebe diese Unterrichtsreihe für alle Beteiligten stets als sehr intensiv und gewinnbringend“, erklärt Michaela Silbernagel, Rektorin der Realschule Patternhof, die die Schüler gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Günther Busch und den Lehrerinnen Parastu Tajbakhsh, Ingrid Bresselschmitt und Carmen Hellmanns bei der Lektüre begleitete.

„Dabei wird das Buch vollständig während des Unterrichts in der Schule gelesen, denn die Handlung bringt immer wieder Dinge zutage, die den Schülern im Herzen brennen. Deshalb lassen wir sie mit dem Lesestoff nicht alleine!“, so die Schulleiterin. Denn den Verantwortlichen der Schule ist selbstverständlich bewusst, dass es sich bei „In 300 Jahren vielleicht“ nicht gerade um ein „Wohlfühlbuch“ handelt.

Dies wurde auch während der Lesung deutlich, während der Tilman Röhrig die emotional wohl aufwühlendste Szene des Buches außerordentlich authentisch vorlas: Die 13-jährige Anne ist Opfer einer Söldnerhorde geworden. Ihr ein Jahr älterer Bruder Tobias und dessen Freund Jockel finden das geschundene Mädchen mehr tot als lebendig. Tobias weiß, dass seine Schwester auf keinen Fall einschlafen darf und beginnt zu erzählen, um sie wachzuhalten.

Er spricht über den Frieden, den Anne, Tobias und Jockel niemals kennengelernt haben, von dem die Großmutter aber immer wieder geschwärmt habe und der einen dicken Bauch und rote Wangen habe. Schon bald werde er herrschen. „In 100 oder 200 Jahren. Ganz bestimmt aber in 300 Jahren“, verspricht Tobias seiner Schwester. Diese lächelt kurz, dann bewegen sich ihre Lippen nicht mehr...

Neues Buch im Oktober

„Warum muss Anne sterben?“, lautete dann auch eine der Fragen der Schüler. „Weil ich mir das Liebste, was dieses Buch zu bieten hat, aus dem Herzen reissen musste. Das ist Krieg! Und eines ist klar: Über den Krieg gibt es nicht ein einzig gutes Wort zu sagen“, so die Antwort des Autors. „Ich wollte kein Hintertürchen auflassen, damit niemand behaupten kann, Krieg oder Gewalt sei ja gar nicht so schlimm. Deshalb muss im Buch leider Schreckliches geschehen“, begründete Tilman Röhrig darüber hinaus, um sich anschließend weiteren zahlreichen Fragen des bestens vorbereiteten Publikums zu widmen.

Etwa nach dem Lieblingsbuch aus eigener Feder. „Das ist immer das aktuellste Buch. Dieses habe ich gerade fertiggestellt. Es wird am 4. Oktober unter dem Titel Die Flügel der Freiheit´ erscheinen. Im Mittelpunkt steht dabei Martin Luther“, wusste der Schriftssteller zu berichten. Ebenso wollten die Schüler wissen, ob das Schreiben für Tilman Röhrig eher Hobby oder Beruf sei? „Es ist mein Leben! Wenn ihr es mir verbieten würdet, würde ich es heimlich tun“, machte der 71-Jährige deutlich.

Und wie wird nun die Welt in 300 Jahren aussehen, nachdem sich die Vorhersage von Tobias in keinster Weise bewahrheitet hat. Wird Frieden herrschen? „Ich fürchte, dass auch dann nicht überall Frieden herrschen wird. Aber vielleicht ist ja der Weg das Ziel, also das Bemühen so vieler Menschen als möglich, Krieg zu vermeiden“, möchte Tilman Röhrig keiensfalls die Hoffnung aufgeben.

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