Friedel Radermacher ist der Vater der Musikgesellschaft

Von: pan
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Prägte die Musikszene Eschweilers nach dem Zweiten Weltkrieg: Friedel Radermacher trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Foto: Nowicki

Eschweiler. „Schreiben Sie bitte Friedel Radermacher, sonst erkennt mich ja niemand in Eschweiler.“ Der ältere Herr lächelt verschmitzt, während er das sagt. Friedel Radermacher? Die älteren Eschweiler werden sich noch erinnern. Unmittelbar nach dem Krieg war er eine prägende Figur in der Eschweiler Musikszene.

Er war an der Gründung der Städtischen Musikgesellschaft im Jahr 1948 beteiligt und leitete sie bis zum Jahr 1959. Damals hieß der Zusammenschluss von „Liederkranz 1946“, „Liederkranz 09“, Mardrigalchor mit einem Orchester noch Musikvereinigung. Heute lebt er mit seiner Frau Gertrud in Hilden, in der Nähe von Düsseldorf.

Im April wurde Friedel Radermacher 90 Jahre alt. Aber man merkt dem freundlichen Herren das hohe Alter kaum an. Offensichtlich hält ihn die Musik jung. Er gilt schließlich als bedeutender Komponist zeitgenössischer Musik. Stimmen, Instrumente und vor allem Noten bestimmten sein Leben. Noch heute setzt er sich an den Computer, um die Werke, die er einst komponierte, digital zu erfassen.

Er ändere nicht viel daran, nur an der Besetzung. Orchester sind heute in der Regel dünner besetzt als noch vor Jahrzehnten. Ein Instrument spielt er hingegen nicht mehr. „Das habe ich vor drei Jahren drangegeben“, sagt er. Einmal habe er sich noch an eine Orgel gesetzt: „Da habe ich mir geschworen: Das machst du nie mehr.“

Wenn er von früher in Eschweiler erzählt, dann geht sein Blick meistens in die 40er und 50er Jahre zurück. Jährlich bis zu sechs Konzerte gab die Städtische Musikgesellschaft zu dieser Zeit. Viele Aufführungen, auch Opern zählten dazu, fanden im Burghof statt. Oder wie ihn Friedel Radermacher nennt: „Blutiger Knochen“ und „Burschmarie“. Er kann eine Reihe von Musiker aus Eschweiler aufzählen, die damals in seinem Orchester spielten oder in Chören sangen. Viele Namen garniert er mit Anekdoten.

Die Liebe zur Musik wurde Friedel Radermacher in die Wiege gelegt. Vater Willy war Organist, Mutter Jenny verdiente sich als Privatmusiklehrerin. So war es selbstverständlich, dass er früh das Geigenspiel lernte und Unterricht an der Musikhochschule Köln erhielt. Als sein Vater aus dem Krieg nicht zurückkehrte, übernahm er „zunächst übergangsweise“ und später dauerhaft dessen Tätigkeiten als Organist und Chorleiter.

Das Komponieren von Werken war seit jeher seiner Passion. Und sie wurde auch zu seinem Beruf: Schon 1952 erhielt er seinen ersten Lehrauftrag an der Musikhochschule Köln, dort wurde er auch Professor für Tonsatz. Im Jahr 1955 folgte der komplette Umzug nach Köln, wo er sich ganz seiner Lehrtätigkeit widmen konnte. Er übernahm einen Lehrauftrag für Musiktheorie und war zudem von 1976 bis 1986 stellvertretender Direktor der Kölner Musikhochschule. Doch die Kontakte nach Eschweiler rissen nie ab.

Ständchen im Rathaus

Auch die Städtische Musikgesellschaft gratulierte ihrem Mitgründer: Beim Empfang im Rathaus mit Bürgermeister Rudi Bertram und den stellvertretenden Bürgermeister Manfred Groß spielte ein Quintett ein Stück aus der Feder von Professor Friedel Radermacher aus der Reihe der „Neuen Salonmusik“. Passend zum Anlass heißt das Stück „Gute Laune“.

Anschließend trug sich der 90-Jährige ins Goldene Buch der Stadt ein. Dabei beließ er es nicht bei einer Unterschrift. Er zeichnete Notenlinien und schrieb die Melodie seines Werks „Struwwelpeter“ auf, das 1949 in Eschweiler uraufgeführt wurde.

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